Vor 150 Jahren ist Hoffmann von Fallersleben gestorben

Hoffmann von Fallersleben lieferte nicht nur den Text für die deutsche Nationalhymne – ­sondern dichtete noch ganz andere Evergreens.

Das Grab des Dichters in Corvey. Der Schöpfer des „Liedes der Deutschen“ hatte dort seine letzten ­Lebensjahre in der Bibliothek gearbeitet. (Foto: KNA)
Das Grab des Dichters in Corvey. Der Schöpfer des „Liedes der Deutschen“ hatte dort seine letzten ­Lebensjahre in der Bibliothek gearbeitet. (Foto: KNA)
veröffentlicht am 19.01.2024
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Eigentlich müsste den Mann mit dem langen Namen jedes Kind kennen. Denn August Heinrich Hoffmann von Fallersleben lieferte nicht nur den Text für die deutsche Nationalhymne – ­sondern dichtete noch ganz andere Evergreens. Vor 150 Jahren ist der Poet gestorben.

Bonn (KNA). Die glatten Haare halblang, das runde Gesicht umrahmt von einem Zauselbart: In seinen reifen Jahren hatte August Heinrich Hoffmann von Fallersleben etwas von einem Alt-­Hippie. Wer weiß: Wären die Aussteiger bereits im 19. Jahrhundert auf den Plan getreten, hätte der Dichter vielleicht mit ihnen sympathisiert. Aufsässig genug war er jedenfalls.

Die letzte Station in seinem Lebensweg legt das allerdings nicht unbedingt nahe. Von 1860 bis zu seinem Tod vor 150 Jahren, am 19. Januar 1874, arbeitete der Dichter in der früheren Benediktinerabtei Corvey am Aufbau der Bibliothek der dort residierenden Herzöge von Ratibor und Fürsten von Corvey. Sie ist heute mit rund 74 000 Büchern eine der größten privaten Sammlungen Deutschlands.

Beginn einer vielversprechenden Karriere

Zuvor ging es für Hoffmann von Fallersleben weniger beschaulich zu. Die Französische Revolution und Napoleon hatten das Leben der Menschen auch in Deutschland durch­einandergewirbelt. Nach dem Wiener Kongress 1815 gewannen schnell wieder die alten Kräfte die Oberhand. An den Universitäten aber gärte es weiter. Dort startete der vielseitig begabte junge Mann eine vielversprechende Karriere – bevor die Politik dazwischenfunkte.

Die Anfänge waren eher un­spektakulär. Als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns und Gastwirts Heinrich Wilhelm Hoffmann und dessen Frau Dorothea Eleonore Marie wurde August Heinrich am 2. ­April 1798 im Ort Fallersleben geboren, heute ein Stadtteil von ­Wolfsburg. Im Studium gab er sich den Zusatz „von Fallersleben“ – um Verwechslungen ­vorzubeugen, wie es immer heißt.

Zunächst widmete sich August Heinrich der Theologie, dann der Altphilologie und der Archäologie. Es folgten Studien der deutschen Sprache und Literatur. Hoffmann wechselte von Göttingen an die neu gegründete Uni Bonn, grub sich in die dortige Bibliothek ein. Er förderte Bruchstücke von Otfrid von Weißenburgs Evangelienbuch aus dem 9. Jahrhundert zutage. Ende 1821 zog Hoffmann nach Berlin; zwei Jahre später wurde er Bibliothekar an der Breslauer Universität.

1840 erschienen seine „Unpolitischen Lieder“

Die Liebe zum Buch blieb eine Konstante in seinem Leben – ebenso wie der Hang zum Verseschmieden. „Er besang alles: Liebe, Wein, Frühling und Winter, die Kinder und die Vagabunden, die Fürsten und die Philister“, heißt es in der Deutschen Literaturgeschichte von Fritz Martini. Das Ergebnis dieses reichen Wirkens schallt noch heute durch Kindergärten und Grundschulen: Mit Liedern wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Ein Männlein steht im Walde“ sind dem Dichter echte Evergreens gelungen.

Doch Hoffmann, inzwischen Professor in Breslau, beließ es nicht beim Harmlosen. 1840 erschienen seine „Unpolitischen Lieder“. Gleich zu Beginn haute der Poet auf den Putz: „Von allen Wünschen auf der Welt / Nur einer mir anjetzt gefällt / Nur: Knüppel aus dem Sack!“ Und weiter: „Ich schaffte Freiheit, Recht und Ruh / Und frohes Leben noch dazu.“ Vielen Zeitgenossen gefiel das – den Behörden jedoch nicht. Preußens Kultusministerium sorgte dafür, dass Hoffmann als „staatsgefährdend“ 1842 von der Uni entlassen wurde.

Im Jahr zuvor aber brachte der aufmüpfige Autor wieder etwas mit „Freiheit“ und „Recht“ zu Papier: das „Lied der Deutschen“. Auf der damals britischen Nordseeinsel Helgoland träumte Hoffmann von einem einig Vaterland in den Grenzen des Deutschen Bundes: „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“. Dass die dritte Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit“ dereinst die deutsche Nationalhymne ­werden würde, hätte er sich wohl selbst nicht träumen lassen.

„Lied des literarischen ‚Revoluzzers‘ gegen deutsche Kleinstaaterei“

Immerhin, eben dort auf der Nordseeinsel, erklang das „Lied des literarischen ‚Revoluzzers‘ gegen deutsche Kleinstaaterei“ am 9. August 1890 erstmals aus offiziellem Anlass, wie der Historiker Hermann Schäfer festhält: Damals kam Helgoland in deutsche Hand. Hoffmann selbst brachte das Eiland wenig Glück. Seine Pensionsansprüche werden ihm aberkannt, das Schicksal und Polizeispitzel spülten ihn bald hierhin, bald dorthin.

Erst 1848 wurde er rehabilitiert und weitere zwölf Jahre dauerte es, bis er 1860 eine dauerhafte Anstellung in Corvey fand. Im Schatten seiner westfälischen Wirkungsstätte fand der Vater der Hymne seine letzte Ruhe.

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