S wie sozial

Geistlicher Glaubensimpuls

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veröffentlicht am 11.07.2018
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Nun, als Zeitung hat man ja auch einen Bildungsauftrag, und da offenbar nicht nur die Bedeutung des Wortes „christlich“, sondern auch die des Wortes „sozial“ irgendwo in den Wirren der letzten drei Jahre verloren gegangen ist, helfen wir vom DOM gern.

von Claudia Auffenberg

Fangen wir unverfänglich an: Sozial bedeutet lautet Duden „die Gesellschaft, die Gemeinschaft betreffend, gesellschaftlich; gemeinnützig, wohltätig“. Es hat also etwas mit dem Miteinander zu tun. Dies zu gestalten ist grundsätzlich eine Herausforderung, das weiß jeder, und allzu leicht gerät man beim Versuch dessen auf die Schiene des Gegeneinander, aber das ist dann eben nicht mehr sozial.

Im 19. Jahrhundert gab es in Europa eine äußerst umwälzende Entwicklung, die Industrialisierung, die die Gesellschaft an den Rand des Auseinanderfliegens brachte. Als Reaktion da­rauf erfand Karl Marx den Sozialismus und Adolph Kolping und Bischof Wilhelm Ketteler die katholische Soziallehre – jeweils geprägt natürlich von den Leitideen, die die drei Männer antrieben. Bei Kolping und Ketteler war dies das Christentum. Zum Ende des 19. Jahrhunderts nun nahm sich der Papst der Sache an. Leo XIII., ein hochverehrter Mann, wegen dem der DOM früher LEO hieß. Er verfasste 86 Enzykliken, darunter „Rerum Novarum“, die manche heute die Mutter aller Sozialenzykliken nennen. Damals war es noch katholische Tradition, die Welt da draußen schlecht zu finden, aber gerade deshalb musste man sich kümmern. Und so findet sich in diesem Papstschreiben ein Gedanke, der ganz sicher auch heute noch gültig ist: „Ein Grundfehler in der Behandlung der sozialen Frage ist sodann auch der, daß man das gegenseitige Verhältnis zwischen der besitzenden und der unvermögenden, arbeitenden Klasse so darstellt, als ob zwischen ihnen von Natur ein unversöhnlicher Gegensatz Platz griffe, der sie zum Kampf aufrufe. Ganz das Gegenteil ist wahr. Die Natur hat vielmehr alles zur Eintracht, zu gegenseitiger Harmonie hingeordnet; [] , so hat auch die Natur gewollt, daß im Körper der Gesellschaft jene beiden Klassen in einträchtiger Beziehung zueinander stehen und ein gewisses Gleichgewicht darstellen. Die eine hat die andere durchaus notwendig. [] Eintracht ist überall die unerläßliche Vorbedingung von Schönheit und Ordnung; ein fortgesetzter Kampf dagegen erzeugt Verwilderung und Verwirrung. Zur Beseitigung des Kampfes aber und selbst zur Ausrottung seiner Ursachen besitzt das Christentum wunderbare und vielgestaltige Kräfte.“

(Siehe dazu: C wie christlich im Dom Nr. 26 hier.)

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