„Vorsteherin des Christenvolkes“

Am 16. Dezember gedenkt die Kirche der hl. Adelheid

Adelheid von Burgund, eine Darstellung aus dem Meißener Dom. Foto: Wolfgang Wiehe

 

Im Mittelalter gab es eine bedeutende Herrscherdynastie: die Ottonen. Die Namen ihrer Regenten: zwei Heinriche, drei Ottos. Vom zehnten bis ins elfte Jahrhundert hinein waren sie Könige und Kaiser in Deutschland und formten das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Das ist der eine Teil der Wahrheit.

Der andere: Ohne eine Frau, die in der Kirche als Heilige verehrt wird, hätte es dieses Herrschergeschlecht nicht so weit bringen können: Adelheid von Burgund, Gattin Ottos I., Mutter Ottos II. und Großmutter Ottos III. Mit einer Mischung aus Klugheit, Großzügigkeit und Selbstbewusstsein hat sie den Ottonen die Macht gesichert.

Um 931 in Burgund geboren, erlebte sie als fünfjähriges Mädchen eine für die damalige Zeit historische Szene: Ihr Vater König Rudolf II. übergab dem Herrscherhaus der Ottonen, vertreten durch den Thronfolger Otto I., die Heilige Lanze, damals die wertvollste Reliquie der Christenheit und lange Zeit die Macht­insignie schlechthin. Damit schloss Rudolf ein Bündnis gegen feindliche Mächte. Adelheid begegnete dort zum ersten Mal ihrem späteren Ehemann und erlebte, dass Geschenke dem Frieden mehr dienen als Kriegsführung und Eroberungsfeldzüge. Dies war auch damals keine neue Erkenntnis, aber Adelheid musste sich zeit ihres Lebens des Vorwurfs erwehren, mit ihrer Großzügigkeit das Vermögen des Hofes zu verschleudern.

Gemeinsam mit Otto – und das hatte es vorher nicht gegeben – wurde sie 962 in Rom zur Kaiserin gekrönt und gesalbt. Sie war also wirklich die Frau an seiner Seite, nicht als dekoratives Element, sondern als consors imperii, als Mitregentin. Diese Stellung der Frauen im ottonischen Reich kam auch ihrer Schwiegertochter, der byzantinischen Prinzessin Theophanu, zugute. Auch sie wurde nach dem Tod Ottos I. zur Mitkaiserin ihres Mannes Otto II. gekrönt. Doch man ahnt schon: Mit Schwiegermutter und Schwiegertochter zwei gleichberechtigte Kaiserinnen am Hofe, das ist eine Konstellation, die nicht nur bei Hofe äußerst konfliktfördernd sein kann, auch wenn man es andernorts nicht mit Kaiserinnen zu tun hat. So zog sich Adelheid irgendwann zurück. Doch als ihr Sohn jung starb und nun die Dynastie in Gefahr geriet – ihr Enkel Otto III. war noch zu jung, um die Regierung zu übernehmen – ließ sie alle Konflikte beiseite und stellte sich an die Seite ihrer Schwiegertochter. Auch diese starb jung, Adelheid führte nun für ihren Enkel die Regierungsgeschäfte, bis er sie 994 selbst übernehmen konnte. In dieser Zeit stand sie nach eigenem Verständnis dem Christenvolk vor, was nicht ganz falsch war. Immerhin galt ihr Mann, Otto I., als Retter der Christenheit.

Nach der Machtübernahme ihres Enkels zog sich Adelheid in das von ihr gegründete Benediktinerkloster Seltz zurück, wo sie am 16. Dezember 999 starb.

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