Die Welt retten – aber gern!

Expertengruppe der Bischofskonferenz stellt Studie zur sozial-ökologischen Transformation vor

Nicht nur der Regenwald ist vom Klimawandel bedroht, auch heimische Wälder, wie hier der Arnsberger Wald, sind in akuter Gefahr und das ist nicht nur ein optisches Problem. Foto: Picture-Alliance
Nicht nur der Regenwald ist vom Klimawandel bedroht, auch heimische Wälder, wie hier der Arnsberger Wald, sind in akuter Gefahr und das ist nicht nur ein optisches Problem.Foto: Picture-Alliance
veröffentlicht am 23.06.2021
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Berlin (-berg). Mit einem umfassenden Impuls bringt sich die Bischofskonferenz in die aktuellen Debatten um den Klimawandel ein. Im Auftrag der Kommission Weltkirche stellte eine Expertengruppe jetzt eine Studie vor, die nichts weniger will als die globale sozial-ökologische Transformation. Mit anderen Worten: Es geht um alles und um alle.   

Das gemeinsame Haus hatte Papst Franziskus 2015 in seiner Enzyklika „Laudato si“ den Planeten Erde genannt, nun ist dieses Haus gefährdet und zwar derart, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner bedroht sind. Alle meint wirklich alle, auch die, die noch gar nicht geboren sind. Die Zeiten, in denen es sich die Reichen sozusagen auf der Dachterrasse hübsch machen können, während die Armen unten im Keller absaufen oder verdursten, sind vorbei. Es muss also etwas geschehen, um die Welt zu retten, kleiner geht es nicht mehr. Und darüber herrscht wohl kaum noch Zweifel. Sogar das Bundesverfassungsgericht verdonnerte die Regierung Ende April zu konsequenteren Maßnahmen. Die Frage ist eher: Wie kann das, was geschehen muss, gelingen– zumal es eine geradezu frustrierend große Aufgabe ist? Die Antwort der Studienverfasser lautet: indem eine attraktive Zielperspektive formuliert wird. Es geht darum, dass alle Menschen gut leben können. Gut heißt, in Freiheit und zugleich in einem fairen Umfeld. Prof.Dr.Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie München, der zusammen mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die Studie bei einer Pressekonferenz vorstellte, betonte, eine solche Zielperspektive gründe in der christlichen Soziallehre, sei aber zugleich offen und anschlussfähig an andere kulturelle Traditionen und Konzepte gelingenden Lebens. „Wir suchen das Gemeinsame und stellen das Einende in den Mittelpunkt.“ Weil es eben auf der Welt verschiedene Wertorientierungen gäbe, seien Verbote nicht das erste Mittel der Wahl. Gleichwohl müssten Einzelinteressen im Konfliktfall dem Gemeinwohl untergeordnet werden. 

Zentrale Handlungsfelder sind nach Worten der Studie die Energiewende, die Konsum- und Mobilitätswende und die Agrarwende. In allen Bereichen sind es eben gerade Einzelinteressen und/oder falsche Anreize, die den Zielen im Wege stehen, zu denen sich die Staatengemeinschaft 2015 in Paris verpflichtet hat. Im Agrarbereich etwa führt das zu geradezu absurden Zusammenhängen: zu viel Fleisch, schlechte Qualität, Lebensmittelverschwendung. 

Allen konkreten Maßnahmen, die die Studie vorschlägt, liegt ein Bewusstseinswandel zugrunde: Der Mensch muss Lust auf eine Kultur des rechten Maßes, auf ein gemeinsames Leben in Freiheit und Verantwortung bekommen. Und wer kann ihm das sagen? Wer hat ein globales Netzwerk? Wer verfügt über das Potanzial, Anwältin für universelle Menschenrechte zu sein? Die katholische Kirche! Prof.Wallacher betonte, alle Religionsgemeinschaften könnten hier einen Beitrag leisten, die katholische Kirche als weltweite Gemeinschaft allerdings im Besonderen. Doch er nannte auch hier ein ziemliches Hemmnis: die aktuell desolate Glaubwürdigkeit der Kirche. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften könnten ihren Beitrag nur dann leisten, wenn sie sich um glaubwürdiges Verhalten und notwendige Reformen im eigenen Verantwortungsbereich bemühten. 

Erzbischof Schick, in der Bischofskonferenz für die Weltkirche zuständig, betonte, die Kirche müsse das Bekenntnis zur Tat werden lassen, nur so könne sie glaubwürdig werden. Es geschehe innerhalb der Kirche schon etliches zum Schutz des Klimas, aber es gebe durchaus noch Luft nach oben. Wenn die Kirche sich im Bereich des Klimawandels engagiere, sagte er, dann nicht, weil das Thema von außen komme, sondern weil es mit ihrem Verständnis vom Menschen und von der Schöpfung innerlich zusammenhänge. Die Nächstenliebe habe auch eine politische und eine wirtschaftliche Dimension, sagte er. Schon der erste Satz des Glaubensbekenntnisses spreche von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, dieses Bekenntnis müsse zur Tat werden. Zentrale Aufgabe der Kirche sei es, die Menschen zur Umkehr zu bewegen und für die Schönheit eines Lebens zu begeistern, „das nicht abhängig ist von immer mehr materiellen Gütern und äußerlicher Abwechslung, sondern Glück findet in Gemeinschaft, im Einsatz für die Mitmenschen, in der gelebten Beziehung zu Gott und in der Dankbarkeit für das Wunder der Schöpfung“.

Info

Die Studie „Wie sozial-ökologische Transformation gelingen kann“ steht auf der Seite www.bischofskonferenz.de im Bereich Publikationen zum Download bereit oder kann dort als Broschüre bestellt werden.

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