Reine Symbolik?

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Auch wenn es „nur“ eine symbolische Geste war, hat der Papst mit der Entscheidung, syrische Flüchtlinge aus einem Lager auf der griechischen Insel Lesbos mit nach Rom zu nehmen, ein Zeichen gesetzt.

Denn während die EU nicht zuletzt durch den mehr oder weniger schmutzigen „Deal“ mit dem türkischen Despoten Erdogan auf dem Weg in eine politische und moralische Sackgasse ist, zeigt Franziskus, worum es geht: nicht um Zahlen, Kontingente oder sonstige abstrakte Größen, sondern um ganz konkrete Menschen und ihre Schicksale.

Der Flug nach Lesbos, so hieß es aus dem Vatikan, sei nicht „politisch“ gewesen, sondern ein religiöser und humanitärer. Doch gerade darin liegt seine politische Dimension – auch wenn Kritiker dem Papst bereits vorgeworfen haben, mit dem Besuch nicht zur Lösung der Flüchtlingskrise beizutragen.

Sicherlich ist die Zuflucht in Rom kein „Königsweg“ – falls es den in diesem Zusammenhang überhaupt gibt. Eines aber macht Franziskus deutlich. Auf dem Weg zu einer Lösung der Flüchtlingskrise oder zumindest zu deren Milderung darf das Entscheidende nicht auf der Strecke bleiben: die Menschlichkeit.

Vieles von dem, was im letzten Jahr noch mit großem Pathos verkündet wurde, ist mittlerweile der „Realpolitik“ zum Opfer gefallen. Wenn das so weiter geht, bleibt vom humanitären Anspruch Europas nicht viel übrig.

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