Eine Stiftung für die Zukunft

Am 1.2.2024 haben die „Missionare vom Kostbaren Blut“ die Trägerschaft des Gymnasiums St. Kaspar in ­Neuenheerse an die gemeinnützige „St. Kaspar-Schulstiftung“ übergeben.

Sie gehören dem neuen Vorstand und dem Kuratorium der „St. Kaspar-­Schulstiftung“ an (von links): Sebastian Otten, Patrick Kleibold, Burkhard Nickel, Pater Josef Klingele, Pater Thomas Wunram, Schulleiter Matthias Nadenau und Marcus Weiß. Links ist die Schule zu sehen, rechts das ehemalige Damenstift, in dem auch die Anfänge von St. Kaspar stattfanden. (Foto: Flüter)
Sie gehören dem neuen Vorstand und dem Kuratorium der „St. Kaspar-­Schulstiftung“ an (von links): Sebastian Otten, Patrick Kleibold, Burkhard Nickel, Pater Josef Klingele, Pater Thomas Wunram, Schulleiter Matthias Nadenau und Marcus Weiß. Links ist die Schule zu sehen, rechts das ehemalige Damenstift, in dem auch die Anfänge von St. Kaspar stattfanden. (Foto: Flüter)
veröffentlicht am 17.01.2024
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Am 1. Januar 2024 haben die „Missionare vom Kostbaren Blut“ die Trägerschaft des ­Gymnasiums St. Kaspar in Bad Driburg-­Neuenheerse an die neu gegründete und gemeinnützige „St. Kaspar-Schulstiftung“ übergeben. Die Stiftung soll das Gymnasium im Sinne ihrer Stifter weiterführen.

Bad Driburg-Neuenheerse. 66 Jahre lang haben die Missionare die von ihnen im Jahr 1957 gegründete und staatlich anerkannte Privatschule als Schulträger geführt. Wie in allen Orden fehlt bei den „Missionaren vom Kostbaren Blut“ jedoch der Nachwuchs. 28 Brüder gibt es noch in Deutschland, Österreich und Liechtenstein, zwei in Neuenheerse. Deshalb tragen sich Pater Josef Wunram und Pater Josef Klingele schon länger als ein Jahrzehnt mit dem Gedanken, eine Stiftung für St. Kaspar zu gründen. Ein Wunsch, der nun Wirklichkeit geworden ist.

„Christlich, umfassend, respektvoll, authentisch“ sei das Leitprinzip am Gymnasium St. Kaspar, sagt Burkhard Nickel. Der ehemalige Lehrer ist wegen St. Kaspar nach Neuenheerse gekommen, aus Überzeugung geblieben und nun Vorstandsmitglied der Stiftung. Das Bekenntnis der Brüder zu einer egalitären, solidarischen sowie ökumenischen Schule hat die Bildungslandschaft in der Region um Neuenheerse geprägt. Noch immer stammen mehr als 60 Prozent der Schüler aus Nicht-Akademiker-­Familien.

Das mit 450 Schülerinnen und Schülern sowie 55 Mitarbeitenden eher kleine Gymnasium verlangt auch in Zukunft kein Schulgeld, ein deutlicher Hinweis auf die Bildungsgerechtigkeit, der sich St. Kaspar verpflichtet fühlt. Dort bedeutet Lernen offenbar mehr als nur leistungsorientiertes Pauken. Die Schüler sollen sich aktiv einbringen. Dafür sorgt schon die Einbettung des Schulgebäudes in die Natur des Eggedorfes Neuenheerse.

Der größte Schulhof der Welt

Die Schule rühmt sich inoffiziell, den größten Schulhof der Welt zu haben. Tatsächlich können die Schüler in den Pausen die gesamte, mehr als vier Hektar umfassende Fläche aus Rasenflächen und altem Baumbestand nutzen. Praktische Betätigung, beispielsweise im Rahmen der Umweltausbildung, spielt im Curriculum der Schule eine wichtige Rolle.

Der Einzugsbereich von St. Kaspar reicht bis nach Paderborn. Auch dort hat sich die besondere pädagogische Arbeit des Gymnasiums in Neuenheerse herumgesprochen. Die Wertevermittlung dort zieht sich durch den Schulalltag. Die Verbindung von Ausbildung und der Weitergabe christlicher Werte war, ist und bleibt ein besonderer Schwerpunkt in der Geschichte von St. Kaspar. 

