Spiele mit Schatten

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen haben die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro begonnen. Selbst die Christusstatue wird vom Militär bewacht.

Aber die Proteste, die noch den Fackellauf durch Brasilien begleiteten, sind derzeit verstummt. Es herrscht so etwas wie olympischer Frieden.

Dennoch werden diese Spiele in die Geschichte Brasiliens und des Sports eingehen – und zwar nicht positiv. Die Demonstrationen gegen die Olympischen Spiele haben auf die enormen sozialen Probleme Brasiliens aufmerksam gemacht. Rund 12 Milliarden Euro kostet die Großveranstaltung – Geld, das für soziale Projekte und Bildung fehlt. Viele Stadien sind zudem sehr schwach besucht, weil die Menschen kein Geld für die Eintrittskarten haben. Das Land wird noch Jahre unter den Kosten der Spiele zu leiden haben.

Die Sportfunktionäre haben ebenfalls ihren Beitrag dazu geleistet, dass auf Olympia 2016 ein dunkler Schatten fällt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) unter seinem Präsidenten Thomas Bach war nicht in der Lage, in Sachen Doping klare Grenzen zu ziehen – vor allem nicht gegenüber Russland. Lag es daran, dass Bach gute Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin pflegt?

Das Traurige an der halbherzigen Bekämpfung des Dopings ist, dass alle Sportler erst einmal unter Generalverdacht geraten, wenn sie Höchstleistungen erbringen. Hinter jedem neuen Weltrekord, der in Rio aufgestellt wird, bleibt ein Fragezeichen. Mit seiner halbherzigen Doping-Entscheidung hat das IOC dem Sport einen Bärendienst erwiesen – vor allem den vielen ehrlichen Sportlern.

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