Sensibel für Gerechtigkeit

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Ungewöhnlich deutlich hat sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble dieser Tage zur Selbstdarstellung von Eliten der Gesellschaft geäußert. Der CDU-Politiker warnte die Wohlhabenden vor Prahlerei und der Zurschaustellung ihres Reichtums.

Foto: Freestocks org / unsplash

 

Als Beispiele nannte er in einem Interview Vorstände und Aufsichtsräte von Unternehmen, die viel Zeit darauf verwenden, ihre Gehälter und Pensionen in schwindel­erregende Höhen zu treiben, statt sich intensiver mit den Fragen von Kunden und Mitarbeitern zu beschäftigen. Schäuble kritisierte auch den Fußballer Franck Ribéry, der Bilder verbreitet hatte, wie er ein mit Blattgold überzogenes Steak aß.

Diese Liste ließe sich noch verlängern – etwa um die Fußballer von Schalke 04. Sie kicken derzeit lustlos und ohne Kampfgeist, um dann in ihren teuren Autos davonzubrausen – die vom Eintrittsgeld der Menschen bezahlt wurden, die ihr sauer verdientes Geld ausgeben, um eigentlich zwei Stunden Freude am Spiel im Stadion zu haben.

Es gab Zeiten, in denen die Menschen gerne in den bunten Blättern gelesen haben, wie die Schönen und Reichen sich die Zeit vertreiben. Heute allerdings sind die Bürgerinnen und Bürger beim Thema Gerechtigkeit sensibler geworden. Wenn die Reichen immer reicher und die Armen ärmer werden, ist dies sozialer Sprengstoff für die Gesellschaft.Wolfgang Schäuble hat dies erkannt und offen ausgesprochen. Das Problem lässt sich jedoch nicht lösen, indem die Reichen etwas bescheidener auftreten. Es müssen auch Taten der Politik folgen, damit die Gerechtigkeitslücke geschlossen wird.

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