Bischöfe ziehen vor „Minis“ den Hut

Ministrantenwallfahrt in Paderborn – ein feuchtes, aber vor allem ein fröhliches Fest

"Ich glaub an dich!", lautete das Motto der 3. Nordwestdeutschen Ministrantenwallfahrt, die 8000 Ministrantinnen und Ministranten nach Paderborn führte. Foto: pdp

 

Paderborn. Fest in Ministrantenhand war Paderborn: Rund 8000 Messdienerinnen und Messdiener aus acht Diözesen trafen sich am vergangenen Samstag unter dem Leitwort „Ich glaub an dich“ an der Pader zur 3. Norddeutschen Ministranten-Wallfahrt – mit vielen tollen Erlebnissen und einem absoluten Wetter-„Kontrastprogramm“: Fiel die Eröffnung am Mittag noch buchstäblich ins (Regen-)Wasser, so fand der Abschlussgottesdienst auf dem Schützenplatz bei strahlendem Sonnenschein statt.

Wenn ich einen Hut hätte, würde ich ihn vor euch abnehmen“, begann Erzbischof Hans-Josef Becker seine Predigt beim Abschlussgottesdienst auf dem Paderborner Schützenplatz. Der Erzbischof lobte das Bekenntnis und das Standvermögen der Mädchen und Jungen bei dem „spezifisch westfälischen Wetter”. Einen Hut hatte Erzbischof Becker zwar nicht auf, aber er zog spontan seine Mitra vor den Ministrantinnen und Ministranten. Diese bedachten die Geste mit großem Applaus – und auch die Sonne schaute das eine oder andere Mal hinter den Wolken hervor.

Das hatte zu Beginn der „Mini“-Großveranstaltung noch ganz anders ausgesehen: In der rechten Hand das Messdiener-Banner und in der linken den Regenschirm – so kommen viele der Ministranten auf den Maspernplatz direkt an der Paderhalle in der Paderborner Innenstadt zur offiziellen Eröffnung der Wallfahrt. Auch wenn fast alle Regenkleidung gewählt haben: Einige Unverzagte tragen ihre Messdienergewänder.

So auch eine kleine Gruppe links von der Bühne. Jedes der drei Mädchen hält eine blau-­rote Fahne in der Hand. „Langeoog“ ist darauf zu lesen. „Unsere Messdienergemeinschaft ist vollzählig vertreten“, sagt die erwachsene Begleiterin lachend und erzählt, dass sich die Gruppe bereits am Tag zuvor auf den Weg von der Nordseeinsel an die Pader gemacht hat – und entsprechend groß ist die Euphorie: „Jetzt lassen wir uns diesen Tag doch nicht vom Wetter vermiesen“, sind sich die Gruppenleiterin und die drei Messdienerinnen einig. Nach dem Mittagsgebet und dem Essen machen sie sich auf in Richtung Schulen St. Michael. Dort verspricht das Programm „Chill und Fun“ (Ausruhen und Spaß). Auf dem Weg werden bereits die ersten kleinen Pilgerfläschchen mit Paderwasser gefüllt. „Eigentlich würde es ja reichen, die Flasche hochzuhalten, Wasser kommt ja genug von oben“, meint ein Messdiener aus einer Gruppe aus dem Bistum Münster. „Das gilt aber nicht!“, weist ihn ein anderer zurecht.

Der bunte Zug in Richtung Innenstadt reißt nicht ab: Mit Hüten, Kappen, Fahnen, Westen und Umhängen haben sich verschiedene Gruppen „uniformiert“. Banner werden über den Köpfen geschwungen. Zwischendurch ein Blick auf den Stadtplan: „Hier sind wir richtig, gleich links, und dann sind wir da.“ In der Innenstadt gibt es jede Menge Angebote: Musik und Konzerte, Unterhaltung, aber auch Ruhe und „Atempausen“.

Diese Angebote sind zunächst besonders gefragt. Ein Gottesdienst der Jugendkirche Münster mit meditativen Texten und Musik in der Gaukirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch das „Erlebnis Paderborner Dom“ stößt auf großen Zuspruch. Besonders beliebt ist ein Blick auf das „Drei-Hasen-Fenster“, das viele der Kinder zuvor noch nicht gesehen haben.

Am Michaelskloster und der Schule nebenan ist das Gedränge ebenfalls groß. Als sich die Sonne blicken lässt, sind die Spielangebote auf dem Außengelände im Nu umlagert: Menschenkicker ist ein „Klassiker“ – und Fußballspielen mit einem Bobby-Car stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Der Einsatz der Spielerinnen und Spieler kennt kaum Grenzen, lautstark wird angefeuert, jedes Tor bejubelt – mindestens genauso euphorisch wie bei der Fußball-EM.

