Monte Scherbelino – Ein Friedensort vor Paderborn

Friedensorte sind Leuchttürme für das friedensstiftende Engagement der Kirche und der Gesellschaft. Der Trümmerberg „Monte ­Scherbelino“ in Paderborn mit seinem Friedenskreuz ist ein solcher Ort.

Monte Scherbelino – Neben einer Gedenktafel und einem Kreuz findet man auf dem "Monte Scherbelino" den Schriftzug "Vergißmeinnicht" aus großen Betonlettern. Foto: Patrick Kleibold
Neben einer Gedenktafel und einem Kreuz findet man auf dem "Monte Scherbelino" den Schriftzug "Vergißmeinnicht" aus großen Betonlettern. Foto: Patrick Kleibold
veröffentlicht am 19.09.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Friedensorte sind Leuchttürme für das friedensstiftende Engagement der Kirche und der Gesellschaft. Der Trümmerberg “Monte ­Scherbelino” in Paderborn mit seinem Friedenskreuz ist ein solcher Ort.

Von Patrick Kleibold

Zu jeder Zeit sehnen sich die Menschen nach Harmonie, Frieden und Gerechtigkeit. Sie sehnen sich nach einem guten und sorglosen Leben. Doch nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart zeigt, die Sehnsucht allein reicht nicht aus. Die Menschen müssen sich immer wieder erinner an die Gräueltaten und zerstörerischen Kriege, die so viel menschliches Leid verursacht haben und immer noch verursachen. Mehr denn je braucht die Menschheit Erinnerungsorte, die uns ermahnen, Fehler der Vergangenheit und Verbrechen an der Menschlichkeit nicht zu wiederholen.

Monte Scherbelino: “Trümmerberg” oder “Scherbenberg”?

Einer dieser Orte ist der Monte Scherbelino in Paderborn. Vielen ist er als Fußballplatz oder Naherholungsgebiet bekannt. Vielen fällt er auch in Bezug auf das Paderborner Osterfeuer ein, aber nur die wenigsten wissen um seine wahre Bedeutung. Monte Scherbelino” bedeutet “Trümmerberg” oder “Scherbenberg”. Er besteht zu einem Teil aus aufgeschütteten Trümmern der durch Bombenangriffe zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu 80 Prozent zerstörten Stadt Paderborn. Solche durch Trümmer aufgeschütteten Hügel gibt es in vielen anderen Städten, zum Beispiel in Berlin, Hamburg, Hannover, Leipzig oder Dresden.

Vergißmeinnicht

Doch in den vergangenen Jahren gingen im Stadt- und Kreisarchiv Nachfragen ein: Der Monte Scherbelino sei entgegen der schriftlich und mündlich tradierten Überzeugung gar kein “Trümmerberg”, sondern eine Müllkippe, die seit 1957 in einem ehemaligen Steinbruch aufgeschüttet worden sei. Wa­rum stehe dort noch eine Informationstafel mit dem Titel “Vergißmeinnicht” der Gesamtschule Elsen und ein entsprechender Schriftzug aus Steinen, die an dieser Stelle an die Schrecken des Krieges und an die Trümmerräumung erinnern?

70.000 Kubikmeter Trümmerschutt

Ein großes Holzkreuz auf dem Monte Scherbelino aus dem Jahr 1945 erinnert an 50 Jahre Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Patrick Kleibold

Eine intensive Recherche kam zu dem Fazit: Unter dem Monte ruhen mindestens 70.000 Kubik­meter Trümmerschutt, die zwischen 1950 und 1955 in dem ehemaligen Steinbruch Immig abgelegt worden sind. Ab 1957 wurde das Gelände als Müll­kippe weiter genutzt, die 1962 geschlossen wurde. Verabschieden muss man sich jedoch von dem Gedanken, dass am Monte ausschließlich Trümmer liegen und dass diese per Trümmerbahn an den Querweg gebracht worden sind. Gleichwohl scheint die Lokalität für einen “Monte Scherbelino” am oberen Querweg gut gewählt. Dies gilt auch für den Standort der Erinnerungstafel der Gesamtschule Elsen: Von hier aus blickt man über den Monte in Richtung des ehemaligen Steinbruchs Gehrken, auf dessen Trümmern die Sportanlage mit dem Waldstadion liegt.

Der Monte Scherbelino also eine Legende? Nein, eine solche Frage sollten wir nicht stellen. Womöglich besteht der Monte nicht aus 100 Prozent Trümmerschutt, aber was heißt das schon? Es ist gut, dass im Jahr 1995 zum Gedenken an den jahrzehntelangen Frieden in Europa ein Kreuz auf dem höchsten Punkt errichtet wurde, denn der Monte sollte als das gesehen werden, was wir Menschen so dringend benötigen, als Ort der Erinnerung.

Info

In den 1960er-­Jahren wurde der Monte Scherbelino begrünt und Rodelbahnen wurden angelegt. Ab Mitte der 1970er-­Jahre begann der Ausbau zum Nah­erholungsgebiet, das 1998 eingeweiht worden ist.

Weitere Friedensorte unter www.derdom.de

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