Die stumme Kanzlerin – Ein Double von Angela Merkel

Ursula Wanecki spricht über ihre Rolle als Double von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ursula Wanecki (65) stammt aus Polen. Im Jahr 1985 ist sie mit ihrer Tochter in einer politisch schwierigen Zeit nach Deutschland gekommen. In Polen hat Wanecki als Lehrerin für Polnisch gearbeitet. In Deutschland war der Anpassungsdruck jedoch so groß, dass sie umschulte und als Steuerfachangestellte arbeitet. Ihre Familie ist sehr katholisch geprägt. Einmal jährlich nehmen sie an einer einwöchigen Wallfahrt zum St.Annaberg in ihrer Heimat Oberschlesien teil. (Foto: Patrick Kleibold)
Ursula Wanecki (65) stammt aus Polen. Im Jahr 1985 ist sie mit ihrer Tochter in einer politisch schwierigen Zeit nach Deutschland gekommen. In Polen hat Wanecki als Lehrerin für Polnisch gearbeitet. In Deutschland war der Anpassungsdruck jedoch so groß, dass sie umschulte und als Steuerfachangestellte arbeitet. Ihre Familie ist sehr katholisch geprägt. Einmal jährlich nehmen sie an einer einwöchigen Wallfahrt zum St.Annaberg in ihrer Heimat Oberschlesien teil. (Foto: Patrick Kleibold)
veröffentlicht am 25.09.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Wozu sind Sie da, Ursula Wanecki?

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

Ich bin dazu da, um als Double von Angela Merkel den Menschen unsere Bundeskanzlerin näherzubringen. Wenn ich mich in diese Rolle begebe, möchte ich auch junge Erwachsene dazu animieren, sich mit Politik auseinanderzusetzen und zur Wahl zu gehen. Zugleich macht es mir Spaß, als Double der mächtigsten Frau Deutschlands, vielleicht sogar der Welt, aufzutreten.

Angefangen hat alles mit der Bundestagswahl 2009. Kurz zuvor war ich auf einem Familienfest und habe ein neues apricotfarbenes Kostüm getragen. Einige Tage später fuhr meine Tochter mit meinem Enkel an einem Wahlplakat vorbei, auf dem die Kanzlerin eine ähnliche Jacke trug. Mein Enkel sagte spontan: „Guck mal, Mama, auf dem Bild ist ja Oma!“ Daraufhin wurde ich mir meiner großen Ähnlichkeit bewusst und bin in Attendorn als Kanzlerin verkleidet zum Karneval gegangen. Die Frisur hatte ich bereits vorher, die hat Angela Merkel von mir übernommen. Dafür habe ich dann ihre Raute kopiert. Die Mimik und Gestik musste ich mir nicht antrainieren, die waren schon immer so.

Wanecki nennt sich selbst die stumme Kanzlerin

Nach weiteren Auftritten ging es dann richtig los, seitdem bin ich die stumme Kanzlerin. Politische Verbände, Vereine, Schulen und Unternehmen wollten mich für Veranstaltungen buchen. Und schon standen Medien aus Deutschland, aber auch Fernseh- und Radiosender sowie Zeitungen aus ganz Europa vor der Tür. Seitdem bin ich in vielen Ländern u.a. in Italien, Spanien, Frankreich, Polen und England als Double aufgetreten. Sogar das Fernsehen aus Dubai war hier. Sehr häufig stelle ich bei diesen Auftritten fest, dass Frau Merkel in vielen Ländern ein höheres Ansehen genießt als teilweise in unserem Land. Das finde ich sehr schade. 

Auch das russische Fernsehen wollte mich engagieren. Ich habe aber abgesagt. Die wollten mich nur dazu nutzen, um unsere Bundeskanzlerin lächerlich zu machen. So eine Rolle nehme ich nicht an. Ich schätze Frau Merkel und ihre Arbeit sehr. Sie ist eine große Demokratin, die viel für Europa geleistet hat. Sicherlich gibt es in Deutschland Probleme, denen wir uns stellen müssen; persönlich bin ich aber dankbar dafür, dass ich als gebürtige Polin mit meiner Familie hier leben darf und dass es uns gut geht. Daher würde ich Frau Merkel niemals lächerlich machen. Das schließt satirische Sendungen jedoch nicht aus. Unter anderem wirke ich gelegentlich in der „Heute Show“ mit. Humor und Selbstironie gehören zu meiner Rolle dazu.

Wenn Frau Merkels Amtszeit endet, wünsche ich ihr und mir, dass etwas Ruhe einkehrt. Die letzten Jahre waren turbulent. Gerade wenn politische Themen hochkochten, stieg die Nachfrage nach meiner Person. Ich freue mich darauf, bald mehr Zeit für meine Familie und für mich zu haben. Und ich freue mich, wenn ich mir mal wieder die Fingernägel wachsen lassen und farbig lackieren kann. Das ging leider nicht. Aber auch ohne Auftritte werde ich wohl für die meisten hier in der Region die Angie bleiben.

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Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten.

Ursula Wanecki

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