Richtig oder falsch?

Geistlicher Glaubensimpuls

Wie schreibt man eigentlich Johannes? Nun, die ahnungslosen, weil nicht in Paderborn lebenden Leser wird die Frage etwas irritieren, daher rasch die Auflösung: Das neue Reliquiar mit einer Reliquie Johannes Pauls II. musste noch einmal zur Korrektur, weil dort Iohannes stand, aber Ioannes hätte stehen müssen.

Ein H zuviel... Foto: pdp / Asshauer

 

von Claudia Auffenberg

Nun muss man sagen, dass Ioannes richtig falsch aussieht, aber in diesem Zusammenhang doch richtig ist, denn der Text ist auf Latein und da heißt es nun einmal Ioannes.

Die Lokalpresse war natürlich begeistert ob dieses Lapsus und diejenigen, die Gäste durch den Dom führen, werden es auch sein. Denn jetzt gibt es eine Anekdote mehr zu erzählen, die sogar noch die wunderbare Botschaft verkündet, dass so etwas sogar „denen“ in Paderborn passiert.

Interessant an dieser Angelegenheit ist ja, dass sich manchmal erst im Zusammenhang entscheidet, ob etwas richtig oder falsch ist. Das eine kann falsch sein, obwohl es an sich richtig ist. Und umgekehrt gilt genauso: Falsches kann auf einmal richtig werden. Durchgezogene Linien auf den Straßen zum Beispiel dürfen nicht überfahren werden, aber es im Notfall doch zu tun, kann Leben retten.

Was heißt das? Wahrscheinlich dies: Bei der Beurteilung, ob Dinge falsch oder richtig sind, kommt es häufig auf den unmittelbaren Zusammenhang an. Im Evangelium spricht Jesus heute von seinen Geboten (nicht Verboten!), die nun etwas mit Liebe zu tun haben. Wer ihn liebe, werde die Gebote halten, sagt er. Eine interessante Reihenfolge: erst die Liebe, dann das Gebot. Die Liebe ist sozusagen der Grundzusammenhang. Ohne die Liebe werden Gebote schnell zu Verboten und das führt zu einem ziemlich kleinkarierten Miteinander. Man sucht nur noch nach Fehlern und dann ist es aus mit der Liebe.

Dann ist gar nichts mehr richtig. Und das ist auch falsch.

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