Eine Gruppe Ministrantinnen aus Aschendorf-Rhede im Bistum Münster möchte weiter Richtung Dom, der laut Stadtplan „gleich um die Ecke ist“, wie eines der Mädchen feststellt. Mit ihren blauen Hüten sind sie auch in der Menge gut zu erkennen. „Außerdem sieht es cool aus“, stellt eine der Ministrantinnen selbstbewusst fest. „Cool“ – dieses Wort ist immer wieder zu hören: Das schlechte Wetter hat gegen die gute Stimmung der Kinder und Jugendlichen keine Chance. „Wir mussten heute an der Paderhalle im Regen stehen und waren ganz nass“, berichten vier Ministrantinnen aus Niedersachsen und fügen hinzu: „Aber es ist trotzdem schön und es macht Spaß.“

Dazu tragen nicht zuletzt die vielen Spielangebote bei, die in der ganzen Stadt an verschiedenen Stationen zur Verfügung stehen. Bogenschießen, eine Himmelsleiter zum Klettern, Action-Painting und vieles mehr bietet Abwechslung. Selbst beim guten alten Dosenwerfen bildet sich schnell eine lange Schlange. Als die Sonne sich immer mehr durchsetzt, zieht es die „Minis“ wieder zum Wasser. Der „Strand für Minis“, die Wasserbaustelle und die Wasserolympiade im Paderquellgebiet sind rasch gut besucht. Der Hit der Angebote hier aber ist das Entenangeln. Mit kleinen magnetischen Angeln müssen die Kinder versuchen, in einer bestimmten Zeit möglichst viele Gummi-Entchen aus dem Teich zu fischen – ein Wettstreit, der allen sehr viel Spaß macht.

Und wenn ein Missgeschick passiert, ist guter Rat nicht weit: So wird demjenigen, der ziemlich verzweifelt den aufgeweichten Proviant aus seinem durchnässten Rucksack packt („Die schönen Kekse!“) genauso schnell geholfen wie drei durchnässten Mädchen. Schokolade tröstet über die matschigen Plätzchen hinweg, und die Regen-Geschädigten werden von den Maltesern mit einer Goldfolien-Rettungsdecke gegen Kälte versorgt, ehe sie sich in die Stadt aufmachen, um sich trockene Kleidung zu besorgen. Ansonsten ist laut Nils Brandes von den Paderborner Maltesern alles im „grünen Bereich“: „Von Kleinigkeiten abgesehen, wurden wir bisher nicht gefordert.“

Beim Gang durch die Stadt gibt es für die Ministrantinnen und Ministranten mit ihren Betreuern auch immer wieder die Chance, einen Bischof zu treffen. Denn Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück), Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Bischof Dr. Franz-­Josef Overbeck (Essen), Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp (Köln), Weihbischof Wilfried Theising (Münster) und Diözesanadministrator Weihbischof Karl Borsch (Aachen) hatten es sich nicht nehmen lassen, ihre Minis-
trantengruppen persönlich zu begleiten.

Die Messdienerinnen aus Rhede sind mittlerweile im Dom angekommen. Hier haben sich viele getroffen, das Gotteshaus ist voller junger Menschen. Ein kurzer Blick auf die Uhr: „So langsam müssen wir los zum Gottesdienst auf dem Schützenplatz!“ Es ist gerade noch Zeit, eine Kerze anzuzünden – verbunden mit der Bitte um besseres Wetter für den Abschluss unter freiem Himmel.

Diese wohl vielfach ausgesprochene Bitte wird erhört. Als die Gruppen auf dem Schützenplatz eintreffen, ist diese Wiese dort schon wieder trocken – und so mancher nutzt seinen Regenschirm vom Vormittag nun als schützenden Sonnenschirm. Bunte Messdienerfahnen werden geschwenkt und zur Musik der Gruppe „Worshipcafé“ singen Tausende laut mit. Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder, der die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Betreuer begrüßt, weist auf die Bedeutung des Wassers hin: „Ihr seid das Wasser der Kirche!“, ruft er den „Minis“ zu.

Zu Beginn des Gottesdienstes segnet Erzbischof Hans-Josef Becker die vielen Tausend Fläschchen mit Paderwasser, welche die Ministrantinnen und Ministranten hochhalten. Anschließend segnen sich die Mädchen und Jungen gegenseitig mit diesem Wasser.

In seiner Predigt greift Erzbischof Becker das Thema Wasser wieder auf. Neben dem physischen Durst gebe es auch den seelischen, betont er. Das Volk Gottes vertraue darauf, das Gott die Quelle des Lebens sei. Die Ministranten dürften sich an dieser Quelle laben, so der Erzbischof. „Wer von der Quelle trinkt, wird selbst zur Quelle für andere, denen er das Wasser reicht“, betont Erzbischof Becker und fügt hinzu: „Ihr seid eine Kraft der Hoffnung in unseren Gemeinden.“ Im Namen aller anwesenden Bischöfe dankt Erzbischof Becker den „Minis“ für ihren Dienst: „Ihr sollt merken: Wir schätzen euch!“

Diese Wertschätzung machen die Bischöfe am Schluss des Gottesdienstes noch einmal mit einer ganz starken Geste deutlich: So wie Erzbischof Becker zu Beginn seiner Predigt, so ziehen nun alle ihren Hut – also ihre Mitra – vor den Ministrantinnen und Ministranten.

Matthias Nückel, Andreas Wiedenhaus

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