Gedenken zu Ehren der Opfer

Gesamtschüler erinnerten am 9. November an die Familie Rosenthal

Sie erinnerten beim Ökumenischen Gedenken gemeinsam an die Familie Rosenthal: Pfarrerin Barbara von Bremen (links) und Sigrid Schäfer (2. v. l., Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit), Ellen Kreis (hinten rechts, Schulleiterin der Martin-Luther-King-Gesamtschule) zusammen mit den vortragenden Schülerinnen und Schülern. Foto: Kirchenkreis Dortmund

 

Dortmund-Dorstfeld. Sie waren beliebt bei ihren Nachbarn, engagierten sich ehren­amtlich in verschiedenen Vereinen. Doch Rosalie Glowacz geborene Rosenthal und Albert und Josef Rosenthal aus Dorst­feld waren Juden. Sie und die anderen Mitglieder ihre Gemeinde wurden Opfer der Reichspogromnacht 1938. Im Anschluss kamen sie in das Konzentrationslager Theresienstadt. Daran erinnerten die angehenden Abiturienten Cynthia Tanah, Steffi Hainer, Hannes Rentz sowie Heder Abdullah beim Ökumenischen Gedenken zum 9. November 1938.

Die Synagoge in Dorstfeld war ein kleines Fachwerkhaus, recherchierten die Schülerinnen und Schüler der Martin-­Luther-­King-Gesamtschule. Am 9. November 1938, während der Reichspogromnacht, war „es als einziges Gebäude in Dorstfeld demoliert und beschmiert“ worden. Besonders makaber: Weil die Nationalsozialisten die Synagoge als baufällig und gefährlich einstuften, musste sie die Gemeinde im Jahr 1940 auf eigene Kosten abreißen.

Das Ökumenische Gedenken warf – ausgehend von der Familie Rosenthal – zudem einen Blick auf die Schicksale zahlreicher betagter Dortmunderinnen und Dortmunder. Rosalie Glowacz war beispielsweise 88 Jahre alt, als sie nach Theresienstadt deportiert wurde. Sie blieb nicht das einzige Opfer, das mit über 80 Jahren aus seiner Heimat gerissen wurde. Viele Senioren starben wenige Wochen nach der Ankunft – ob aus Unterernährung oder Scham über die Demütigungen lasse sich heute nicht mehr sagen.

Zuvor hatte Pfarrerin Bar­bara von Bremen, Stadtkirche St. Petri, die Bedeutung des Gedenkens, „um die Opfer zu ehren“, betont. „Die Erinnerung an den Novemberpogrom bleibt für uns weiterhin aktuell, solange es Rassismus gibt“, so Pfarrerin von Bremen. Zudem verändere sich das Gedenken, da es nur noch wenige Zeitzeugen gebe. Umso wichtiger sei es, an alle Opfer zu erinnern – auch an diejenigen, deren Namen heute nicht mehr bekannt sind.

Wolfgang Maas

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