Gang an die Wahlurne

Pfarrerwahlrecht wie in Hagen mittlerweile eine Seltenheit

In St.Marien hatten die Christen am ersten Mai-Wochenende die Wahl und konnten über ihren zukünftigen Pfarrer abstimmen. Foto: Annabell Jatzke
In St.Marien hatten die Christen am ersten Mai-Wochenende die Wahl und konnten über ihren zukünftigen Pfarrer abstimmen. Foto: Annabell Jatzke
veröffentlicht am 19.05.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Hagen. Normalerweise werden katholische Pfarrer nicht von der Gemeinde gewählt, diese Praxis kennt man vornehmlich aus der protestantischen Kirche. Lediglich in fünf Pfarreien im gesamten Erzbistum Paderborn wählen die Gläubigen der Pfarrei den neuen Pfarrer kraft Gewohnheitsrecht. 

von Annabell Jatzke

Drei Pfarreien davon sind jedoch nicht Sitz eines pastoralen Raumes und daher wird in ihnen derzeit kein kanonischer Pfarrer eingesetzt. Die zwei Pfarreien, in denen noch das Pfarrerwahlrecht aktiv praktiziert wird, liegen im Gebiet Ruhr-Mark, genauer gesagt im Dekanat Hagen-Witten. Anfang Mai war es in der Pfarrei St.Marien in Hagen so weit, die 2850 stimmberechtigten Gemeindemitglieder wurden zur Wahlurne gebeten. 

Die Pfarrei Hagen gehört zu den sogenannten Urpfarreien. Etwa von 1150 bis in die Reformationszeit wurde die Pfarrstelle nach Patronatsrecht von der jeweiligen Äbtissin des Kölner St.-Ursula-Stiftes besetzt. Wie sich der Übergang vom Patronatsrecht der Äbtissin zum Wahlrecht der Gemeinde vollzogen hat, ist in den geschichtlichen Unterlagen nicht genau erklärt. Da eine ausdrückliche landesherrliche Übertragung des Pfarrwahlrechtes nicht nachweisbar ist, liegt die Vermutung nahe, dass die Pfarrwahl entsprechend der Gewohnheit in den evangelischen Gemeinden in Übung gekommen ist, wie sie später im preußischen Allgemeinen Landrecht so formuliert wurde: „Bei Kirchen, welche keinen eigenen Patron haben, gebührt der Regel nach die Wahl des Pfarrers der Gemeinde.“ Durch die mehr als hundertjährige Ausübung des Wahlrechtes hat sich so nach kirchlichem Recht in legitimer Weise eine „Gewohnheit“ gebildet. Somit übt die Pfarrgemeinde heute das Pfarrerwahlrecht nicht aufgrund staatskirchenrechtlicher Bestimmung aus, sondern aufgrund des kirchlichen Gewohnheitsrechtes. 

Gesucht wurde nun ein Nachfolger für Pfarrer Dr.Norbert Bathen, dessen Stelle zum 1.September neu besetzt werden soll. Pastor Dirk Salzmann war der einzige Kandidat, sodass die Christen von St.Marien nur für oder gegen ihn stimmen konnten.

Salzmann, der derzeit noch in Gütersloh tätig ist, kennt Hagen gut, wurde er dort doch 1972 geboren. Nach Schullaufbahn und Berufsausbildung wuchs seinerzeit bei ihm der Wunsch, Priester zu werden. Bevor er von 1995 bis 2000 in Paderborn und im spanischen Granada Theologie studierte, holte er das Abitur nach und und lebte einige Monate im Ausland. 2002 wurde Salzmann schließlich zum Priester geweiht. 

Seine erste Stelle als Vikar führte ihn ins Ruhrgebiet nach Dortmund. Anschließend wurde er 2006 in die Priesterausbildung berufen. Sechs Jahre später wurde er im damaligen Pastoralen Raum Arnsberg als Pastor eingesetzt. 2017 erfolgte dann der vorerst letzte Ortswechsel, seitdem ist Salzmann im Pastoralen Raum Gütersloh tätig, wo er aufgrund seiner Beratungstätigkeit im Erzbistum eine halbe Stelle hat. 

Nun folgt der Wechsel nach Hagen. „Ich habe mich für die Pfarrstelle in Hagen beworben, weil ich in einem städtischen Kontext als Priester leben und tätig sein möchte. Die Nähe zu meiner Familie und langjährigen Freunden wird mir zunehmend wichtiger“, so Salzmann. 

Leider blieb die Wahlbeteiligung sehr hinter den Erwartungen zurück. Gründe hierfür sehen die Verantwortlichen von St.Marien unter anderem in der Corona-Pandemie, die viele vom Kirchgang abhält. Es konnte sowohl samstags vor und nach der Vorabendmesse gewählt werden sowie am Sonntag rund um die drei stattfindenden Messfeiern. Aber lediglich 42 Christen nutzten ihr Wahlrecht, davon 6 per Briefwahl. Von den 42 Stimmen war eine ungültig, der Rest votierte für Dirk Salzmann als Nachfolger Dr.Bathens. Nachdem das Ergebnis im Anschluss eine Woche öffentlich ausgehängt wurde und keinerlei Einspruch erfolgte, ist es nun amtlich.

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