Dafür braucht es stabile finanzielle Voraussetzungen, die ausreichend pädagogischen Spielraum eröffnen. Das ist die Aufgabe der neuen Schulstiftung sowie des länger bestehenden Fördervereins für St. Kaspar. Der Orden stattete die Schulstiftung mit zwei Millionen Euro Barvermögen aus. Daneben besteht das Stiftungsvermögen vor allem aus Immobilien, dem weitläufigen Grundstück des ­St.-Kaspar-­Gymnasiums sowie allen Gebäuden, die auf dem Grundstück stehen.

Ehemalige engagieren sich für ihre alte Schule

Die „St. Kaspar-Schulstiftung“ muss für 6 Prozent der laufenden Kosten des Schulbetriebs aufkommen, die sich insgesamt jährlich auf etwa 3,5 Millionen Euro belaufen. Also müssen Jahr für Jahr ca. 210 000 Euro von der Stiftung aufgebracht werden. Ein Großteil dieser Summe wird durch die Jugendhäuser im ehemaligen Internat auf dem Gelände von St. Kaspar erwirtschaftet. Etwa 4 000 Besucher sind dort jährlich zu Gast. Auch diese Einrichtung gehört zur „Schulstiftung St. Kaspar“. Weitere Gelder kommen aus dem Förderverein und aus Spenden. Möglich ist es, Fehlbeträge aus dem Stiftungskapital zu decken.

Es war ein Kraftakt der gesamten Schulgemeinschaft, die die Gründung der Schulstiftung möglich machte. Zu dieser Gemeinschaft gehören die Patres. Pater Thomas Wunram (62) war von 2014 bis 2023 Rektor des Gymnasiums. Auch im Ruhestand – den es für Ordensbrüder nicht wirklich gibt – ist er wie sein Ordensbruder Pater Josef Klingele (73) weiter Lehrer im Gymnasium St. Kaspar. Pater Josef Klingele prägte das ­Gymnasium in der Zeit von 2000 bis 2014 als Rektor entscheidend mit. Die Patres nehmen in der neuen Stiftung zentrale ­Rollen ein. Pater Josef gehört dem vierköpfigen Vorstand an, ­Pater Thomas ist Geschäftsführer.

In Vorstand und Kuratorium der „St. Kaspar-Schulstiftung“ haben bemerkenswert viele Ehemalige der Schule Verantwortung übernommen – auch das ist ein Zeichen für die gute pädagogische Arbeit in St. Kaspar, die noch nach Jahrzehnten nachwirkt. Den beiden Gremien gehören die St.-Kaspar-­Absolventen Willi Ernst (Vermögensverwaltung), Patrick Kleibold (Öffentlichkeitsarbeit) sowie Michael Wiegand (Stiftungsmanager) an.

Regionale Gemeinschaft macht sich bezahlt

Drei ehemalige und jetzige Lehrer des Gymnasiums sind ebenfalls Vorstandsmitglieder: der Stiftungsvorstand Burkhard Nickel sowie Lehrer Andreas Gottschalk und Schulleiter Matthias Nadenau im Kuratorium. Vorstandsmitglied Marcus Weiß engagiert sich als zugezogener Neuenheerser, der weiß, wie wichtig die Schule für den Ort mit kaum mehr als 1 500 Einwohnern ist.

So scheint die regionale Gemeinschaft, die St. Kaspar in den fast sieben Jahrzehnten gefestigt hat, positiv auf die Schule zurückzuwirken. Wenn Absolventen und ehemalige ­Lehrer, aber auch große Teile der Bevölkerung die Schulstiftung unterstützen, weil sie selbst in der Schule positive Erfahrungen gemacht haben, lässt das für die Zukunft das Beste hoffen. 

Die Geschichte von St. Kaspar

  • 1957 Gründung des „Kollegs St. Caspar“ und eines Internats im ehemaligen Freiweltlichen Damenstift Heerse durch die Missionare vom Kostbaren Blut mit Zielrichtung Priesterberuf
  • 1958 Anerkennung als Altsprachliches Gymnasium und Aufnahme von Schulbetrieb und Internatsbetreuung
  • 1966 erstes Abitur
  • 1989 Verkauf des Wasserschlosses, erster Sitz von St. Kaspar, an einen privaten Eigentümer
  • 2000 Schließung des Internats
  • 2023 Gründung der „St. Kaspar-Schulstiftung“
  • 01. 01. 2024 Übernahme des Gymnasiums durch die Stiftung

Karl-Martin Flüter

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