Attendorn: Neue Glocke zum 950-Jährigen

Beim Bombenangriff im März 1945 auf Attendorn wurde sie zerstört: die „Klepp­glocke“ des Sauerländer Doms. Nun wurde sie öffentlich vor der Kirche neu gegossen – zusammen mit der Hubertusglocke für die Ortschaft Biekhofen.

So sehen die neuen Glocken aus: Die große Glocke (rechts) ist die "Kleppglocke" für den Sauerländer Dom. Die Kleine ist die "Hubertus­glocke", die für Biekhofen bestimmt ist. (Fotos: Lüttecke)
So sehen die neuen Glocken aus: Die große Glocke (rechts) ist die "Kleppglocke" für den Sauerländer Dom. Die Kleine ist die "Hubertus­glocke", die für Biekhofen bestimmt ist. (Fotos: Lüttecke)
veröffentlicht am 11.07.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Beim Bombenangriff im März 1945 auf Attendorn wurde sie zerstört: die „Klepp­glocke“ des Sauerländer Doms. Nun wurde sie öffentlich vor der Kirche neu gegossen – zusammen mit der Hubertusglocke für die Ortschaft Biekhofen.

Attendorn. Gleich zwei Glocken wurden in aller Öffentlichkeit  vor der Kirchentreppe des Sauerländer Doms  gegossen. Viele Interessierte waren gekommen, um den Arbeiten rund um das Gießen der beiden Glocken zuzusehen. Eine geht nach Biekhofen und eine weitere erhält die Pfarrkirche St. Johannes Baptist als „Kleppglocke“, eine Sologlocke, die kurz vor Beginn des Gottesdienstes sowie während der Wandlung geläutet wird. Nach dem Bombenangriff war diese nicht ersetzt worden. Im Jubiläumsjahr des 950-jährigen Bestehen der Pfarrei in Attendorn sowie des 800-jährigen Bestehens der Stadt Attendorn wurde sie am Folgetag in Anwesenheit von Erzbischof Hans-Josef Becker erstmals angeschlagen und vervollständigt nun wieder das Geläut der Pfarrkirche. Gestiftet wurde die Glocke von den uralten Attendorner Confraternitäten St. Nicolai und St. Sebastian sowie der Schmiedezunft St. Agatha und der Bauzunft St. Josef. 

Öffentlich vor Publikum in Attendorn gegossen

Der Familienbetrieb Glocken- und Kunstguss Hermann Schmitt war mit vier Personen aus der Vulkaneifel angereist, um das Werk in Attendorn zu vollbringen. Sie hatten einen Gussofen aus Steinen aufgebaut. In der Mitte der Schmelztiegel, in dem die Bronze auf ca. 1.300 Grad Celsius erhitzt wurde. Pastor Martin Hufelschulte, der mehrere Jahre Vikar in Attendorn war, und sich in der Ausbildung zum Glockensachverständigen befindet, erklärte, dass die Bronze zu 78 Prozent aus Kupfer und 22 Prozent aus Zinn besteht. Er hat sich mit Claus Ortmann um die über Jahre dauernden Vorbereitungen gekümmert.

Zwar war der Guss der beiden Glocken für 18 Uhr terminiert, das klappte jedoch nicht so ganz. Schließlich könne man eine Geburt auch nicht genau terminieren, sagte der 82-jährige Seniorchef Hermann Schmitt Anja Geuecke, die den Nachmittag moderierte. Gegen 18.30 Uhr war dann der Moment gekommen, dass die beiden Gussformen mit dem heißen Rotguss gefüllt werden konnten. Dechant Andreas Neuser gab den Segen, dann konnte es losgehen.

Vor dem Gussvorgang der neuen Kleppglocke für den Sauerländer Dom gab es den kirchlichen Segen von Dechant Andreas Neuser.
Vor dem Gussvorgang der neuen Kleppglocke für den Sauerländer Dom gab es den kirchlichen Segen von Dechant Andreas Neuser.

Seniorchef Hermann Schmitt brachte seine geballte Erfahrung mit ein und spornte seinen Sohn Christoph und Metallbaugesellin Julia Robilla beim nur wenige Minuten dauernden Gießvorgang an. Seine Premiere hatte Enkel Peter, der erstmals einige Gießkellen mit der heißen Legierung in die Gussform schüttete. Nach Beendigung des Glockengusses stimmte die Gemeinde das „Großer Gott, wir loben dich“ an, begleitet vom Festtagsgeläut der Pfarrkirche. 

Einst eine „Missionszentrale“ zur Christianisierung

Am Folgetag war Erzbischof Hans-Josef Becker Zelebrant des Festtagsgottesdienstes aus Anlass des 950-jährigen Bestehens der Pfarrgemeinde. Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei St. Johannes Baptist findet sich in einer Stiftsurkunde von Erzbischof Anno II. von Köln im Jahre 1072. Allerdings ist historisch so gut wie sicher, dass Attendorn schon in den Jahren zwischen 780 und 800 so etwas wie eine „Missionszentrale“ zur Christianisierung der umliegenden Orte gewesen ist.

Nach Grußworten von Bürgermeister Christian Pospischil  und dem Vorsitzenden des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde, Wolfgang Dröpper, erfolgte das erste Anschlagen der neuen Glocken. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Attendorn und der Spielmannszug des St. Hubertus-Schützenvereins Biekhofen sorgten dabei für die musikalische Begleitung. Die Festlichkeiten endeten mit einem gemeinsamen Frühschoppen auf dem traditionellen Feuerwehrfest der Freiwilligen Feuerwehr Attendorn. Dabei konnten die Besucher die neuen Glocken in Augenschein nehmen, die auf einem Handkarren mitgenommen wurden. 

Meinolf Lüttecke

Info

In ihrer Moderation erinnerte Anja Geuecke an einen anderen „Glocken­guss zu Atten­dorn“: eine gleichnamige Sage der Gebrüder Grimm von 1816. Zu finden etwa unter www.­deutschesagen.de/glockenguss-­zu-attendorn

Weitere Berichte zur katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn finden Sie in der aktuellen DOM-Ausgabe. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich bestimmt.

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