Sehnsucht nach Jesus?

Geistlicher Glaubensimpuls

Neulich in der Kirche: Zum Ende der Predigt gibt es eine Hausaufgabe. „Fragen Sie sich doch mal“, so kommt es vom Ambo, „ob Sie Sehnsucht nach Jesus haben.“ Hoppla, was ist das denn für eine Frage?!

Foto: pixabay

 

von Claudia Auffenberg

Sehnsucht nach Jesus. Mal abgesehen davon, dass das Wort Sehnsucht einen aufwühlt und lahmlegt zugleich, mit Jesus hätte man das wohl nie in Verbindung gebracht. Sehnsucht nach Jesus? Nach diesem Mann, ähm also, besser: Menschen, den man kennt und doch nicht kennt, dem man – das traut man sich jetzt mal zu sagen – nie begegnet ist, jedenfalls nicht so, wie man seinen Freunden oder Nachbarn begegnet. Jesus ist ein Unbekannter und zugleich klingt diese Aussage merkwürdig.

Wir sortieren uns mal kurz: Jesus hat man tausendmal gesehen, in Gemälden, in Filmen, auf der Bühne. Wenn man ihn malen sollte, man wüsste ziemlich genau, wie. Aber das Aussehen spielt anscheinend bei Jesus nun gerade keine Rolle. Seine Jüngerinnen und Jünger erkennen den Auferstandenen nicht, sogar Maria Magdalena verwechselt ihn zunächst mit dem Gärtner. Dabei müssten doch gerade sie ihn kennen und eben auch erkennen. Nun könnte man einwenden, dass natürlich mit dem Erscheinen des Auferstandenen nicht zu rechnen war. Dass die Jünger etwas gesehen haben, was sie noch nie gesehen haben, und so was kann man nicht erkennen. Und nach so was kann man sich auch nicht sehnen, oder?

Also anders: Wonach sehnt sich der Mensch? Diese Frage ist leichter zu beantworten, man kann von sich auf andere schließen: nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Angenommensein, nach Heilsein. Das sind natürlich Themen, die mit Jesus zu tun haben. Die Geschichten aus den Evangelien erzählen genau so was: Wie er Menschen heilt, sie ins Leben, in die Mitte, in die Gemeinschaft ruft. Aber dieser irdische Jesus ist seit 2 000 Jahren nicht mehr da …

Oh Leute, sitzt hier irgendwer in der Kirche, mit dem man mal da­rüber reden könnte?

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