Vom Anfang – Das Weltraumteleskop James Webb

“Die Frage nach dem Anfang von allem ist nicht nur eine Frage nach dem Wie, sondern auch nach dem Warum”, schreibt Claudia Auffenberg im Dom.

Am ersten Weihnachtstag des vergangenen Jahres, an dem sich auch im säkularen Umfeld verstärkt Sterne tummelten und der Blick zumindest in Sachen Dekoration gen Himmel ging, hat die Menschheit ein neues Weltraumteleskop mit dem Namen James Webb ins All geschossen. Das Bild zeigt einige der zum Einsatz kommenden Spiegel. (Foto: pixabay)
Am ersten Weihnachtstag des vergangenen Jahres, an dem sich auch im säkularen Umfeld verstärkt Sterne tummelten und der Blick zumindest in Sachen Dekoration gen Himmel ging, hat die Menschheit ein neues Weltraumteleskop mit dem Namen James Webb ins All geschossen. Das Bild zeigt einige der zum Einsatz kommenden Spiegel. (Foto: pixabay)
veröffentlicht am 09.01.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Am ersten Weihnachtstag des vergangenen Jahres, an dem sich auch im säkularen Umfeld verstärkt Sterne tummelten und der Blick zumindest in Sachen Dekoration gen Himmel ging, hat die Menschheit ein neues Weltraumteleskop ins All geschossen. “James Webb” heißt das Wunderding, benannt nach einem früheren Direktor der NASA, und mit ihm wollen die Wissenschaftler zurückgucken in die Anfänge des Weltalls, möglichst bis zum Urknall. An den hat man sich zumindest rechnerisch schon nah herangerobbt, nämlich ungefähr 10 hoch –43 Sekunden danach. Mal abgesehen davon, dass unsereins das hier nur so weitergeben kann – bitte keine Nachfragen also! – ist es doch faszinierend, dass der Mensch wahnsinnig viel Geld, Zeit, Energie und höchstes Können investiert, um herauszufinden, wie alles begann. Und hier ist mit “alles” wirklich alles gemeint.

Die Frage nach dem Anfang von allem ist nicht nur eine Frage nach dem Wie, sondern auch nach dem Warum. Warum gibt es Licht, warum gibt es Leben, ja, und warum gibt es mich, warum gibt es Sie? Es sind existenzielle Fragen, von denen man ahnt: Die Naturwissenschaft wird sie beantworten können, aber wohl niemals so, dass es einen froh macht. Die eigene Existenz ist einem biologischen Vorgang zu verdanken, der gewiss höchst staunenswert ist, aber froh macht doch viel mehr die Zusage und auch die glaubwürdige Erfahrung, dass da Liebe mit im Spiel war.

“Als Anfang schuf Gott … den Urknall”

Auf dieser Frequenz antwortet die Naturwissenschaft nicht unbedingt. In früheren Zeiten, als es noch keine Raumfahrt und keine Forschung in unserem Sinne gab, gab es aber die Fragen schon. Und dereinst haben die Menschen Antworten gefunden, von denen man vor noch nicht allzu langer Zeit befürchtete, sie könnten mit der Wissenschaft erledigt sein. Ist die Erde durch Evolution entstanden und nicht in sieben Tagen, wie es in der Bibel steht? Heute wissen wir: Diese Frage ist falsch gestellt. “Als Anfang schuf Gott … den Urknall” ist der neckische Titel eines Buches, das vor einigen Jahren in unserem Buchverlag erschienen ist. Davon angeregt, stellt man sich in seiner Fantasie mal folgendes Szenario vor: “James Webb” ist auf Position, die Wissenschaftler werfen einen ersten Blick durchs Teleskop und was sehen sie: Gott, der ihnen freundlich winkt. Was würde er ihnen wohl zurufen?

Vielleicht so etwas wie: “Mensch, staune über dich selbst, über deine Fähigkeiten und lass nicht davon ab, sie für das Gute einzusetzen. Sei gewiss: Ich werde bei dir sein, denn ich bin der ‘Ich bin’.” In diesem Sinne wünschen wir vom Dom Ihnen für dieses neue Jahr, das sicher noch manchen Segen brauchen wird, dass es gut angefangen hat und gut weitergehen möge.

Ihre
Claudia Auffenberg

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