Betroffenheit und Enttäuschung

Stimmen aus dem Erzbistum Paderborn

Widerspruch auf breiter Front: Nach dem Nein aus dem Vatikan zur Segnung homosexueller Paare wächst der Unmut in der katholischen Kirche. Foto: Harry Quan/ unsplash
veröffentlicht am 25.03.2021
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Erzbistum. Auch im Erzbistum Paderborn hat das römische Nein zur Segnung homosexueller Paare für erheblichen Wirbel gesorgt. An Kirchtürmen wurden Regenbogenfahnen gehisst, andere luden zu Gebeten ein oder legten Stellungnahmen in den Kirchen aus. Auch auf diözesaner Ebene Verantwortliche äußerten sich. 

Nachdem schon die Generalvikare aus Speyer und Essen ihre Empörung über Rom publiziert hatten, meldete sich auch der Paderborner Generalvikar zu Wort. Alfons Hardt schrieb: 

„Viel und zunehmenden Unmut gibt es über die jüngste römische Verlautbarung, derzufolge eine kirchliche Segnung der Verbindung gleichgeschlechtlicher Beziehungen nicht möglich ist. Menschen empfinden diese Feststellung als ausgrenzend und diskriminierend. Das macht mich betroffen. Zumal es die selbstverständliche und auch durch die römische Erklärung ausdrücklich nicht infrage gestellte kirchliche Praxis verdunkeln kann, Menschen, wenn sie einen Segen erbitten, dem Schutz und der Hilfe Gottes anzuvertrauen.“ Für ihn sei die Auseinandersetzung mit Fragen zum Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe und den daraus erwachsenen Beziehungen nicht beendet. Die Diskussion und das Ringen, gemeinsam und miteinander Wege zu finden, gingen weiter. „Es gibt keine einfache Antwort. Wir müssen weiter sprechen und bei komplexen Zusammenhängen weiter differenzieren.“ Das brauche Zeit und erfordert Geduld. Wichtig erscheine ihm, dass „wenn es um die Beziehung zwischen Gott und Schöpfung, Gott und Mensch geht, nicht einfach Wahrheit und Wirklichkeit als Alternativen gegenüber gestellt werden können angesichts der vielfältigen Schattierungen dieser Welt und des menschlichen Lebens, die man wahrnehmen kann. Realität kann nicht das Ergebnis einer ultimativen Entscheidung zweier unverbundener Gegenpole sein“.

Die Laien

Empört äußerte sich das Diözesankomitee, die Vertretung der Laien: „Uns schmerzt, dass ihre Partnerschaften und ihre Liebe in der katholischen Kirche immer noch zurückgewiesen werden. Verständlicherweise wenden viele sich daher von der Kirche ab und fehlen uns. Als Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn setzen wir uns dafür ein, dass Kirche allen Menschen Heimat geben kann und ihnen Heimat bleibt. Für uns und für viele Engagierte bedeutet die Verlautbarung der Glaubenskongregation das Gegenteil.“ Enttäuscht zeigte sich das Gremium darüber, dass keine neueren Erkenntnisse der Theologie und der Humanwissenschaften einbezogen worden sind. „Eine Offenheit für solche Erkenntnisse halten wir für unabdingbar. Theologie – und damit auch die kirchliche Lehre – kann und muss sich endlich weiterentwickeln.“

Der kfd-Diözesanverband startete die Online- Petition „Segen für alle“. Das Verbot der Segnung gehe an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei, so heißt es in der Begründung, und diskriminiere diejenigen, die Zuspruch und die Begleitung durch die Kirche wünschen. Diese sollten ihnen nicht vorenthalten werden. Ähnlich äußerten sich die Diözesanverbände von  BDKJ und  KjG, die jeweils auf die Stellungnahmen ihrer Bundesverbände verwiesen. 

Unterschriftenaktion

Rund 2 000 Priester, Ordensleute, Theologieprofessoren und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben bis Montag dieser Woche mit ihrer Unterschrift eine Erklärung unterstützt, die der Hammer Pfarrer Bernd Mönkebüscher und der Würzburger Studierendenpfarrer Burkhard Hose formuliert haben. Darin betonen sie: „Wir werden Menschen, die sich auf eine verbindliche Partnerschaft einlassen, auch in Zukunft begleiten und ihre Beziehung segnen. Wir verweigern eine Segensfeier nicht.“

Gegenüber dem Dom zeigte sich Mönkebüscher überwältigt von der Resonanz. „Wir haben mit 100, 200 Unterschriften gerechnet“, sagte er. Ursprünglich sollte die Aktion denen den Rücken stärken, die mit Repressalien zu rechnen hätten, wenn sie homosexuelle Paare segnen. Inzwischen haben sich aber auch viele Laien zu Wort gemeldet, man überlege nun, wie man sie einbinden könne. 

Die Unterschriftensammlung läuft noch bis Palmsonntag und soll dann dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Dr. Georg Bätzing, und der Vorsitzenden des Synodalforums 4, Birgit Mock, überreicht werden. „Es ist ein starkes Votum derjenigen, die in der Pastoral tätig sind und um der Menschen willen anders handeln“, sagte Mönkebüscher. Es fließe nun hoffentlich in die Beratungen des Synodalen Weges ein. Zudem könne es nicht sein, dass die Kirche aus Angst vor denen, „die sich rechtgläubig wähnen, weiter ergraut“. Es gehe ihm im Übrigen nicht um Heirat oder kirchliche Trauung, sondern um ein Zeichen hoher Wertschätzung, dass die Liebe dieser Menschen auch wertvoll und segenswürdig sei – dies auch mit Blick auf deren Eltern, Geschwister und Freunde. 

Synodale

„Sehr bedauerlich“ findet Nadine Mersch die Note aus Rom. Mersch ist Synodale aus dem Erzbistum Paderborn und arbeitet im Synodalforum 4 „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ mit. Dort werde „sehr umfassend und sehr behutsam“ darüber diskutiert, was die richtigen Schritte seien, um Menschen eine Heimat in der Kirche zu geben, sagte sie dem Dom. Dazu gehöre auch die Segnung homosexueller Paare. Dazu gebe es mittlerweile ja Erfahrungen, die in die Diskussionen des Forums einflössen und zeigten, „dass die Gefahr der Verwechselung mit einer Eheschließung nicht gegeben“ sei. Es sei durchaus gelungen, eigene Riten zu entwickeln. 

Dass das Weiterdenken auf dem Synodalen Weg nun belastet sei, enttäuscht Nadine Mersch. „Ich hoffe, dass nicht alle Themen des Synodalen Weges damit konfrontiert sein werden.“ Noch sieht sie das Projekt nicht gefährdet, jedenfalls nicht, solange Menschen wie die Bischöfe Bätzing und Bode sowie Thomas Sternberg und Karin Kortmann vom ZdK „mit Verve weiterarbeiten und sich nicht entmutigen lassen, obwohl diese Woche schon sehr entmutigend war“. Bei aller Skepsis müsse der Synodale Weg weitergehen, sagte sie, schon um der Menschen willen, die sich in der Fläche engagieren. 

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