Mahnmal für den Frieden – Eine Botschaft in Stein gemeißelt

Es ist ein ungewöhnliches Mahnmal für den Frieden: Im Meggener Wald findet sich eine Fels­inschrift mit offenbar biblischem Bezug. Datiert ist sie auf einen schicksalsträchtigen Tag: den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Heimatforscher und Archäologen haben die Petroglyphen untersucht.

Ein Mahnmal für den Frieden
Die im Umfeld des Strumbergs erhaltenen Felsinschriften: links die Hauptinschrift, rechts unten die "DAUM"-­Signatur und oben rechts die von den Archäologen neu entdeckte Inschrift „2. 9. 39 DAUM“, die offensichtlich den Entstehungstag aller Inschriften datiert. Foto: LWL Olpe/Manuel Zeiler
veröffentlicht am 25.07.2022
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Es ist ein ungewöhnliches Mahnmal für den Frieden: Im Meggener Wald findet sich eine Fels­inschrift mit offenbar biblischem Bezug. Datiert ist sie auf einen schicksalsträchtigen Tag: den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Heimatforscher und Archäologen haben die Petroglyphen untersucht.

Lennestadt-Meggen. Es ist eine rätselhafte Hinterlassenschaft im Wald von Meggen, die nun sogar das Interesse von Archäologen geweckt hat: eine Fels­inschrift am Strumberg. Immerhin ist sie eindeutig datiert, auf den 1. September 1939, den Tag, an dem der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen begann.

Die Meggener Heimatforscherin Monika Pieper-­Clever sieht in der Botschaft, die buchstäblich in Stein gemeißelt wurde, gar einen biblischen Bezug. „Freiheit, Macht, Gerechtigkeit und Liebe, sind meines Lebens feurige Triebe“, heißt es dort. „Der Text gibt Hinweise auf die Bibel, genauer gesagt auf das Buch der Könige im Alten Testament“, meint die Heimatforscherin. „Die Worte könnten aus dem Munde König Salomos stammen. Salomo wurde von seinem Vater David die Herrschaft über das Volk Israel übertragen. Um seine Macht in gerechter Weise ausüben zu können, wurde er inspiriert und getrieben durch die Eigenschaften seines Gottes Jahwe: Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Liebe.“

Ein Protest gegen den Krieg

Die Felsinschrift wäre demnach ein Protest gegen den Krieg und gegen das Nazi-­Regime. „Wer so offen, sogar öffentlich, seinen Glauben bezeugte und Widerstand gegen den Krieg äußerte, lief Gefahr, entlarvt und verfolgt zu werden“, sagt Monika Pieper-­Clever. „Wohl deshalb hat der Urheber Form und Ort des Textes so gewählt, dass er nicht auf Anhieb entdeckt werden konnte.“ Die Schrift sei etwas abseits gelegen an einem steilen Felsmassiv eingraviert worden.

Entdeckt wurde die Inschrift schon Anfang der Fünfzigerjahre von dem damals neunjährigen Norbert Schwarzer aus Maumke, und zwar bei der Pilzsuche mit seinen Eltern. Er war fasziniert von der Schrift, die so sorgfältig und klar in den Stein gemeißelt ist, und fragte sich, was für eine Bedeutung diese hat. In diesem Jahr, also etwa 70 Jahre später, beschloss er, gemeinsam mit der Meggener Heimatforscherin, der Sache auf den Grund zu gehen.

Die Schrift ist mit Initialen versehen: „AD“ ist zu lesen. „Anno Domini“, im Jahre des Herrn, scheint nicht gemeint zu sein. Darauf deutet auch eine weitere Inschrift hin, die Monika Pieper-­Clever bei einem gemeinsamen Besuch der Inschrift auffiel. „DAUM“ ist an einem anderen Felsen zu lesen. Also müsse auch das „D“ für Daum stehen, schlussfolgerten die beiden Forscher. Denn: „Der Familienname Daum ist in Meggen bekannt.“ Die Heimatforscherin fing an zu recherchieren, in Kirchenbüchern sowie in Archiven und befragte Familienangehörige. Ihr Ergebnis: „Die Initialen ‚AD‘ verweisen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den vollständigen Namen Alois Daum, damals wohnhaft in Lennestadt-­Meggen.“

Ein Mahnmal für den Frieden
Die Archäologen dokumentieren die Felsinschriften: Rechts Dr. Manuel Zeiler, links der FSJler Matthias Rosenthal. Bei der 1 findet sich die Hauptinschrift, bei der 2 die „DAU““­Signatur. (Foto: LWL Olpe/Michael Baales)

Aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigert

Durch die Mithilfe der jüngeren der zwei Töchter habe man erfahren, dass der Vater wohl aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigern wollte, ihm das aber nicht gelungen sei. Er wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen, 1948 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft heim. Demnach habe er die Inschrift vor seiner Einberufung angebracht. „Das hält auch seine Tochter für möglich, die nachdrücklich seine Vorliebe für schöne Schriften erwähnt“, berichtet Monika Pieper-­Clever. Der Vater ist allerdings vor vielen Jahren verstorben und habe ihrer Erinnerung nach nie über die Felstafel gesprochen.

Ein erster Zeitungsbericht über die Forschungsergebnisse der Heimatforscher fand auch bei den Archäologen der Olper Außenstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-­Lippe interessierte Leser. Denn auch der Zweite Weltkrieg gehöre in das Aufgabenfeld von Archäologen, erklärt der Leiter des Olper Büros, Prof. Dr. Michael Baales. „Aufgrund des Berichtes haben wir den Ort aufgesucht, um die Situation zu dokumentieren und in unseren Datenbanken zu archivieren, als eine sehr seltene, ungewöhnliche, späte Petroglyphe, ein Felsbildnis.“ So etwas finde man in Westfalen so gut wie nie.

Ein Mahnmal für den Frieden

Auf der Suche nach der Inschrift sei man eine Zeitlang umhergeirrt. „Und wie das dann so ist, bei der Suche stießen wir etwas weiter abseits vom Hauptbildfeld im Bereich einer weiteren, kleinen Felsstufe noch auf eine weitere, bisher unbekannte ‚DAUM‘-­Inschrift, ergänzt um das Datum 2.9.39“, berichtet Baales. „Vermutlich verweist diese Ergänzung auf das tatsächliche Entstehungsdatum der Inschriften, also auf den Tag nach Ausbruch des mörderischen Krieges. Somit gelang es unerwartet, diese besondere Lokalgeschichte um einen weiteren Aspekt zu ergänzen.“

Zweifellos handele es sich bei der ungewöhnlichen Fels­inschrift somit um „ein heimatgeschichtliches Dokument von historischer Bedeutung“, meint Monika Pieper-­Clever. „Es ist ein Mahnmal für den Frieden.“

Markus Jonas

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