1250 Jahre Westfalen - 1250 Jahre Königspfalz
Sonderausstellung zu „Westfalen“ feiert auch das Jubiläum der Kaiserpfalz in Paderborn.
Paderborn blickt auf ein außergewöhnliches Jubiläum: Vor 1.250 Jahren nahm mit der Gründung einer königlichen Pfalz durch Karl den Großen eine Entwicklung ihren Anfang, die die Stadt und die Region bis heute prägt. Anlässlich des diesjährigen Jubiläums 1.250 Jahre Kaiserpfalz rückt die Sonderausstellung „775 – Westfalen“ im LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn nicht nur die Geschichte Westfalens, sondern auch die Ursprünge der Paderborner Kaiserpfalz in den Mittelpunkt.
Der Ausgangspunkt des Westfalen-Jubiläums liegt im Jahr 775, als die fränkischen Reichsannalen vom Krieg Karls des Großen gegen die Sachsen berichten. Die militärische Niederlage der Westfalen gegen die Franken markiert zugleich ihre erste Erwähnung – und damit den historischen Anlass für das Jubiläum „1250 Jahre Westfalen“. Bereits im folgenden Jahr kehrte Karl der Große in die Region zurück. An den Lippequellen, so wissen es wieder die Reichsannalen, ließ er ein befestigtes Lager, ein „castrum“, errichten. Dieser Ort wurde nicht nur militärischer Stützpunkt, sondern auch religiöses Zentrum: Zahlreiche Sachsen, darunter Frauen und Kinder, kamen hier zusammen, um sich taufen zu lassen.
Karl der Große
Besondere Bedeutung kommt der Namensgebung dieser frühen Pfalz zu. Zeitgenössische Quellen berichten, dass Karl der Große seiner Neugründung einen eigenen Namen gab. Die „Annales Petaviani“, das sind handschriftliche Jahrbücher aus der Zeit, sprechen von einer „Urbs Karoli“, die „Annales Mosellani“ berichten, Karl habe „eine Stadt beziehungsweise Burg gebaut, die Karlsburg genannt wurde“. Museumsleiter Dr. Martin Kroker: „Damit stellte sich der Frankenkönig bewusst in die Tradition antiker Herrscher wie Alexander des Großen und des christlichen Kaisers Konstantin, der Konstantinopel gründete.“
Die archäologischen Ausgrabungen Wilhelm Winkelmanns seit 1963 an den Paderquellen konnten diesen Ort eindeutig lokalisieren: Die Karlsburg war die erste, 776 errichtete Pfalzanlage in Paderborn – Keimzelle der späteren Kaiserpfalz.
Schon ein Jahr später trat der königliche Name in den Quellen zurück. Als Karl der Große 777 erneut an Pader und Lippe war und eine große Reichsversammlung abhielt, sprachen die Chronisten nun von „Patresbrunn“ – Paderborn. Gesandte aus vielen Ländern, zahlreiche Bischöfe und Adelige kamen hier zusammen. In den folgenden Jahrzehnten berichten unter anderem die Lorscher Annalen immer wieder über den Ort an der Pader: vom Bau einer Kirche „von wunderbarer Größe“ bis hin zum Besuch Papst Leos III. im Jahr 799.
In der Ikenbergkapelle in Paderborn sind auch während der Westfalen-Ausstellung die Funde der Pfalzgrabungen zu sehen: Bunte Glasfenster und Mosaiksteine, karolingische Wandmalerei, Kapitelle, Werkzeug und ein Film mit einer Rekonstruktion der Anlage am Ende des 8. Jahrhunderts.
Lorscher Jahrbücher
Neben der Handschrift der Reichsannalen und gemeinsam mit den archäologischen Funden aus dem Bereich der Königspfalz ist eine Handschrift der „Annales Laureshammenses“ der Lorscher Jahrbücher zu sehen, die aus einer Bibliothek in Österreich nach Paderborn gekommen ist. Bis zum 1. März ist sie ein besonderer Höhepunkt in der Sonderausstellung „775 – Westfalen“. Kroker: „Dieses Dokument verdeutlicht eindrucksvoll, wie eng die Geschichte Paderborns mit der Entstehung Westfalens verbunden ist.“
Während die Stadt Paderborn aktuell ihre eigene 1.250-Jahr-Feier 2027 anlässlich der ersten namentlichen Erwähnung plant, mache das Jubiläum der Königspfalz bereits jetzt deutlich, so Kroker. „Die Gründung der Pfalz mit einer ersten Kirche, der Pfalzkapelle, war schon ein Jahr früher – und legte den Grundstein für Paderborns außergewöhnliche historische Bedeutung.“
LWL
Zur Sache
Die Sonderausstellung zum Jubiläum „1250 Jahre Westfalen“ zeigt das LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn noch bis zum 1. März. Von einer rätselhaften Ersterwähnung im Jahr 775 zum Herzogtum über ein Königreich bis zur preußischen Provinz: Westfalen hatte in der Geschichte viele Gesichter. In der Kaiserpfalz in Paderborn geht das Publikum an einem Stützpunkt Karls des Großen in den Sachsenkriegen durch Westfalens 1.250-jährige Geschichte. Auf rund 1.000 Quadratmetern erleben Besuchende, wie sich Westfalen und seine Menschen über die Jahrhunderte hinweg verändert haben. Archäologische Funde, kostbare Handschriften und westfälische Kunst erzählen von Tradition, Identität und Wandel. Zahlreiche interaktive Stationen und das Begleitprogramm laden zum Mitmachen ein.