Neues Leben im alten Pastorat
Barockes Wohnhaus in Witten-Herbede gerettet: LWL erklärt das Rautert’sche Pastorat in Witten-Herbede zum Denkmal des Monats April.
Durch engagierte Eigentümer und das Zusammenwirken der Denkmalbehörden konnte ein barockes Wohnhaus in Witten-Herbede erhalten werden. Im Jahr 1766 ließ der evangelische Pfarrer Wilhelm Rautert für sich und seinen Hausstand oberhalb des Dorfes ein Steinhaus mit integriertem Stall errichten – eine frühe Weiterentwicklung des in ganz Nordwestdeutschland verbreiteten Wohnwirtschaftshauses. Über Jahrzehnte lebten verschiedene Familien in dem Haus. Zuletzt stand es lange leer und war eingewuchert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erklärt das Rautert’sche Pastorat, das nun behutsam saniert wird, zum Denkmal des Monats April.
2020, kurz vor dem eigentlich bereits beschlossenen Abriss, wurde das Haus von einem jungen Paar gekauft. Im selben Jahr wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Witten aufgenommen. „Seitdem führen die neuen Eigentümer nach und nach umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durch. Gleichzeitig haben sie das Gebäude behutsam umstrukturiert“, erklärt LWL-Denkmalpfleger Philipp Strugalla. „So wurde zum Beispiel ein massiver Anbau aus dem 20. Jahrhundert zurückgebaut, der direkt vor der ursprünglichen Wohndiele platziert worden war. In die verbliebene Öffnung wurde ein großes Wohnraumfenster eingesetzt.“
Der historische Hauseingang wurde reaktiviert. Direkt dahinter liegt der historische Hausflur, links folgen zwei zur Erbauungszeit ofenbeheizte Wohnräume und gegenüber dem Hauseingang die Wohndiele. „In diesem Bereich kam während der Arbeiten hinter einem nachträglich eingebauten Bad eine säulenflankierte Kamineinfassung zum Vorschein“, so Strugalla. „Diese soll restauriert werden“. Im schmalen Wirtschaftsteil wurde eine kleine Werkstatt mit Lager eingerichtet. Die doppelgeschossige Anlage von Diele und Stall wurde dabei erhalten.
„Worüber sich alle Beteiligten sehr gefreut haben: Die Innentüren aus der Entstehungszeit konnten gerettet werden“, sagt Denkmalpfleger Strugalla. „Vor der Übernahme durch die neuen Eigentümer waren alle originalen Türen bereits ausgebaut worden. Durch das beherzte Agieren der Unteren Denkmalbehörde konnte erreicht werden, dass alle Türen unbeschadet zurückgekommen sind. Sie sollen nach und nach substanzschonend aufbereitet und wieder eingesetzt werden.“
Das Dach wurde neu gedeckt und das Dachwerk durch den Einbau einer zweiten Tragstruktur entlastet. Auf der Hangseite musste eine Fachwerkwand zimmermannsmäßig repariert werden. „Die ursprünglich nur geschlämmten Bruchsteinwände sind durch einen dick aufgetragenen Zementputz verdeckt“, so Strugalla. „Diesen werden die Eigentümer nun schrittweise von Hand abnehmen.“ Die ursprünglichen Fenster sind nicht erhalten. Diese wurden in Abstimmung mit den Denkmalbehörden durch schlichte Holzfenster aus schlanken, grau gestrichenen Profilen ersetzt.
„Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen“, erklärt LWL-Denkmalpfleger Philipp Strugalla. „Doch schon jetzt ist zu erkennen, dass das Baudenkmal durch die außerordentlich engagierten Eigentümer einfühlsam revitalisiert und in seiner Einzigartigkeit herausgearbeitet wird.“
LWL