Wozu sind Sie da, Sebastian Kuck?

Sebastian Kuck (38) arbeitet seit 15 Jahren im Einzelhandel, seit drei Jahren als Erstverkäufer bei der Galeria Kaufhof in Paderborn. Aufgrund der Schließung der Galeria-­Filiale wurde er ebenso wie weitere 50 Kolleginnen und Kollegen zu Ende Juni gekündigt.

Sebastian Kuck
Sebastian Kuck
veröffentlicht am 28.04.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Mein Herz schlägt für den Einzelhandel, und auch wenn wir gerade stürmische Zeiten durchleben, so ist mein Antrieb immer der Kunde. Wenn es gelingt, dass die Kunden zufrieden das Geschäft verlassen und sich beispielsweise darauf freuen, mit einer neu erworbenen Bratpfanne gemeinsam mit Freunden zu kochen, dann gibt mir das ein gutes Gefühl. Ich möchte den Menschen nichts aufschwatzen, sondern sie freundlich beraten und zu ihrer Zufriedenheit beitragen.

Ganz wichtig im Einzelhandel ist der eigene Antrieb, die Leidenschaft fürs Verkaufen. Doch das ist derzeit ein ordentlicher Kampf. Viele Widrigkeiten stehen im Weg: niedrige Löhne, schlechte Arbeitszeiten und immer weniger Personal; hinzu kommen die noch spürbaren Auswirkungen der Corona-­Pandemie und die ungewisse Zukunft des Einzelhandels in den Städten. Und jetzt trifft es meine 50 Kolleginnen und Kollegen und mich noch härter: Wegen der Schließung der Paderborner Kaufhof-­Filiale verlieren wir unseren Job, ebenso wie mehrere Tausend Mitarbeiter in ganz Deutschland. Das macht traurig, tut weh und weckt gemischte Gefühle. Viele arbeiten seit über 40 Jahren in dieser Filiale. Sie haben nie woanders gearbeitet, geschweige denn eine Bewerbung geschrieben. Verständlich, dass einige von ihnen Zukunftsangst haben. Doch auch für die Paderborner Innenstadt ist das eine dramatische Entwicklung. Vieles bricht weg und hinterlässt Unsicherheit und weckt Ängste in der Nachbarschaft.

Sebastian Kuck: „Ich hoffe, ich kann möglichst vielen gerecht werden.“

Wie es für mich persönlich weitergeht, das kann ich momentan nicht sagen. Ich werde mich im Einzelhandel bewerben, muss aber auch andere Optionen in den Blick nehmen. Doch bis dahin habe ich noch eine Aufgabe. Als Mitglied im Betriebsrat unserer Filiale möchte ich den Kolleginnen und Kollegen Mut zusprechen und ihnen vermitteln, dass sie nicht allein sind. Sie sollen wissen, dass sie immer zu mir kommen und über alles mit mir reden können. Ich hoffe, ich kann möglichst vielen gerecht werden. Das ist nicht immer einfach, schließlich habe ich auch mein eigenes Päckchen zu tragen.

Mich beflügeln aber auch positive Dinge, wie der Zuspruch, den wir von vielen Kunden erhalten. Erst kürzlich stand eine ältere Frau vor uns, die noch den Eröffnungstag erlebt hatte. Ihr standen Tränen in den Augen. Und wir erhalten Postkarten, in denen Menschen uns ihr Bedauern ausdrücken und dem Team für die gemeinsame Zeit danken. Das ist schön und auch sehr rührend. Diese Anteilnahme zeigt mir, dass es im Einzelhandel nicht nur um den Verkauf, sondern auch um das zwischenmenschliche, die Beziehungen und das Wohlbefinden der Menschen geht.

Es ist das Miteinander, worauf es mir ankommt. Privat und beruflich möchte ich mit meinem Umfeld im Guten sein. Meine Familie und meine Freunde sollen wissen: Auch wenn ich viel um die Ohren habe, ich bin für sie da und ich kümmere mich. Mit Blick auf meine Kunden: Ich versuche jeden von ihnen einmal zum Lächeln zu bringen. Wenn das gelingt, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Sebastian Kuck

Zur Person

Sebastian Kuck (38) arbeitet seit 15 Jahren im Einzelhandel, seit drei Jahren als Erstverkäufer bei der Galeria Kaufhof in Paderborn. Seit zwei Jahren engagiert er sich als Mitglied des Betriebsrates und ist auch im Vorstand der Aidshilfe Paderborn. Aufgrund der Schließung der Galeria-­Filiale wurde er ebenso wie weitere 50 Kolleginnen und Kollegen zu Ende Juni gekündigt.

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

Unsere Reihe Menschen im Erzbistum

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der emeritierte Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten.

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