Herzen und Räume öffnen

Fachtag der KBS-Bielefeld diskutiert Probleme und Chancen der Zuwanderung für die Pastoral

Diskutierten Chancen der Migration für die Pastoral (v. l.): Andreas Hölscher, Erwachsenenbildung im Erzbistum Paderborn, Thorsten Klute, Staatssekretär im NRW-Integrationsministerium, Stephan Polle, Leiter der KBS-Bielefeld und Zuzanna Stein, Referentin für Migration/Integration in der KBS-Bielefeld.

 

Bielefeld. Herausforderungen und Chancen der aktuell hohen Zahl von Flüchtlingen für Gesellschaft und Pastoral wurden bei einem ersten Fachtag in der Katholischen Bildungsstätte (KBS) Bielefeld diskutiert.

Stephan Polle, Leiter der KBS-­Bielefeld, verwies auf die Notwendigkeit, „Lebenschancen von Flüchtlingen zu erweitern“ und diese mit einer „Willkommenskultur für Flüchtlinge in unseren Pfarreien“ zu verbinden. Das dies gelingen könne, zeigten allein 14 Sprachkurse der Katholischen Bildungsstätte Bielefeld, die durch den Flüchtlingsfonds des Erzbischofs von Paderborn zu 100 Prozent finanziert würden. Die Kursausführung sei jedoch nur möglich, weil die Kirchengemeinden durch erhebliches ehren- als auch hauptamtliches Engagement, Herzen und Räume öffneten.

Andreas Hölscher, Leiter der Abteilung Erwachsenen- und Familienbildung im Erzbistum Paderborn, verwies auf die vielen Fluchtgeschichten in der Bibel und hob dadurch die christliche Bedeutung und den Wert der Flüchtlingsarbeit hervor.

Thorsten Klute, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in NRW bedankte sich bei den Anwesenden für das erhebliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit. Er ging auf die großen Chancen der Flüchtlingsströme unserer Zeit ein, verschwieg aber auch nicht die Ängste von Bürgern und die Probleme der derzeitigen Flüchtlingsarbeit. Diesen setzte er einen Vierklang der Landesregierung entgegen, bestehend aus „Sprache, Bildung, Wohnung und Arbeit“. Dabei stellte er verschiedenste Projektmöglichkeiten des Landes für diese wichtige Aufgabe vor, und lud ein, sich an diesen Projekten zu beteiligen.

Die Workshops des Tages luden dazu ein, sich intensiver mit einzelnen Aspekten der Flüchtlings- und Migrationsthematik sowie den Chancen für die Pastoral auseinanderzusetzen.

Cornelia Dockter von der Universität Paderborn informierte und diskutierte in ihrem Workshop zum Thema: „Komparative Theologie als Form des theologischen Dialogs zwischen katholischer Kirche und Muslimen“. Dabei war das Informationsbedürfnis über die islamische Reli­gion groß. Andererseits führte der Workshop auch in die Aus­einandersetzung mit den eigenen christlichen Überzeugungen und Glaubenswahrheiten. Die komparative, also vergleichende Theologie könne ein Baustein für einen interreligiösen Austausch und Dialog sein.

Unter dem Titel: „Veränderung durch Migration?!“ ging der Theologe Christian Gnida auf die Fluchtgeschichten der Bibel ein. Er ging mit den Teilnehmenden der Frage nach, inwieweit wir in dem Fremden Gott erkennen können, und wie sich durch Migration unsere Kirche verändern kann.

„Migranten verstehen, mit Migranten kooperieren“, lautete die Thematik von Udo Reineke, der seit zehn Jahren das Bistumsprojekt „Beheimatung“ leitet. Dabei handelt es sich um Bildungsarbeit mit Spätaussiedlern im Erzbistum Paderborn. In der Diskussion wurde deutlich, dass die aktuelle Situation mit einer hohen Anzahl von Flüchtlingen denen früherer Migrationswellen ähnelt. Wichtig sei, so Reineke, die Menschen mit ihren Fähigkeiten und Wünschen einzeln wahrzunehmen, und sie als „Brückenmenschen“ in die Integrationsarbeit mit einzubeziehen.

Zuzanna Stein und Dudu Charbel Gauthe sprachen über die „interkulturelle Öffnung der katholischen Kirche“. Für beide war und ist Kirche Heimat, die sie in dem fremden Land Deutschland aufs Neue entdecken durften. Beide Referenten kommen aus Ländern mit einem eher konservativen Kirchenbild. Umso schockierender waren für sie die ersten Erfahrungen mit der liberalen deutschen katholischen Kirche. Doch dies habe beide in keinster Weise von ihrem Glauben abgehalten. Es war die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, die sie hier erfahren durften, vor allem aber Menschen, die sie auf ihrem Inte­grationsweg begleitet haben. Dabei berichteten beide auch von negativen Erlebnissen in Gemeinden vor Ort.

„Der Fachtag hat motiviert und neue Impulse für unsere Arbeit gegeben“, so einige Teilnehmer. Stephan Polle, Leiter der KBS, eröffnete die Perspektive einer möglichen zweiten Veranstaltung zur Integrationsthematik in der KBS-­Bielefeld im kommenden Jahr. Dabei dankte er am Ende des Tages ausdrücklich dem Bonifatiuswerk. Das Hilfswerk ermögliche durch die Finanzierung einer Personalstelle für die Migrationsarbeit diese wichtige Aufgabe.

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