Auftritt: Jesus 

Sein öffentliches Wirken beginnt mit Aufruf zu Umkehr und Erneuerung

Vorhang auf, das öffentliche Wirken beginnt, zunächst ohne Publikum, aber doch ziemlich spektakulär. Foto: Altomedia/clipdealer
veröffentlicht am 22.01.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Der vorliegende Evangelientext bildet den inhaltlichen Auftakt des Markusevangeliums. Nach seiner Taufe durch Johannes beginnt hier das öffentliche Wirken Jesu. In Mk 1,15 ist die programmatische Überschrift dieses Evangeliums zu finden: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

Ohne Publikum

Der Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu ist anders als sein Ende zunächst nicht sonderlich aufsehenerregend. Jesus geht auf einzelne Menschen zu und fordert sie zur Nachfolge auf. Dies geschieht ohne Publikum, ohne Ankündigung, ja sogar völlig überraschend für die vier Gerufenen. Anders als sonst bei jüdischen Gelehrten üblich, bitten hier nicht die Schüler Jesus um seine Erlaubnis, ihm folgen zu dürfen, wie es im Evangelium der vorherigen Woche angeklungen ist (vgl. Joh 1,35–42), sondern Jesus ruft diejenigen, die er auserwählt hat, zur Nachfolge auf. Sie sollen seine Lehre begreifen, sein Leben teilen, mittragen und nicht zuletzt verkünden, was er verkündet. 

Vollkommenes Vertrauen

Jesus erwählt die zwei Geschwisterpaare Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes, indem er auf sie zugeht, sie ansieht und anspricht. Dieser ersten Begegnung liegt dann doch etwas Spektakuläres inne, denn alle vier folgen unmittelbar Jesu Ruf. Sie lassen ihre Fischernetze sofort liegen und sogar den eigenen Vater bei der gemeinsamen Arbeit zurück. In dieser radikalen Umkehr, mit der sie ihr altes Leben hinter sich lassen, bringen sie Jesus vollkommenes Vertrauen entgegen und das, obwohl Jesus keine Überzeugungsrede hält. Allein in der Gegenwart Jesu und seinem klaren Ruf zu Umkehr und Nachfolge liegt eine starke Kraft und Anziehung. In ihm spricht Gott selbst zu ihnen. Dies spüren die neuen Jünger.

Das Geheimnis der göttlichen Liebe

Das Motiv der Umkehr hat ebenfalls in der ersten Lesung eine zentrale Bedeutung. Auch die Menschen in Ninive erhalten die göttliche Aufforderung umzukehren. In der lehrhaften Erzählung überbringt der Prophet Jona die göttliche Botschaft. Diese ist jedoch auch noch mit der Drohung versehen, in vierzig Tagen die Stadt zu zerstören und ihre Bewohner zu vernichten. Ob aus Gottesfurcht oder aus tiefer Einsicht, dass das bisherige Leben mit bösen Taten durchdrungen war, legt die gesamte Stadt eine Bußzeit ein und wendet sich Gott zu. An dieser Stelle zeigt sich nun nicht nur, wie Gott grundsätzlich zum Menschen steht, sondern auch, wie er es mit Sündern, den Gottfernen, hält: Wer umkehrt und seine angebotene Liebe sichtlich annimmt, der darf feststellen, dass die göttliche Liebe immer schon auf ihn gewartet hat und ihn mit offenen Armen empfängt. In der Umkehr liegt somit die Hoffnung auf einen Neuanfang und eine Zukunft. Ebenfalls wird in Psalm 25 deutlich, dass Gott dem Menschen mit Barmherzigkeit und in Vergebungsbereitschaft begegnet (vgl. Ps 25,8).

Immer neu aufgefordert

Jesu Ruf zur Umkehr und Erneuerung reicht bis in unsere Gegenwart. In der bald beginnenden vorösterlichen Bußzeit nimmt die Herzensumkehr einen starken Raum ein. Wir werden immer wieder neu aufgefordert, uns umzuwenden, Jesus anzublicken, sein Wort zu hören, uns im Innersten berühren zu lassen und ihm in unserem Leben nachzufolgen.

Zur Autorin

Cristine Schlichtig studierte kath. Relegionslehre, Germanistik und Kunst In Paderborn und Rom. Derzeit ist sie Studienreferendarin am Gymnasium Theodorianium.

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