Christenverfolgung – In Nordkorea leiden Christen am meisten

Christenverfolgung nimmt zu. 5.000 Christen wurden im Jahr 2023 laut Hilfsorganisation Open Doors wegen ihres Glaubens getötet.

Einst eine Kirche, jetzt nur noch ein Trümmerhaufen: die Überreste der chaldäisch-­katholischen ­al-Tahira-­Kathedrale im irakischen Mossul. (Foto: KNA)
Einst eine Kirche, jetzt nur noch ein Trümmerhaufen: die Überreste der chaldäisch-­katholischen ­al-Tahira-­Kathedrale im irakischen Mossul. (Foto: KNA)
veröffentlicht am 29.01.2024
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Die Markierungen auf der Weltkarte sind eindeutig: Vor allem im Mittleren Osten, aber auch im Norden und Osten Afrikas sowie in Südasien häufen sich rote Fähnchen, die auf starke Christenverfolgung hinweisen. 5 000 Christen wurden laut Hilfsorganisation Open Doors 2023 wegen ihres Glaubens getötet.

Kelkheim (KNA). Mal sind es autoritäre Regierungen, die die Religionsfreiheit von Christen beschränken. Mal sind es islamistische oder radikale hinduistische Gruppierungen, die Christen das Leben schwer machen. Aber auch Familienclans und Stämme verfolgen ihre Angehörigen, wenn sie zum christlichen Glauben übertreten.

Glaubt man dem neuen Weltverfolgungsbericht der Hilfsorganisation Open Doors, hat sich die Lage der Christen 2023 weiter deutlich verschlechtert. Weltweit seien mehr als 365 Millionen Christen wegen ihres Glaubens einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt, heißt es. Betroffen seien christliche Minderheiten in mehr als 70 Ländern.

Laut Bericht führt Nordkorea die Negativ-­Rangliste der stärksten Unterdrückung erneut an, gefolgt von Somalia, Libyen, Eritrea, Jemen, Nigeria, Pakistan, Sudan, Iran und Afghanistan. Die bevölkerungsreichsten ­Länder der Welt, Indien und China, belegen die Ränge 11 und 19.

Schließung und Zerstörung von Gotteshäusern

Opfer von körperlicher Gewalt wurden vor allem Christen in Afrika südlich des Äquators, aber auch in Indien. Von den mindestens 4.998 Christen, die 2023 wegen ihres Glaubens getötet worden seien, waren allein 4 118 aus Nigeria. In Indien registrierte Open Doors 160 Christen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden.

Schließung und Zerstörung von Gotteshäusern, christlichen Schulen und Einrichtungen sind laut dem Hilfswerk, das den Freikirchen nahesteht, vor allem ein Thema in Asien. Im Nahen Osten sei die Auswanderungswelle der christlichen Bevölkerung nach wie vor nicht gestoppt. In der nordsyrischen Region Afrin etwa hätten türkische Soldaten die gesamte christliche Bevölkerung in die Flucht getrieben.

Die Zahlen von Open Doors lassen sich nicht unabhängig nachprüfen. Das Hilfswerk selbst räumt ein, dass keine allgemein anerkannte rechtliche Definition des Begriffs Verfolgung existiere. „Nicht immer ist eindeutig, ob der (so empfundene) Druck auf oder die konkrete Gewalt gegen Christen durch ihren Glauben bedingt ist.“ Dennoch verteidigt die Hilfsorganisation ihre Statistiken: Seit 1992 würden Daten aus rund 100 Ländern von kirchlichen Netzwerken, Menschenrechtsanwälten, Analysten sowie Experten von Open Doors International ausgewertet.

Christliche Gemeinden fühlen sich im Stich gelassen

Zugleich nimmt die Hilfsorganisation für sich in Anspruch, das Thema in der Öffentlichkeit wachgehalten zu haben. Erst im Dezember hatte die in Göttingen beheimatete Gesellschaft für bedrohte Völker der Bundesregierung und den beiden großen Kirchen mangelnde Solidarität gegenüber verfolgten Christen vorgeworfen. Gerade gegenüber islamischen Staaten sei es offenbar „nicht opportun“, Glaubensfreiheit einzufordern, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Christliche Gemeinden in islamischen Ländern fühlten sich im Stich gelassen.

Einen Schwerpunkt legt der neue Weltverfolgungsindex auf Afrika: Dort nutzten radikale Gruppen, die mit dem Islamischen Staat (IS) und al-­Kaida verbunden seien, die Instabilität von Staaten und Regierungen, wie etwa in Mali oder Libyen. Auch durch einen wachsenden Einfluss von China und Russland sieht Open Doors die Lage der Christen in Afrika erschwert. Sie würden schnell als verlängerter Arm des Westens gebrandmarkt und unter Druck gesetzt.

Wachsende Schwierigkeiten sieht der Weltverfolgungsindex auch in Indien, das von Mai bis Juni ein neues Parlament wählt. Religiöse Konflikte als politischen Zündstoff einzusetzen, sei ein erprobtes Mittel der hindu-­nationalistischen Regierungspartei BJP, heißt es.

Unterdrückung in China geht vom Staat aus

Während in Indien die Angriffe auf Kirchen und Christen von aggressiven Volksmengen verübt würden, gehe die Unterdrückung in China vom Staat aus. „Auf China entfallen mehr als 10.000 und auf Indien 2 228 Angriffe auf oder Schließungen von Kirchen sowie ihren Einrichtungen“, heißt es im Bericht.

Trotz der insgesamt düsteren Lage sieht Open Doors auch einige wenige Lichtblicke: Obwohl sich die Lage der Christen in Mali verschlechtert habe, könnte bald eine neue Verfassung in Kraft treten, die eine klare Anerkennung der christlichen Minderheit festschreibe. In Indien habe bei Wahlen im Bundesstaat Karnataka im Frühjahr 2023 die Kongresspartei die hindu-­nationalistische BJP verdrängt. Sie habe angekündigt, Schulbücher und Antibekehrungsgesetze zurückzuziehen, die gegen die christliche Minderheit gerichtet gewesen seien.

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