Maria Hagenschneider: Kirche braucht Wandel

Das Geistliche Zentrum in Salzkotten hat in den wenigen Wochen seit der Eröffnung auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt hat die Autorin Maria Hagenschneider die Kirche kritisch in den Blick genommen.

Frauen sollen ihre Kompetenzen in die Kirche einbringen: Maria Hagenschneider. (Foto: Pascal Nowak)
Frauen sollen ihre Kompetenzen in die Kirche einbringen: Maria Hagenschneider. (Foto: Pascal Nowak)
veröffentlicht am 07.06.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Das Geistliche Zentrum in Salzkotten hat in den wenigen Wochen seit der Eröffnung auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt hat die Autorin Maria Hagenschneider die Kirche kritisch in den Blick genommen. Schon jetzt sind Anmeldungen zu einem Vortrag mit Anselm Grün im Juli möglich.

Salzkotten (Eng). Das „Geistliche Zentrum Franziskus“ soll ein Ort für alle sein, die neu nach dem Glauben fragen, die sich Halt, Orientierung, Geborgenheit erhoffen und die anderen Menschen begegnen möchten. Die Franziskanerinnen in Salzkotten bieten im Geistlichen Zentrum Gästen, Gruppen und Interessierten Veranstaltungen, Aktionen und Ideen, aber auch Räume für das Miteinander und neue Ideen, etwa den offenen Treff und den offenen Mittagstisch, Vorträge und Seminare, Ausstellungen und Konzerte, Beratung und Begleitung.

Neue Orientierung finden

Die Idee, sich der Kirche neu zu vergewissern und neue Orientierung zu finden, hat in Maria Hagenschneider eine engagierte Vertreterin gefunden. Maria Hagenschneider ist Autorin des Buches „Es reicht jetzt! Frauen in der katholischen Kirche stehen auf“. Ihr Vortrag im Geistlichen Zentrum stand unter dem Titel „Kirche wandeln und gestalten durch Geschlechtergerechtigkeit“. 

„Kirche braucht Wandel, darf nicht nur geschehen lassen, hat den Auftrag zu gestalten“, führte Maria Hagenschneider aus. Leider gebe es in der Kirche, genauer in der „verfassten Kirche“, zahlreiche Kräfte, die sich gegen den Wandel stemmen würden.

Die Autorin, von Beruf Erzieherin und Heilpädagogin, bezog sich auf einen Satz der heiligen Teresa von Ávila. „Tue deinem Körper etwas Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“, hatte Teresa gefordert. Kirche müsse Lust machen, sagte Hagenschneider, dass man in ihr ein Zuhause, eine Heimat finden kann. Dies sei jedoch für Frauen in der Kirche zuweilen schwierig, so die Mitbegründerin der Gruppe der Reformbewegung „Maria 2.0“ aus Hamm.

Behutsam zeigte die Referentin an einigen Beispielen auf, wie vor allem die Eltern- und Großelterngeneration der Mütter und Frauen durch die Kirche drangsaliert, erniedrigt und entwürdigt wurde. Die bedrückenden Beispiele wurden vom überwiegend weiblichen Publikum durch Berichte von eigenen Erfahrungen nachdrücklich bestätigt.

Frauen müssen neue Wege gehen

Maria Hagenschneider

„Wir müssen hier als Frauen neue Wege gehen und unsere frauenspezifischen Kompetenzen mit Kraft in unsere Kirche einbringen“, forderte Hagenschneider. Wandel habe mit „Gehen“ zu tun, sich auf den Weg machen. Auch wenn dieser steinig wäre und zuweilen „ungehorsam“ sei. Papst Johannes ­XXIII. habe mit seinem Aggiornamento-­Wort, die Aktualisierung, die Verheutigung des Glaubens eingefordert.

Die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie (­MHG) im Jahr 2018 hält Maria Hagenschneider für einen wichtigen Einschnitt. Im Anschluss da­ran seien beachtenswerte neue Frauen-­Initiativen entstanden, die sich unter anderem für die „Geschlechtergerechtigkeit“ in der Kirche einsetzen.

Bis heute spreche die Kirche jedoch von einer „gerechtfertigten Ungleichbehandlung“ und führe dafür naturrechtliche Argumente ins Feld. Schon am einfachen Beispiel der Frauenpredigt sind die Probleme sichtbar, sagte die Referentin.

Maria Hagenschneider warb dafür, aufmerksam zu bleiben, den Gesprächsprozess Synodaler Weg aufmerksam zu verfolgen und den „Befindlichkeitsaussagen“ mancher Amtsträger mit guten theologischen Argumenten, auch aus der feministischen Theologie, zu begegnen.

Anselm Grün in Salzkotten

Salzkotten (FCJM). Pater Anselm Grün OSB wird am 20. Juli um 19.30 Uhr in der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen zum Thema „Die Botschaft Jesu als Antwort auf die Sehnsüchte des heutigen ­Menschen“ sprechen. Es handelt sich um eine Veranstaltung des „Geistlichen Zentrums Franziskus“. Der Kartenvorverkauf für den Vortragsabend läuft bereits.Wenn im Vorverkauf alle Karten verkauft sind, wird am 20. Juli keine Abendkasse eingerichtet. Pater Anselm Grün ist Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach, geistlicher Begleiter und Autor von aktuell mehr als 300 lieferbaren Buchtiteln. Vorverkaufsstellen für Karten zum Preis von 10 Euro: Mutterhaus der Franziskanerinnen, Bürgerbüro der Stadt Salzkotten und Buchhandlung Meschede.

Weitere Berichte zur katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn finden Sie in der aktuellen DOM-Ausgabe. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich bestimmt.

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