Im Kreuz ist Heil? – Editorial von Claudia Auffenberg

Im Kreuz ist Heil, so wird man das bald wieder in der Kirche hören. Im Kreuz – in einem Mordwerkzeug ist Heil? Es muss einem in diesen Tagen absurd vorkommen. Wie ist das eigentlich gemeint?

Und noch mal ein Friedensmotiv auf dem Titel: zwei Friedenstauben. Das Bild zeigt ein Fenster in der Kirche St. Hippolytus in Attendorn-­Helden.
Und noch mal ein Friedensmotiv auf dem Titel: zwei Friedenstauben. Das Bild zeigt ein Fenster in der Kirche St. Hippolytus in Attendorn-­Helden.
veröffentlicht am 10.04.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten
Und noch mal ein Friedensmotiv auf dem Titel: zwei Friedenstauben. Das Bild zeigt ein Fenster in der Kirche St. Hippolytus in Attendorn-­Helden.

Und noch mal ein Friedensmotiv auf dem Titel: zwei Friedenstauben. Das Bild zeigt ein Fenster in der Kirche St. Hippolytus in Attendorn-­Helden. Wenn Sie einmal dort sind und sich das Fenster anschauen, dann werden Sie sehen, dass der Balken, der die beiden Tauben scheinbar trennt, sie in Wahrheit verbindet. Denn es ist der Längsbalken eines Kreuzes, unter dem die Tauben sitzen. Im Kreuz ist Heil, so wird man das bald wieder in der Kirche hören. Im Kreuz – in einem Mordwerkzeug ist Heil? Es muss einem in diesen Tagen absurd vorkommen. Wie ist das eigentlich gemeint?

Am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag im Lesejahr C, wird im Gottesdienst die Passion nach Lukas verkündet. Und da gibt es diese Szene der Gefangennahme Jesu. Seine Begleiter greifen zu den Waffen, als die Verhaftung droht, einer verletzt den Diener des Hohepriesters schwer. Die Reaktion Jesu ist bekannt: „Lasst es! Nicht weiter!“ Es ist eine Szene, die ratlos macht – gerade an Ostern 2022. Bislang war doch klar: Als Christen gehören wir zu ihm – was er sagt, ist richtig. Keine Waffengewalt! Außerdem ging es um sein eigenes Leben, das er eben nicht verteidigt hat.

Und jetzt?

Jetzt sehen wir Bilder aus Butscha bei Kiew, die so entsetzlich sind, dass sie in den Nachrichten verpixelt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass die Welt solche Bilder von erschossenen Zivilisten sieht. Es gibt sie aus allen Kriegen. Und voller Schmerz fragt man sich: Was war da los – auch aufseiten der Mörder? Was eigentlich muss geschehen, dass Menschen so handeln, dass sie unbewaffnete Menschen vom Fahrrad schießen, dass sie wehrlose Menschen fesseln und einfach so am Straßenrand hinrichten? Und man stellt sich vor, wie es sein wird, wenn diese Soldaten nach Hause kommen – wenn sie denn nach Hause kommen. Was werden sie ihren Müttern sagen, ihren Ehefrauen, vielleicht ihren Kindern? Werden sie ihnen sagen, dass sie eine Frau vom Rad geschossen und andere einfach so hingerichtet haben? Und was geschieht mit den Müttern, den Ehefrauen, den Kindern, die das von ihren Söhnen, Männern und Vätern hören?

Was werden die Soldaten empfinden, wenn ihnen irgendwer einen Tapferkeitsorden ans Revers heftet? Werden sie stolz sein und wenn ja, auf was genau? Viele unserer Großväter haben geschwiegen nach 1945. Man ahnt, warum.

Auch das eben ist Krieg, das dürfen wir nie vergessen: Menschen sterben und Menschen töten. Und wer überlebt, ist gezeichnet für sein Leben – auf beiden Seiten.

Zwei Tauben sind auf dem Bild, auf beiden Seiten des Kreuzes. Das Kreuz ist leer. Es ist gewissermaßen der Verlierer. Nur deswegen wird es erhöht. Nur deswegen!

Ihre Claudia Auffenberg

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