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Rund 250 Ehrenamtliche betreuen in Schwerte sieben Begegnungscafés für Flüchtlinge

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Im neuen Gemeindezentrum der evangelischen St.-Viktor-Kirche liegt der Fokus auf der Begegnung. Foto: Plamper
veröffentlicht am 05.08.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Schwerte. Sie sind Treffpunkt und bieten Information, Austausch und Kommunikation. Seit August 2015 entstanden in Schwerte sieben Begegnungscafés und sie zeichnen sich durch angeregten, barrierefreien Kontakt zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in lockerer Atmosphäre aus.

von Elisabeth Plamper

„Damals kamen 150 Geflüchtete an einem Wochenende im NRW-Erstaufnahmelager an, das in der Schwerter Turnhalle am Stadtpark untergebracht war“, erinnert sich Martin Krehl, Ansprechpartner für die Cafés. „Während einer religiösen Gesprächsrunde mit Elsbeth Bihler, unserer Gemeindereferentin in der Kirchengemeinde St. Marien/Schwerte-Wandhofen, wurde über ihre Situation diskutiert.“ Die Teilnehmer beschlossen, eine Möglichkeit zu finden, den Ankömmlingen zu helfen. „So wurde die Idee zum ersten Begegnungscafé für die Geflüchteten und Schwerter Bürger im Pfarrheim von St. Marien geboren.“

Die Mehrzahl der Cafés ist in evangelischen Gemeindehäusern untergebracht. Eines ist in den Vereinsräumen des Jugendkulturvereins Kunterbunt. Organisiert werden die Begegnungscafés gemeinsam von der katholischen und den drei evangelischen Kirchengemeinden sowie dem Jugendkulturverein. „Jedes Café hat einen eigenen Helferkreis und ein eigenes Leitungsteam“, erklärt Krehl. Die zentrale Koordinierungsstelle befindet sich im Pfarrheim St. Marien.

„Die Begegnungscafés passen gut in unser Pastoralkonzept und waren auch eine Antwort auf unsere Frage: „Wozu bist du da, Kirche in Schwerte?“

„Wir haben katholische Helfer, evangelische und sehr viele Helfer, die meinen, sie hätten mit Kirche nichts oder nichts mehr zu tun“, erläutert Martin Krehl. Und nicht alle Helfer unterstützten ideell die Aufnahme der großen Zahl an Flüchtlingen. „Aber es ist Maxime, dass wir uns um die Menschen kümmern müssen, die gerade bei uns sind, egal warum sie es sind“, so Krehl. „In der Mehrzahl sind es Syrer und Afghanen, aber auch Menschen aus Eritrea, Somalia, anderen afrikanischen Staaten, dem Irak und dem Iran.“ Gemeindereferentin Eva Mehrens ist sich sicher: „Das Angebot ist auch eine Art Öffentlichkeitsarbeit für unsere Kirche.“ Die Kirche tue etwas und das werde so auch in der Stadt wahrgenommen.

An den verschiedenen Standorten werden die Begegnungscafés unterschiedlich stark frequentiert und das Angebot ist entsprechend vielfältig. Es werden Filme gezeigt, Spiele gemacht und es gibt Diskussionsrunden. Außerdem werden Schwerter Betriebe, Kirchen, das Krankenhaus und die Schulen besichtigt. „In der Regel kommen etwa ein Dutzend neue Nachbarn pro Öffnungstag. Das Café in Geisecke ist stark an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiert. In Westhofen wird eine gemütliche typisch deutsche Kaffeetafel gedeckt und es gibt Waffeln“, erzählt Martin Krehl. Im neuen Gemeindezentrum der evangelischen St.-Viktor-Kirche liege der Fokus auf der Begegnung der Menschen. „Dort wird gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen.“ Das Café St. Marien in der Schwerter Innenstadt ist zusätzlich Standort der ehrenamtlichen Asylverfahrensberater des Schwerter Arbeitskreises Asyl. „Neben der Erledigung von Behördenpost findet dort auch intensive Beratung und allgemeine Lebenshilfe statt, und wir vermitteln auch Kontakte zu anderen Beratungsstellen oder Anwälten“, erläutert Krehl. Aber eines sei überall gleich. „In allen Cafés drängen die Besucher selbst darauf, Deutsch zu lernen.“

Etwa 750 Geflüchtete leben derzeit in Schwerte. Neben 175 Kindern im schulpflichtigen Alter sind auch viele alleingereiste Männer darunter, die zum Teil ihre Familien im Heimatland zurücklassen mussten. „Schwerte hat es geschafft, binnen weniger Monate so gut wie alle Schutzsuchenden in Wohnungen oder Wohnheimen unterzubringen“, beschreibt Krehl die aktuelle Situation. „Wir wissen, dass im Bistum viele Gruppen in der Flüchtlingsarbeit engagiert sind. Ich würde mir daher für die Zukunft wünschen, dass das Erzbistum mal zu einer Konferenz die Hilfsinitiativen einlädt, um sich auszutauschen.“

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