Neu aufgestellt für die Zukunft

Franziskanerinnen und Caritasverband Büren planen in Salzkotten Seniorenquartier

Das Mutterhaus der Salzkottener Franziskanerinnen. Rechts neben der Kirche entsteht das neue Altenheim, welches das dort stehende Marienheim ersetzt. Nicht im Bild sind das Altenheim "Clara Pfänder" und das Schwesternwohnheim jenseits der B 1

 

Salzkotten. Die Geschichte der Franziskanerinnen in Salzkotten steht vor großen Veränderungen. Die Kongregation wird am Standort ihres Mutterhauses zwei Altenheime aufgeben. Dafür entsteht im Trägerverbund mit dem Caritasverband Büren ein Seniorenquartier mit einem Altenheim, einer Tagespflege, barrierefreien Wohnungen und einer Sozialstation.

Die geplanten Projekte seien auch für den Caritasverband Büren „ein außergewöhnlich großer Schritt“, sagte der Vorstand des Caritasverbandes, Christian Bambeck, bei der Vorstellung der Pläne. Einen „zweistelligen Millionenbetrag“ will der Trägerverbund von Caritas und Franziskanerinnen investieren. Dafür steigt der Caritasverband in die „Marienheim Salzkotten gGmbH ein“ und wird dort Mehrheitsteilhaber.

Schon in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. In der ersten Bauphase wird das ehemalige Schwesternwohnheim, das an der B1 gegenüber dem Mutterhaus liegt, durch einen Neubau ersetzt.

Zurzeit befinden sich dort das Dekanatsbüro sowie Wohnungen unter anderem für Studenten und acht Flüchtlinge. Die Filiale der Krankenpflegeschule St. Vincenz hat bereits für Ende 2016 den Auszug angekündigt. Geplant sind an diesem Standort 21 barrierefreie Wohnungen, eine Tagespflege mit 30 Plätzen sowie Büros für die Sozialstation St. Hildegard.

2017 ist der Baubeginn für ein Altenheim neben dem historischen Klostergebäude vorgesehen. Der Neubau wird zwei Altenheime der Franziskanerinnen – das „Marienheim“ und das Altenpflegeheim „Clara Pfänder“ – ersetzen. Mit 75 Plätzen für die stationäre Pflege bietet das neue Haus so viele Plätze wie die beiden dann aufgelösten Altenheime zusammen.

Bis zur Fertigstellung des neuen Hauses werden die jetzigen Altenheime weiterarbeiten. Spätestens Ende 2018 würden sie jedoch nicht mehr dem Alten- und Pflegegesetz in Nordrhein-Westfalen genügen. Ab dann müssen mindestens 80 Prozent der Zimmer in einem Altenheim als Einzelzimmer angeboten werden.

Das Schwesternwohnheim „St. Clara“, dritte Pflegeeinrichtung der Franziskanerinnen in Salzkotten, wird zurzeit diesen Vorschriften baulich angepasst. Das Heim, das sich in einem Flügel des Klosters befindet, soll in Zukunft nicht nur Schwestern, sondern auch andere Bewohner aufnehmen.

Unter diesen Voraussetzungen fanden vor zwei Jahren die ersten Gespräche zwischen dem Orden und dem Caritasverband statt. Die Caritas habe in Salzkotten ursprünglich nur eine Tagespflege errichten wollen, sagt Christian Bambeck. Im Verlauf der Verhandlungen wuchsen jedoch das Vertrauen und die Pläne.

Mit dem jetzt ins Auge gefassten Wohn-, Pflege- und sozialen Dienstleistungen sei das vorgesehene Wohnquartier „einmalig für ein Mittelzentrum“ in der Region, betonte Bambeck. Bislang ist die Bürener Caritas in Salzkotten nur Träger der Sozialstation St. Hildegard, die etwa 290 Patienten betreut.

An der B1 östlich des Stadtkerns von Salzkotten befinden sich auf wenigen hundert Metern mehr Senioreneinrichtungen als anderswo an einem Ort im Kreis Paderborn. Dazu gehören neben den bestehenden Häusern der Franziskanerinnen das betreute Wohnen im „Lindenhof“ der „60up Dienstleistung GmbH“ sowie die „Seniorenresidenz Salzkotten“ der Mediko Gruppe. Diese Investorengruppe investiert auch in Paderborn in ein Projekt, das auf Kritik stößt, weil es nicht in die kommunale Pflegeplanung passt.

Die „Kommunale Konferenz Alter und Pflege“ im Kreis Paderborn hatte Anfang des Jahres auf die mangelnde Auslastung stationärer Einrichtungen hingewiesen und alternative Wohnkonzepte gefordert. Auch das Wohn- und Teilhabegesetz in NRW betont den Vorrang von ambulanten und teilstationären Angeboten vor stationärer Pflege.

Diesen Forderungen und gesetzlichen Regelungen werden die Pläne für das Seniorenquartier in Salzkotten gerecht. Dort findet ein Mix verschiedener Pflege- und Wohnformen statt: Ambulante Pflege und Tagespflege sowie das neue Altenheim sind miteinander vernetzt. Außerdem wird die Gesamtzahl der Pflegeplätze nicht erhöht.

Auch die Franziskanerinnen in Salzkotten haben sich mit dem Trägerverbund auf die Zukunft eingestellt. Diese ist geprägt von einer ständig kleiner werdenden Zahl von Ordensschwestern. Es wird für die Kongregation immer schwerer, den gestiegenen Anforderungen als Träger großer Einrichtungen gerecht zu werden.

Es sei der Kongregation vor allem darauf angekommen, dass die Arbeitsplätze erhalten werden und die Mitarbeitenden keine sozialen Nachteile in Kauf nehmen müssten, sagt Provinzoberin Schwester M. Hildegarde Voß. Dieses Ziel scheint erreicht zu sein. Christian Bambeck geht davon aus, dass zu den aktuell etwa 100 Arbeitsplätzen 50 neue kommen werden.

Ein anderes Anliegen der Franziskanerinnen ist mit dem Partner Caritas ebenfalls gewahrt. „Wir wollen die christlichen Werte, die wir seit der Gründung vor 155 Jahren in Salzkotten leben, für die Zukunft sichern“, sagt Schwester M. Hildegarde. Da könnte es ein gutes Zeichen sein, dass das Grundstück, auf dem die Bauarbeiten Mitte des Jahres starten, schon einmal Ort eines Neubeginns waren. Hier stand das erste Haus der Franziskanerinnen, in das die Ordensgründerin Schwester M. Clara Pfänder einzog, als sie 1863 nach Salzkotten kam.

Karl-Martin Flüter

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