Der Tod unterscheidet nicht – Friedensort Westfriedhof

Etwa 900 Menschen starben während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auf Paderborn. Zwei Kriegsgräberfelder auf dem Westfriedhof erinnern seitdem an die Gefallenen und zivilen Opfer dieser verheerenden Angriffe.

Waldfriedhof in Schloss Neuahaus. (Foto: Patrick Kleibold)
Waldfriedhof in Schloss Neuahaus. (Foto: Patrick Kleibold)
veröffentlicht am 25.03.2023
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Etwa 900 Menschen starben während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auf Paderborn. Zwei Kriegsgräberfelder auf dem Westfriedhof erinnern seitdem an die Gefallenen und zivilen Opfer dieser verheerenden Angriffe.

Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Paderborn durch Luftangriffe der britischen Luftwaffe weitgehend zerstört. Die Bombenangriffe zielten zunächst auf den Fliegerhorst, den Hauptbahnhof und die Eisenbahnausbesserungswerke. Am 17. Januar 1945 jedoch fielen Bombenteppiche auf die ganze Stadt. Dieser Tag, ebenso der 22. März, als Luftminen auf das Zentrum fielen und zahlreiche Gläubige während einer Andacht im Dom töteten, und der Tag des letzten Großangriffs am 27. März bleiben Schreckensdaten in der Geschichte Paderborns. Etwa 900 Menschen starben während dieser Angriffe.

Seitdem erinnern zwei Kriegsgräberfelder auf dem Westfriedhof an Gefallene und zivile Opfer des Zweiten Weltkrieges. Auf dem zentral gelegenen Gräberfeld befinden sich mehrere Dutzend Steinplatten vor allem deutscher Opfer alliierter Bombenangriffe auf Industrieobjekte in der Umgebung und Transportknotenpunkte in der Stadt. Mehrere Namen deuten an, dass dort ebenfalls Ausländer begraben wurden, wahrscheinlich polnische, russische oder ukrainische sowie italienische Zwangsarbeiter.

487 Tote, 329 Deutsche und 158 Ausländer

Das zweite Kriegsgräberfeld wurde im südlichen Teil des Friedhofes angelegt. Dort wurden polnische und russische Kriegsopfer bestattet. Am Rand dieses Feldes liegt eine Steinplatte mit dem Schriftzug: Kriegsgräberanlage für polnische und russische Kriegstote. Auf 42 Platten sind in sieben Reihen 104 polnische Namen von Kriegs­opfern zu lesen. Am Rand des Bereichs liegen fünf Platten mit 13 russischen Namen und einem Steinkreuz. Insgesamt ruhen auf beiden Feldern 487 Tote, 329 Deutsche und 158 Ausländer, viele von ihnen waren als Zwangsarbeiter in kriegswichtigen Einrichtungen und Betrieben eingesetzt worden.

Eine Informationstafel erinnert an einzelne Schicksale der fürchterlichen Bombenangriffe. Die Opferliste zeigt, Bomben­angriffe unterschieden nicht nach Nationen. Stellvertretend für die Opfer soll erinnert werden: an eine Mutter, die mit ihren drei Söhnen in der Südstadt von einer Bombe getroffen wurde. An einen Soldaten, der auf Urlaub war und beim letzten Bombenangriff im Elternhaus den Tod fand. An einen jungen Holländer, der als Zwangsarbeiter starb. An eine Großmutter, die mit ihren drei Töchtern, zwei Enkelkindern und ihrem Schwager verbrannte. An eine junge Französin, die durch Artillerie­beschuss starb. An eine tuberkulosekranke Mutter aus der Ukrai­ne, die nach der Geburt ihres Kindes an Lungenentzündung starb.

Waldfriedhof in Schloss Neuahaus. (Foto: Patrick Kleibold)

Info

Der 1908 eröffnete Westfriedhof liegt am Rande Paderborns an der Kreuzung von Erzbergstraße und Riemekestraße, wo sich auch der Haupteingang neben der Kapelle befindet. Auf dem Westfriedhof ruhen 775 Opfer beider Weltkriege.

Patrick Kleibold

Weitere Friedensort unter www.derdom.de

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