Mut zur Barmherzigkeit

Zu den sieben geistlichen Werken

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Verzeihen ist wichtig, aber nicht immer leicht. Foto: huilietta73/photocase
veröffentlicht am 08.04.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Neben den leiblichen Werken kennt die Tradition auch die geistigen Werke der Barmherzigkeit, in der vorherigen Dom-Ausgabe ging es um die ersten vier Werke.

Das fünfte Werk der Barmherzigkeit erfordert Mut: Sünder zurechtweisen bzw. zu ermutigen, von falschen Wegen umzukehren. Das ist viel schwerer, als mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie Dritten gegenüber zu kritisieren. Zu einem Freund, einem guten Bekannten hinzugehen und ihm zu sagen: „Du, es fällt mir zwar schwer, dir das zu sagen, aber gerade weil du mir nicht gleichgültig bist, muss ich dir sagen: Hier handelst du falsch, hier schadest du dir selbst und anderen!“ Das ist mutig – und das ist ein Zeichen echter Wertschätzung. Darum werde ich das ihm zunächst auf jeden Fall unter vier Augen sagen – nicht um zu demütigen, sondern um zu ermutigen. Zurechtweisung sollte immer in Bescheidenheit und ohne Zorn geschehen.

Das sechste Werk der Barmherzigkeit ist vielleicht das Schwerste: jenen, die Leid zufügen, verzeihen. Wie schwer fällt uns das! Aber wie notwendig ist das auch: Nur wer von Herzen verzeiht, findet auch selbst Frieden. Und nur wer sich zumindest ehrlich darum bemüht, der kann auch so beten, wie Jesus es uns gelehrt hat: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind.“ – So heißt es eigentlich wörtlich übersetzt.

Damit sind wir beim siebten und letzten Werk der geistlichen Barmherzigkeit: für alle zu beten. Wer betet, der schaut mit anderen Augen auf die Menschen. Und wir wissen, wie froh manche Menschen sind, wenn wir ihnen sagen oder schreiben: „Ich bete für Sie und Ihre Anliegen.“ Sagen Sie es als Vater, als Mutter, als Großeltern: „Ich bete für dich!“

Tun wir es füreinander, gerade dort, wo es Spannungen gibt, wo Beziehungen brüchig werden, wo andere Worte nichts mehr ausrichten!

Beten – das können wir immer – auch dann, wenn der andere sich fürs erste von uns abwendet. Beten wir nicht nur für die Lebenden, aber auch für die Verstorbenen zu Gott. Denn Gottes Barmherzigkeit ist größer als unsere Ratlosigkeit, als unsere Trauer und als unsere Unbarmherzigkeit. Das vertrauensvolle Gebet ist eine der überzeugendsten Antworten, die wir Christen auf die Frage haben: „Wo ist Gottes Barmherzigkeit?“

Auf dem Grabstein des seligen Adolph Kolping, der nach seinem Wunsch angefertigt wurde, stehen die Worte: „Hier ruht Adolph Kolping, (geboren zu Kerpen am 8. Dezember 1813, gestorben zu Köln am 4. Dezember 1865). Er bittet um das Almosen des Gebetes.“

Fragen wir uns, wer dieses Almosen des Gebetes besonders braucht und teilen wir es immer wieder großherzig aus. Es ist nicht immer leicht, die Werke der Barmherzigkeit zu üben und sie auch im Alltag durchzuhalten. Mögen wir im Herzen Jesu immer neu die Kraft finden, unsere Hingabe in Freude zu leben, uns für die Nöte unserer Mitmenschen zu öffnen und ihnen in den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit zu Hilfe zu kommen.

Franz Weidemann

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