Erinnerungsorte im Hier und Jetzt

Im Mai beginnt an drei Orten im Hochstift Paderborn die Sonderausstellung “Monumenta – ­Erinnerungsorte zwischen Weser und Lippe”.

Johann Georg Rudolphi (1633–1693) zeichnete das harte Leben der Bewohner in der "Senne-­Wüste" um 1700. Der Kupferstich nach der Zeichnung gehört zu den Illustrationen der 1713 in Amsterdam erschienenen "Monumenta Paderbornensia". Foto: Flüter
Rudolphi Die wüste Senne
veröffentlicht am 15.05.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Im Mai beginnt an drei Orten im Hochstift Paderborn die Sonderausstellung “Monumenta – ­Erinnerungsorte zwischen Weser und Lippe”. Museen in Höxter, Paderborn und der Wewelsburg widmen sich den 24 Orten, denen die “Monumenta Paderbornensia” ein literarisches Denkmal setzte.

Hochstift Paderborn (IP). Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof von Paderborn und Münster, hatte in der “Monumenta” Naturdenkmäler, Landschaften und historische Orte literarisch gewürdigt. Die Sonderausstellung zeigt die “Monumente” und fragt nach ihrer Bedeutung in der Gegenwart.

Ferdinand von Fürstenberg schrieb 1669 die “Monumenta Paderbornensia – Denkmale des Paderborner Landes”. “Die ‘Monumenta’ war damals ein sehr bekanntes Buch, ein Bestseller, der auch international wahrgenommen wurde”, sagt Dr. Andreas Neuwöhner vom Stadtmuseum Paderborn. Ziel des Fürstbischofs sei gewesen, sein Bistum und die von ihm beschriebenen Erinnerungsorte in der europäischen Geschichte zu verankern. Ein “sehr modernes Konzept”, wie Neuwöhner meint.

“Monumenta Paderbornensia” besteht aus 24 Gedichten

Die “Monumenta Paderbornensia” besteht aus 24 Gedichten zu den einzelnen Orten, aus Abbildungen sowie aus Erläuterungen, warum die Orte so bedeutsam sind. “Daran knüpfen wir an”, sagt Andreas Neuwöhner. “Wir schlagen eine Brücke ins Jetzt und schauen, ob diese Orte heute noch von Bedeutung sind und wie sich ihre Wahrnehmung verändert hat.”

Mit Dr. Julia Diekmann, Kuratorin des Forums Jacob Pins, und Markus Moors, Kurator der Ausstellung im Kreismuseum Wewelsburg, hat Neuwöhner die 24 Erinnerungsorte auf drei Stationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgeteilt.

Das Stadtmuseum Paderborn widmet sich vom 1. Mai bis zum 28. August 2022 sieben Erinnerungsorten der “Monumenta”: der Familie von Fürstenberg, den Quellen von Pader, Ems und Lippe, der Sennelandschaft sowie dem Römerlager Aliso und der Varusschlacht. Dem Paderborner Fürstbischof waren diese geschichtsträchtigen Orte besonders erinnerungswürdig. Die Ausstellung gibt Einblick in die Geschichte dieser Orte und fragt nach ihrem Bedeutungswandel bis in die heutige Zeit.

Bedeutungswandel der “Monumenta”

Ab Sonntag, 22. Mai, bis zum 11. September 2022 behandelt das Kreismuseum Wewelsburg die Rezeptionsgeschichte der “Monumenta”. Wie wurden die ausgewählten regionalen Erinnerungsorte in der Zeit der Entstehung und frühen Verbreitung der „Monumenta Paderbornensia“ im 17./18. Jahrhundert wahrgenommen? Welchen Bedeutungswandel erfuhr die “Monumenta” zur Zeit ihrer deutschen Übersetzung durch Franz Joseph Micus im 19. Jahrhundert? Und auf welche Weise haben die Nationalsozialisten im 20. Jahrhundert versucht, sich viele der beschriebenen Erinnerungsorte im Rahmen ihrer rassistischen Ideologie anzueignen?

In Höxter greift die Ausstellung im Forum Jacob Pins vom 29. Mai bis 28. August 2022 die Erinnerungsorte Ferdinand von Fürstenbergs an der Weser auf und stellt sie den Erinnerungslandschaften des deutsch-­jüdischen Künstlers Jacob Pins (1917–2005) gegenüber. Der 1936 nach Palästina emigrierte Pins setzte sich in zahlreichen Zeichnungen, Holzschnitten und Gemälden künstlerisch mit der verlorenen Heimat an der Weser auseinander. Die Ausstellung in der Marienkirche in Höxter widmet sich, ausgehend von den in der “Monumenta” thematisierten Spuren der Sachsenkriege Karls des Großen, dem Kulturwandel in der Region unter dem Einfluss der Karolinger.

Einen aktuellen Blick auf die Erinnerungsorte werfen die Bilder der Fotografin Annette Fischer, die den Illustrationen der “Monumenta” – Radierungen, die auf den Zeichnungen des Künstlers Johann Georg Rudolphi beruhen – gegenübergestellt werden. Einen Bogen in die Gegenwart schlagen die Texte der Paderborner Poetry-­Slammerin Sarah Lau, die sich von den Orten und ihren Beschreibungen in der “Monumenta” inspirieren lassen hat.

Info

Die drei Museen bieten ein umfangreiches Begleitprogramm an: Führungen und Vorträge, eine Fahrradtour in die Senne oder die “Monumenta on Tour” zu den Erinnerungsschauplätzen. Weitere Informationen im Ausstellungsflyer und auf den Webseiten der Museen. Ein Begleitbuch zur Ausstellung erscheint in Kürze.

Weitere interessante Interviews und Berichte zur katholischen Kirche in Deutschland und im Erzbistum Paderborn finden Sie in der aktuellen DOM-Ausgabe. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich bestimmt.

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