Christliches Hospiz als Krönung

Christa Mergenthalers größter Wunsch nimmt Gestalt an

Das Modell „ihres“ Lebenstraumes macht Christa Mergenthaler glücklich. Foto: privat

 

Soest. Sie ist eine echte Pionierin und freut sich riesig, als sie das Modell des Soester Hospizes in den Händen hält. Aus eigener Erkenntnis begann Christa Mergenthaler vor Jahrzehnten damit, Sterbenden beizustehen. Dann lernte Sie die Hospizbewegung kennen und setzt sich seit Langem dafür ein.

Christa Mergenthaler sitzt in ihrem Wohnzimmer und betrachtet interessiert das Modell des stationären Hospizes für den Kreis Soest. Die Trägerin des Soester Bürgerpreises gehörte zu den Allerersten, die im Kreis sterbende Menschen begleitete. Kurz nach dem Tod ihres Mannes 1978 beginnt Christa Mergenthaler, unentgeltlich Sterbende in den Krankenhäusern des Kreises und zu Hause zu begleiten. „Ich habe in meinen Begleitungen unglaubliche Dinge an Würde und Menschlichkeit erlebt. Es war mein Leben“, sagt die heute 90-Jährige über ihre lange ehrenamtliche Tätigkeit. „Ein Erlebnis am Sterbebett meines Mannes gab den Anstoß. Ich war drei Wochen lang Tag und Nacht an seinem Bett. In einem Zimmer am anderen Ende des Flures starb ein Professor an derselben Krankheit wie mein Mann. Nachts saß vor der Tür des Professors immer ein junger Mann. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass die Familie den jungen Medizinstudenten für die Nachtwachen engagiert hatte, jedoch ertrug der das Stöhnen nicht. Der Gedanke, Dienste an Sterbenden freiwillig und ohne Bezahlung zu übernehmen, drängte sich mir nach dieser Erfahrung auf. Nachdem die letzten meiner Kinder das Haus verlassen hatten, stellte ich mich meiner selbstgewählten Aufgabe“, erzählt sie. Später setzte sie sich auch für den Bau eines stationären Hospizes im Kreis Soest ein. Nun sieht sie zum ersten Mal, wie das Projekt, für das sie sich selbst so viele Jahre eingesetzt hat, Gestalt annimmt.

„Als ich angefangen habe, hatte ich den Begriff „Hospiz“ noch nie gehört", sagt Mergenthaler. Eine Nichte von ihr sei dann in England gewesen und habe ihr von dem Hospiz von Cicely Saunders erzählt. Sie berichtete auch davon, dass es dort eine richtige Hospiz-Bewegung gäbe. Mergen­thaler erklärt, dass sie sich aber nicht getraut habe, auf die Insel zu fahren. Schließlich sie sei ja noch nie im Ausland gewesen. Der erste „richtige“ Kontakt entstand, als später eines der ersten Hospize Deutschlands in Stuttgart eröffnete. Nachdem sie davon hörte, sei sie bald dorthin gefahren. Von dieser Reise kam sie voller Begeisterung zurück und war entschlossen, so etwas auch in Soest auf die Beine zu stellen, erzählt sie lachend. „Es freut mich sehr, dass dieses Haus endlich entsteht. Wir brauchen es dringend“, sagt die seit Jahrzehnten engagierte Ehrenamtlerin. Um einen ganz praktischen, weiteren Beitrag zu leisten, sammelte Christa Mergenthaler nun, anlässlich ihres 90. Geburtstages, Spenden für „ihr“ Hospiz.

Dabei sei auch ihr der Anfang ihrer Tätigkeit nicht leicht gefallen: „Ich weiß noch heute, wie mein Herz geklopft hat, als ich das erste Krankenzimmer betreten habe“, sagt Mergenthaler, als sie zurückblickt. Sie habe ja keinerlei Ausbildung gehabt. „Das gab es einfach noch nicht“, erzählt die alte Dame. Doch die Nähe zu den Menschen habe ihr viel gegeben. „Ich habe viele intensive Begleitungen gemacht, saß oft die ganze Nacht am Bett eines Sterbenden“, sagt sie. Oft habe sie ganze Familien begleitet, und zu einigen habe sie noch heute Kontakt. Beispielsweise habe sie auch den ersten AIDS-­Kranken im Kreis Soest begleitet. Er selbst sei so voller Angst gewesen. Diese Begleitung sei auch deshalb sehr bewegend für sie gewesen, weil der Kranke noch so jung war. Ein Jahr später sei seine Mutter zu ihr gekommen, und wollte mit ihr über ihre Erlebnisse sprechen, erinnert sich Mergenthaler.

Die Kraft für diesen ganz besonderen Dienst am Nächsten habe sie von den Angehörigen und ihrem tiefen Glauben bekommen: „Eine andere Kraftquelle ist der Sterbende selbst, so unwahrscheinlich das klingen mag“, sagt die Ehrenamtlerin rückblickend. Er stärke sie durch sein Vertrauen zu ihr, durch seine Liebe und Dankbarkeit. „Es war eine gesegnete Zeit in meinem Leben“, fügt Christa Mergenthaler hinzu.

Das stationäre, christliche Hospiz für Menschen an ihrem Lebensende kostet rund 2,9 Millionen Euro. Bis zum Baubeginn müssen rund 1,5 Millionen Euro durch Spenden aus der Region aufgebracht werden. Alle Beteiligten hoffen auf den Startschuss im kommenden Jahr.
Wer sich über das Projekt informieren möchte, kann das unter: www.hospiz-soest.de tun.

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