Unsere Bewegung ist erwachsener geworden

Werner Nolte: Wir dürfen gespannt sein, was der Geist Gottes initiiert

Erzbistum. Werner Nolte ist Diözesansprecher der Charismatischen Erneuerung im Erzbistum Paderborn. Über das 50-jährige Jubiläum der CE sprach Matthias Nückel mit Werner Nolte.

DOM: Herr Nolte, seit wann gibt es die Charismatische ­Erneuerung im Erzbistum ­Paderborn?

Werner Nolte: Die Charismatische Erneuerung im Erzbistum Paderborn hat etwa 1971 ihren Anfang genommen. Professor Dr. Heribert Mühlen ist einer der Hauptinitiatoren, der damit beginnt, Glaubenskurse und Segnungsgottesdienste anzubieten. Priester und Laien treffen sich in den folgenden Jahren im Foyer des Konrad-Martin-Hauses in Paderborn. Neue geistliche Lieder, die im Umfeld der charismatischen Bewegung „Lobpreis“ genannt werden, das Praktizieren von „Charismen“ im Gottesdienst und Gebet füreinander sind besondere Merkmale der Zusammenkünfte. In Einführungsseminaren werden Grundlagen des Glaubens, die Bedeutung von Jesus Christus und insbesondere das Pfingstgeschehen gelehrt. Es bleibt nicht bei einer ausschließlich theologischen Betrachtung, sondern mündet in der Praxis einer persönlichen Tauferneuerung und dem Gebet um die Ausgießung des Heiligen Geistes. Zentrale Erfahrung ist das Beziehungsangebot Jesu Christi an die Menschen, er interessiert sich für jeden Einzelnen und verurteilt nicht. Eine neue Hinwendung zur Kirche und den Sakramenten ist häufig Ausdruck dieser Erfahrung. Außerdem gewinnt Ökumene eine neue Bedeutung.

 

Wie stark ist die Gemeinschaft hier im Erzbistum?

Im Erzbistum Paderborn haben wir etwa 22 Gebetsgruppen, die sich regelmäßig treffen. Die Veranstaltungen finden an unterschiedlichen Orten statt. Einige Gruppen treffen sich in einer Kapelle oder Sakristei, andere im Pfarrzen­trum oder zu Hause in Form eines Hauskreises. Hier und dort sind auch Menschen ohne feste Anbindung an eine Gruppe, die überregionale Angebote nutzen und Aufgaben in der Ortsgemeinde wahrnehmen. Eine konkrete Zahl ist nur bedingt aussagekräftig, da die CE eine offene Bewegung ohne feste Mitgliedschaft ist. In Bielefeld treffen sich beispielsweise 60 junge Leute vierteljährlich zum StartUp-­Jugendwochenende.

 

Gibt es Kooperationen mit anderen Gruppen?

Kontakte zu anderen Gruppen werden durch regionale Gottesdienste hergestellt. Am 11. März werden wir unseren jährlichen Diözesantag in Bad Wünnenberg haben. Er dient der Begegnung und dem Austausch untereinander. Aktuell starten wir ein neues Projekt, welches wir „Mittendrin-­West-Wochenende“ nennen und im Jugendhaus Hardehausen stattfinden wird. Es ist generationsübergreifend organisiert und soll Raum für Vernetzung sowie Evangelisation bieten. Die Kombination von spirituellem Programm und Freizeitgestaltung soll auch Familien die Möglichkeit geben, spirituelle Angebote zu nutzen. Weiter herrscht ein guter Kontakt zur Geistlichen Gemeindeerneuerung (GGE) in der evangelischen Kirche. Durch gemeinsame Gebetsveranstaltungen in den vergangenen Jahren in Paderborn hat sich eine Sehnsucht nach Einheit entwickelt, die sich in Gebet, der Liebe zum Wort Gottes und den uns verbindenden Charismen ausdrückt. In diesem Zusammenhang ist der Blick auf das Pfingstereignis (vgl. Apg 1,8–11) im Fokus. Er zeigt, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur durch die Wirkung des Heiligen Geistes Einheit erleben.

 

Anfangs gab es Bedenken in so mancher Gemeinde gegenüber der CE. Sind diese mittlerweile verflogen?

Vor Ort ist die Akzeptanz sehr von der Haltung der zuständigen Gemeindeleitung abhängig. Nicht selten herrschen noch Vorstellungen aus der Geschichte des Anfangs, die von diversen Turbulenzen und Streitigkeiten geprägt ist. Unsere Bewegung ist mittlerweile erwachsener geworden und hat sich theologisch gefestigt. In letzter Zeit ist zunehmend eine Offenheit für geistliche Gemeinschaften wahrzunehmen. Besonders junge Theologen sind nicht mehr so kritisch eingestellt und freuen sich über engagierte Christen mit lebendiger Spiritualität.

 

Wie passt die CE ins Zukunftsbild des Erzbistums Paderborn?

Die Menschen sind nach wie vor auf der Suche, die sich in der Gesellschaft auf verschiedenste Art und Weise darstellt. Dieses Vakuum ist Krise als auch Chance zugleich. Das Zukunftsbild des Erzbistums ist insofern eine hoffnungsvolle Entwicklung, da sich für Laien neue Räume geistlicher Mitwirkung auftun. Aktuell erleben wir innerhalb der CE den Aufbruch einer Gebetshausbewegung mit dem Ziel von 24 Stunden Anbetung und Fürbitte, die mittlerweile in kirchlichen Kreisen Beachtung findet. Moderne Ausdrucksformen verbinden sich mit traditionellen Elementen. Die Anziehungskraft ist enorm. Wir dürfen gespannt sein, was der Geist Gottes in seiner Kirche initiiert, wenn die Bereitschaft für Neues lebt.

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