Ludger Hojenski blickt auf die 4. Synodalversammlung

Eine Pilgerwanderung nach Santiago ist anstrengend. Es braucht ­Durchhaltevermögen auf vielen Ebenen. So erlebt es Pfarrer Ludger Hojenski auch auf dem Synodalen Weg. Ende kommender Woche tagt die vierte Synodalversammlung, deren Mitglied er ist und auf die er hier vorausblickt.

Synodalversammlung
Der Priester Ludger Hojenski, Leiter des und Seelsorger im Pastoralen Raum in der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Ewaldi Dortmund, in der Synodenaula auf der dritten Synodalversammlung am 4. Februar 2022 in Frankfurt.
veröffentlicht am 07.09.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Eine Pilgerwanderung nach Santiago ist anstrengend. Es braucht ­Durchhaltevermögen auf vielen Ebenen. So erlebt es Pfarrer Ludger Hojenski auch auf dem Synodalen Weg. Ende der Woche tagt die vierte Synodalversammlung, deren Mitglied er ist und auf die er hier vorausblickt.

Viele von Ihnen kennen diesen Gruß und Zuruf der Jakobspilger auf dem Camino de Santiago in Spanien: Ultreia! Es ist ein Gruß und eine Ermutigung zugleich: „Immer weiter! Weiter voran!“ – so oder ähnlich lässt er sich wohl übersetzen.

In wenigen Tagen findet die vierte (von insgesamt fünf) Vollversammlungen des Synodalen Weges in Frankfurt/Main statt. Die Vorbereitung darauf kostet – wie immer – Zeit und auch Kraft. Zugleich möchte ich aber allen, die den Synodalen Weg initiiert haben, tragen, begleiten, unterstützen und interessiert und engagiert verfolgen genau das zurufen: Ultreia – immer weiter! Nicht stehen bleiben – nicht frustriert werden!

Hoher Respekt!

In den letzten Wochen und Tagen habe ich alle Dokumente, die bei dieser Versammlung beraten oder mit einigen Änderungen auch beschlossen werden sollen, sehr aufmerksam gelesen. Einmal mehr wird mir, der ich in keinem der vier inhaltlichen Foren mitarbeite, deutlich, wie viel Fleiß, Einsatz, Diskussion und Kontroverse in deren Arbeit und Ergebnissen steckt. Allein davor habe ich persönlich hohen Res­pekt, ohne inhaltlich deswegen sofort mit allem einverstanden sein zu müssen. Gleichzeitig geht es mir als Priester in einem pastoralen Raum genauso wie vielen anderen: Ich muss mich notwendigerweise mit Themen so aus­einandersetzen, dass ich lernbereit bin und sprechbereit werde. Hätte mir vor vier oder fünf Jahren jemand etwas von queersensibler Pastoral erzählt, hätte ich sicher so gut wie nichts damit anfangen können. Durch die Arbeit des Syno­dalen Weges und die eigene Möglichkeit der Mitarbeit weitet sich mein Blick – das tut meiner Arbeit und mir gut.

Zugleich erlebe ich, was auch andere Synodale sehr offen benennen: Zwischen den einzelnen Synodalversammlungen gibt es immer wieder Aus­einandersetzungen, die sehr unfair geführt werden, gibt es offene Angriffe und Beleidigungen, römische Störfeuer ohne Absender usw. …

Priester: Dienst, kein Amt

Das alles kostet Energie, macht keine Freude und zehrt auch. Wenn z. B. einige Kreise immer wieder vom „sogenannten Syno­dalen Weg“ sprechen ist das ein Ausdruck für solche fehlgesteuerte Auseinandersetzung.

Wir werden nun in Frankfurt zunehmend Grundlagentexte und Handlungstexte aus den Foren in zweiter Lesung beraten und dann endgültig abstimmen. Gespannt schaue ich mit vielen dann auf das Ergebnis der Bischöfe, die ja eine Sperr­minorität haben, wenn nicht 2/3 von ihnen jeweils ebenfalls zustimmen.

Besonders schwer hat es das Forum 2 „Priesterliche Existenz heute“ aus meiner Sicht. Am Entwurf eines Grundlagentextes gab es bei der ersten Lesung viel Kritik. In der Öffentlichkeit blieb die Frage eines Einzelnen hängen: „Wofür brauchen wir überhaupt Priester?“. Im Priesterrat unseres Bistums und an vielen anderen Stellen habe ich mich intensiv darüber ausgetauscht. So meine ich auch, dass über den Wandel des priesterlichen Dienstes intensiv nachgedacht werden muss – vom Zugang der Geschlechter her genauso wie in der Frage der zölibatären Lebensform. Priester sein heißt für mich immer einen Dienst im Sinne Christi auszuüben und nicht ein Amt zu bekleiden!

Die Tatsache, dass im Erzbistum Paderborn aufgrund der Rücktrittsankündigung unseres Erzbischofs das Domkapitel deutschlandweit als erstes eine Form der Beteiligung von Laien erwirkt, empfinde ich als sehr positives Zeichen, auch wenn die Frage, wer beteiligt wird und wer nicht, unterschiedlich bewertet wird. Die Neuordnung der kirchlichen Grundordnung ist im vollen Gange und bringt hoffentlich das Ende aller Diskriminierung für kirchlich Mitarbeitende aufgrund ihrer persönlichen Lebensführung.

Dabei sein

Wie immer an dieser Stelle möchte ich Sie einladen, sich selbst ein Bild und dann auch eine Meinung zu machen. Eine gute Gelegenheit sind die Livestream-­Übertragungen während der Vollversammlung (­https://www.­synodalerweg.de/­livestream/).

Begleiten Sie bitte mit Ihrem Gebet die Menschen, die Arbeit des Synodalen Weges, dass dieser von Gottes Geistkraft getragen sein möge!

Ultreia!

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Weitere Berichte zur katholischen Kirche und zur Synodalversammlung finden Sie in der aktuellen DOM-Ausgabe. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich bestimmt.

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