Interviewreihe in der Fastenzeit

„Gegen etwas, das ich nicht kenne, kann ich mich nicht entscheiden“, sagt SkF-Diözesanvorsitzende Birgit Poggenpohl.

veröffentlicht am 04.04.2022
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

„Wie hältst du es mit der Religion?“, fragt das Gretchen den Dr. Faust. In Zeiten der Kirchenkrise fragen wir in der Fastenzeit bei Menschen der Kirche nach. In dieser Folge bei Birgit Poggenpohl, der Diözesanvorsitzenden des SkF. Mit ihr sprach Claudia Auffenberg.

Frau Poggenpohl, gibt es einen Satz im Glaubensbekenntnis, der Ihnen schwer über die Lippen kommt?

Ganz lange hatte ich Probleme mit der „heiligen katholischen Kirche“. Zu glauben, dass nur die katholische Kirche heilig sein soll, fiel mir sehr schwer. Aber im Januar gab es hier einen Kanzeltausch mit dem evangelischen Pfarrer, es waren viele evangelische Christen im Gottesdienst und da wurde erläutert, dass das katholisch sich nicht auf die römisch-katholische Kirche bezieht, sondern auf das allumfassende Christentum. Seither bin ich damit im Reinen. Aber ins Stolpern komme ich immer an der Stelle „gekreuzigt, gestorben und begraben“. Da vergesse ich irgendwie eins von den dreien und muss darüber oft ganz bewusst nachdenken.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, woher das kommt? Sind das eher sprachliche oder inhaltliche Gründe?

Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber für mich ist die Auferstehung wichtiger. Vielleicht möchte ich dahin schneller kommen.

Wie stellen Sie sich die Auferstehung vor?

Vielleicht erzähle ich zunächst aus meinem Glaubensleben: Ich bin katholisch getauft worden, meine Eltern und Großeltern waren katholisch. Mit ihnen bin ich immer zur Kirche gegangen, aber ich war nie eng an eine Gemeinde gebunden. Meine Großeltern wohnten in der einen Gemeinde, mein Vater hat ehrenamtlich in einer anderen Gemeinde Musik gemacht, meine Schule gehörte wieder zu einer weiteren Gemeinde. In der Gemeinde, in der wir wohnten, bin ich zum Kommunionunterricht gegangen. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Einen strengen Katechismusunterricht, wie ich das von anderen oft gehört habe, gab es bei uns nicht. Wir hatten einen Pfarrer, der von den Heiligen fasziniert war. Jeder Kommunionunterricht endete mit dem Leben eines oder einer Heiligen. An manches erinnere ich mich heute noch. Als Kind habe ich geglaubt wie ein Kind. Als Jugendliche habe ich manches bezweifelt, aber ich habe weiterhin in diesem Glauben gelebt. Dann habe ich kirchlich geheiratet und es war mir ganz klar, dass ich meine Kinder taufen lassen werde. Doch nach der zweiten Taufe habe ich mich gefragt, ob ich aus der Kirche austreten soll.

Hoppla, warum das?

[…]

Manche Eltern, die ihre Kinder irgendwann selbst entscheiden lassen wollen, lassen sie gerade deswegen nicht taufen. Warum haben Sie es anders gemacht?

Gegen etwas, das ich nicht kenne, kann ich mich nicht entscheiden. Ich muss doch erst mal wissen, was das ist. Mir war es wichtig, dass sie diesen Glauben nicht nur aus meiner subjektiven Sicht kennenlernt, sondern auch etwas objektiver von einem Gemeindereferenten oder einem Priester. So hat sie die Chance, es selbst zu erfahren.

[…]

Wenn Sie sich im nicht christlichen Umfeld bewegen, wo­ran merken die Menschen dort, dass Sie Christin sind?

Puh …

Anders gefragt: War es mal für jemanden anderen von Bedeutung, dass Sie katholisch sind?

Die Kollegen nehmen das nicht so wahr, aber ich habe mich immer auch im Arbeitsbereich ehrenamtlich engagiert. Ich war im Personalrat und bin jetzt Gleichstellungsbeauftragte in unserer Behörde. Da muss man sich ein Stück weit zurücknehmen und für die Kolleginnen und Kollegen eintreten. Manchmal fällt es mir leichter, für die Kollegen etwas zu machen als für mich. Ich bin zwar nicht diejenige, die für Kollegen einen Konflikt führt, sondern ich möchte sie eher stärken und natürlich, wenn nötig, begleiten. Oft reicht ein Gespräch vorab.

Gibt es etwas, an dem Sie selbst merken, dass Sie Christin sind außer am Engagement in der Gemeinde? Machen Sie etwas anders als andere?

Den Weihnachtsmann gibt es bei uns zu Nikolaus nicht, es sei denn als Geschenk von anderen. Ansonsten versuche ich, mit meiner Umwelt und mit der Natur klarzukommen. Wir teilen uns in der Familie zu dritt ein Auto … Ehrlich gesagt, habe ich mir die Frage so noch nie gestellt. Aber jetzt, wo Sie sie stellen, merke ich, dass es eine Sache in meinem Leben berührt: der Umgang mit Krisen. Meine Erfahrung ist: Wenn man offen darüber redet, ermutigt man auch andere, darüber zu sprechen. In so einer Situation habe ich einmal erlebt, dass ich eine andere Einstellung habe, dass ich nicht sprachlos war und Menschen sich daraufhin getraut haben, sich mir gegenüber zu öffnen.

Einen möglichen Kirchenaustritt haben Sie vor Jahren schon für sich ausgeschlossen. Dennoch gefragt: Wie gehen Sie jetzt mit der gegenwärtigen Krise der Kirche um?

Ich arbeite beim Amtsgericht und habe zeitweise sogar die Anträge bearbeitet. Jeden, der wegen des Missbrauchs­skandals austritt, verstehe ich. Aber es ist immer noch wert, für den Glauben zu kämpfen, und nur, wer dabeibleibt, kann etwas verändern.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Dom.

Zur Person

Birgit Poggenpohl (58) ist seit 2019 ehrenamtliche Diözesanvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) im Erzbistum Paderborn und bereits seit 2011 stellvertretende Vorsitzende des SkF-­Ortsvereines in Gütersloh. Sie arbeitet beim Amtsgericht Gütersloh in der Abteilung für Registersachen. Der Sozialdienst katholischer Frauen ist einer der Fachverbände des Caritasverbandes. Er bietet Frauen und Familien, die in Not sind oder sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, Beratung, Unterstützung und Hilfe an.

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