Umarmt vom unendlichen Leben – Kunst aus dem Bergkloster Bestwig

Wenn der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, müsste doch die Begabung in jedem stecken, dachte sich Schwester Maria Ignatia Langela aus dem Bergkloster Bestwig – und fing an zu malen. Nun veröffentlicht sie ein Buch mit 50 eigenen Bildern und inspirierenden Texten.

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Ein paar letzte, kleine Korrekturen: Schwester Maria ­Ignatia Langela arbeitet an dem Bild „Trau der Kraft Deines Herzens“. (Foto: Ulrich Bock)
veröffentlicht am 05.03.2023
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Wenn der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, müsste doch die Begabung in jedem stecken, dachte sich Schwester Maria Ignatia Langela aus dem Bergkloster Bestwig – und fing an zu malen. Nun veröffentlicht sie ein Buch mit 50 eigenen Bildern und inspirierenden Texten.

Bestwig. Seit 2010 koordiniert und konzipiert Schwester Maria Ignatia Langela das Angebot für die Gäste im Bergkloster Bestwig. Dabei leitet sie auch selbst Kreativ-­Kurse, bei denen Kurs­teilnehmerinnen und -teilnehmer mit Acryl, Pastell oder Ton arbeiten. Sie sagt: „Es gibt viele Angebote über Worte. Aber oft tut es Menschen gut, sich auf andere Weise auszudrücken und verständlich zu machen.“

Nun hat die kreative Ordensschwester 50 ihrer eigenen Werke für ein Buch ausgewählt und ihnen inspirierende Texte zugeordnet. Die stammen von Malern wie Albrecht Dürer und Pablo Picasso, Schriftstellern wie Hilde Domin und Erich Fried oder Theologen und Philosophen wie Dietrich Bonhoeffer, Karl Rahner oder Lorenz Marti. Einige Texte hat sie auch selbst geschrieben. Das Buch trägt den Titel „Umarmt vom Unendlichen leben“ und ist jetzt beim Verlag Butzon & Bercker erschienen.

Die innere Stimme hören

Die Bilder und Texte bringen die Leserinnen und Leser zum Nachdenken über das eigene Leben. „Manchmal hat mich ein Psalm oder ein Zitat zu dem Bild in­spiriert. Manchmal war es auch umgekehrt – und das Bild erinnert mich an ein passendes Buch oder ein entsprechendes Gedicht“, erklärt die studierte Mathematik- und Physiklehrerin. Es sind Gedanken, die wie ihre Bilder hinausführen in eine Weite, staunen lassen und Hoffnung geben.

Mit dem Malen begann die inzwischen 77-­Jährige 2006. Nachdem sie 16 Jahre lang das Engelsburg-­Gymnasium in Kassel geleitet hatte, ließ sie sich darauf ein, noch einmal für vier Jahre nach Halle an der Saale zu wechseln. Auch dort übernahm sie die Leitung eines katholischen Gymnasiums. Und als sie im Wohnzimmer ihrer neuen Wohnung vor einer weißen Wand stand und kein passendes Bild dafür hatte, dachte sie: „Dann muss ich dafür wohl etwas malen.“ Ihre Nichte brachte ihr daraufhin das Arbeiten mit Acrylfarben bei.

Schwester Maria Ignatia möchte dazu ermutigen, mit Vertrauen eigene Vorhaben anzugehen, auf die innere Stimme zu hören. Dies entspricht auch dem Lebensmotto des heiligen Igna­tius, der sich immer wieder gefragt hat: „Warum nicht?“ Eine Frage, die sich Schwester Maria Ignatia in ihrem Leben oft gestellt hat. So wurde sie Ordensschwester. So studierte sie Mathematik und Physik auf Lehramt. So kam sie nach Kassel und nach Halle. Und so steht sie jetzt im Austausch mit den vielen Gästen des Bergklosters in Bestwig.

Ihre Bilder tragen Titel wie „Trotzdem“, „Offen für das, was kommt“, „Geknickt und aufgerichtet“, „Einmalig im ganzen Kosmos“ oder „Nur Mut!“ Das auf der letzten Seite ihres Buches abgedruckte Bild mit dem Titel „Trau der Kraft deines Herzens“ hat sie gerade wieder neu gemalt.

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Malen mit abgelaufener EC-­Karte: Schwester Maria ­Ignatia arbeitet nachhaltig. Selbst Asche und alter Kaffeesatz fanden schon in ihren Werken Verwendung. (Foto: Ulrich Bock)

Hoffnung aus Asche

Mit dieser Zuversicht beginnt sie die Arbeit an jedem ihrer Werke, für die sie anfangs immer eine Idee hat. „Die Bilder und Objekte sind nie zufällig entstanden“, betont die Ordensfrau. Sie seien die Projektion dessen, was in ihr lebt. Doch könne im Schaffensprozess etwas Unerwartetes passieren. „Hier verschwindet etwas. Da entsteht etwas Neues. Dann muss man den Mut haben, mit dem, was einem entgegenkommt, weiterzuarbeiten und nicht durchzusetzen, was man ursprünglich wollte.“

Mittlerweile hat Schwester Maria ­Ignatia auf diese Weise rund 100 Kunstwerke geschaffen: Gemälde und Plastiken. Und diese Leidenschaft will sie mit anderen teilen. „Als ich nach Bestwig kam, habe ich mich gefragt, was die Menschen suchen. Wir sind doch selbst von einem großen ­Creator geschaffen worden. Und wenn wir dessen Ebenbild sind, heißt das doch ganz offensichtlich, dass diese Begabung in jedem von uns steckt.“ Also lud Schwester Maria ­Ignatia zu Kursen ein wie „Aus Asche wird ein Hoffnungsbild“. Und schnell erfuhr sie, wie gut es vielen Menschen tut, sich nicht über Sprache mitteilen zu müssen, sondern sich über Formen und Farbe ausdrücken zu können.

Versöhnen und neue Freude

„Ich erinnere mich gerne an eine Teilnehmerin, deren Mann verstorben war und die für das Wochenende, an dem sie mit ihm gerne goldene Hochzeit gefeiert hätte, eine kreative Beschäftigung suchte. Sie war von einem Holzstück fasziniert, zu dem zwei sich umarmende Figuren passten. Die gestaltete sie dann in Bronzeoptik und setzte sie darauf. Daraus wurde für sie eine faszinierende Begegnung zwischen Leben und Tod.“ Hinterher schrieb sie ihrer Kurs­leiterin: „Das hätte ich nicht gedacht. Ich bin sooo glücklich.“ Für Schwester Maria Ignatia sind das Sternstunden: „Versöhnt zu werden und neue Freude zu finden – das wollen wir für viele Gäste bei uns im Bergkloster erreichen. Das künstlerische Schaffen kann dafür eine große Hilfe sein.“

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„Die Ewigkeit in alles gelegt“ – dieses Triptychon von Sr. Maria Ignatia Langela hängt im Felsensaal im Bergkloster Bestwig. (Foto: Andreas Beer)

Ulrich Bock

Info

Das Buch „Umarmt vom unendlichen Leben“ ist erschienen im Verlag Butzon & Bercker (ISBN-13: 9783766635600) und im Klosterladen des Bergkloster Bestwig erhältlich. Es hat 142 Seiten und kostet 22 Euro.

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