Der neue Paderborner Weihbischof Josef Holtkotte im Interview

Exklusiv mit Weihbischof Josef Holtkotte sprachen Claudia Auffenberg und Patrick Kleibold von der DOm-Redaktion.

Weihbischof Josef Holtkotte spricht mit der Dom-Redaktion über den Moment als ihm gesagt wurde er werde Weihbischof von Paderborn. (Foto: Martin Schmid)
Weihbischof Josef Holtkotte spricht über den Moment als ihm gesagt wurde er werde Weihbischof von Paderborn. (Foto: Martin Schmid)
veröffentlicht am 24.09.2021
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Lange hieß es im Erzbistum, nach der Emeritierung von Hubert Berenbrinker sei kein neuer Weihbischof für das Erzbistum zu erwarten. Doch dann läuteten am 23. Juni die Glocken und vermeldeten: Josef Holtkotte, bis dahin Bundespräses des Kolpingwerkes, wird es. Ein Exklusivinterview zur Weihe am 26. September 2021. Mit Josef Holtkotte sprachen Claudia Auffenberg und Patrick Kleibold

Herr Weihbischof, wir waren Ende Juni ziemlich überrascht, als es hieß, es gebe einen neuen Weihbischof. Sie auch?

Weihbischof Josef Holtkotte: Ja, ich auch! Man mag es nicht glauben, aber der, um den es geht, weiß wirklich von nichts. Als der Apostolische Nuntius im Juni anrief und mich zu sich nach Berlin bat, wusste ich nicht, was er von mir wollte. Im Kolpingwerk Deutschland hatten wir schon mit ihm zu tun, sodass ich ganz sorglos hingefahren bin. Als er mir eröffnete, dass der Heilige Vater mich zum Titularbischof von Simingi und zum Weihbischof von Paderborn ernannt hat, war ich ziemlich überwältigt. Auf der Rückfahrt im Zug rief mich dann Erzbischof Becker an. Er hat mir als Erstes gesagt: “Ich freue mich.” Das hat mir richtig gut getan.

In den darauffolgenden Wochen mussten Sie einiges „beschaffen“: Wahlspruch, Ring, Stab, Mitra, Kreuz, Wappen… Wie sind Sie das angegangen?

Weihbischof Josef Holtkotte: Das war sehr eigenartig. Immer wieder hatte ich mit Bischöfen zu tun. Aber jetzt aus dieser persönlichen Perspektive war das für mich neu. Nach der Ernennung ging es für mich zunächst um die Frage, wie ich den bischöflichen Dienst überhaupt verstehen kann und möchte und welche Ideen ich davon habe. Auch habe ich mich noch einmal neu fragen müssen, wer ich bin, was ich mitbringe und was mich bisher begleitet hat. Erst dann ging es darum, wie sich das alles in den Dingen, die Sie aufgezählt haben, äußern kann.

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Sie haben in unserem Verlag das Buch „Nie aufhören zu leben“ geschrieben, es geht um das Geringerwerden, „diminishment“ lautet der Fachbegriff. Sie plädieren darin dafür, das Alter mit seinen Einschränkungen anzunehmen und zu gestalten. Könnte das eine Strategie für die Kirche sein?

Weihbischof Josef Holtkotte: Ein interessanter Gedanke! Die Idee des „diminishment“ ist ja: Wenn ich im Alter schlechter sehen, hören oder laufen kann, sage ich dann: „Das Leben ist überhaupt nicht mehr lebenswert.“? Oder nehme ich das an, was einen eigenen Entwicklungsprozess bedeutet, und gestalte mein Leben mit den Möglichkeiten, die ich habe? Die Parallele zur Kirche ist interessant. Wichtig ist allerdings, das Geringerwerden ernst zu nehmen und nicht schönzureden. Ob das eine Strategie für die Kirche sein kann, fragen Sie. Es geht vielleicht weniger um Strategie, als dass wir aus dem, was „diminishment“ bedeutet, als Kirche lernen können, dass wir uns nicht ständig bedauern, sondern die Möglichkeiten, die wir haben, kreativ nutzen, Glauben wirklich leben und auch nach neuen Wegen suchen. Wir sollten, wenn ich das so ausdrücken darf, einen Emmaus-Glauben haben. Einen Glauben, der Menschen aufbaut, der Vertrauen schenkt, der die Würde jedes Menschen ernst nimmt, der davon überzeugt ist, dass Jesus Christus da ist und dass er Augen öffnen kann.

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Anfang September war Josef Holtkotte zum Interview in der Dom-Redaktion. Chefredakteurin Claudia Auffenberg und Redakteur Patrick Kleibold stellten die Fragen. (Foto: Martin Schmid)

Jugendliche sind ja zukünftig Ihre Hauptzielgruppe, weil ein Weihbischof vor allem auf Firmreisen ist. Für viele Jugendliche ist die Firmung der vorerst letzte Kontakt zur Kirche bis zur ersten Gehaltsabrechnung, auf der sie dann die Kirchensteuer sehen und oft austreten. Haben Sie eine Idee, wie man die Jugendlichen in dieser Zeit nicht aus den Augen verliert?

Weihbischof Josef Holtkotte: Das ist für mich eine schwierige Frage, weil ich von außen in eine Gemeinde komme, aber das, wonach Sie fragen, in der Gemeinde geschehen muss. Ich möchte mich nicht als der große Ratgeber aufspielen, der anderen sagt, was sie machen müssen. Wir sollten uns grundsätzlich fragen: Wie können wir eine Kultur schaffen, die es für einen jungen Menschen attraktiv macht, sich in Kirche zu verorten. Wo gibt es gute Beispiele, von denen wir lernen können? Welche Ideen lohnen, weiterentwickelt zu werden? Überzeugende Menschen halte ich immer noch für sehr gute Botschafter der Frohen Botschaft.

Wenn Sie zur Firmung kommen, kennen Sie die jungen Leute in der Regel nicht und die Sie nicht. Die jungen Leute sind in einem fremden Raum, sehen einen interessant angezogenen Mann vor sich. Was möchten Sie den Firmbewerberinnen und Firmbewerbern bei dieser Gelegenheit mitgeben?

Weihbischof Josef Holtkotte: Ich möchte ihnen mitgeben, dass es jemanden gibt– Jesus Christus– auf den sie sich wirklich in ihrem Leben verlassen können. Das ist meine Botschaft: Der Glaube ist gut, und er tut gut. Er will dich nicht einengen, sondern dein Leben weiten. Der Glaube kann dir eine wirkliche Orientierung für dein Leben sein. Denn Christus bedeutet immer auch Wahrheit und Hoffnung, Zuversicht und Liebe.

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Das vollständige Interview finden Sie in der aktuellen Dom-Ausgabe.

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