Ein gutes Zeichen

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Menschen sind vom aktuellen Papst im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder begeistert – daran hat man sich gewöhnt: Franziskus gelingt es stets aufs Neue, mit einfachen Worten Grenzen zu überwinden. Diese Gabe hat er oft genug unter Beweis gestellt, gerade wenn es darum geht, Brücken zu schlagen, um auf andere Religionsgemeinschaften zuzugehen.

Wenn er es allerdings schafft, bei Protestanten aus Deutschland Begeisterung auszulösen – und das noch im Vorfeld des 500. Jahrestages der Reformation –, dann ragt eine solche Begegnung schon heraus: Franziskus hatte im Vatikan eine Gruppe von 1 000 Pilgern aus Deutschland empfangen – in erster Linie katholische und evangelische Christen, aber auch einige Konfessionslose.

Fünf Fragen konnten die Besucher aus Deutschland dem Heiligen Vater stellen, darunter auch diejenige, ob es richtig sei, Gläubige anderer Konfessionen abzuwerben. Die Antwort war eindeutig: Das sei „Gift für die Ökumene“, so Franziskus. Ein klares Wort – vor nicht allzu langer Zeit wohl kaum vorstellbar. Ebenso wie der Leitsatz der Pilger: „Mit Luther zum Papst“. Ein Motto, das vielfach als Provokation für beide Seiten empfunden worden wäre.

Daran, dass vieles heute möglich ist, was früher als „Tabu“ galt, haben Franziskus und eine Reihe seiner Vorgänger sicherlich großen Anteil, doch die eigentlichen Brückenbauer sind diejenigen, die die Ökumene im Alltag praktizieren – in vielen Gemeinden, Verbänden und Initiativen.

Das wird heute nicht mehr an die große Glocke gehängt, weil es zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist – auch ein gutes Zeichen.

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