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29.12.2025
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Wozu sind Sie da, Herr Hinrichs?

Von Patrick Kleibold

„Manchmal kann aus einem zufälligen Zusammentreffen von wenigen etwas entstehen, das ganz viele in seinen Bann zieht und zu einer kleinen Tradition wird“, sagt Dombläser Hubert Hinrichs.

Manchmal kann aus einem zufälligen Zusammentreffen von wenigen etwas entstehen, das ganz viele in seinen Bann zieht und zu einer kleinen Tradition wird. Wenn auch an diesem Freitag, 19. Dezember, ab 18.00 Uhr wieder Hunderte Menschen unter dem Turm des Paderborner Domes Advents- und Weihnachtslieder singen, dann ist das ein Beispiel dafür: Begonnen hat alles mit einem überschaubaren privaten Weihnachtsmarkt eines Paderborner Malerbetriebs, bei dem Bläser vom Dach des Firmengebäudes einige Lieder spielten – nicht groß geplant und vorbereitet, sondern einfach in die Tat umgesetzt.

Wie so oft, wenn Dinge ins Rollen geraten und größer werden, hatte auch hier der Zufall oder vielleicht die Fügung ihre Finger im Spiel: Unter den Zuhörern war damals auch ein Mitglied der Domgilde, nämlich Ferdi Hillebrand. Der Satz einer Anwesenden zu ihm „Das wäre doch auch was für deinen Dom!“ hat dann eine Art positive Kettenreaktion ausgelöst: Die Idee wurde „weitergesponnen“, Musiker – drei Trompeter, zwei Posaunisten und ein Euphonium-Spieler – fanden sich zusammen.

Das Wunderbare war: Nirgends tauchte ein „Bremser“ auf oder gar jemand, der Steine in den Weg legte – im Gegenteil: Das Domkapitel war schnell überzeugt und öffnete 2009 im wahrsten Sinne des Wortes den Turm der Bischofskirche für uns. So stehen wir auch an diesem Freitagabend wieder für eine Stunde in etwa 70 Meter Höhe über den Dächern von Paderborn und lassen unsere Instrumente erklingen. Unser sechsköpfiges Ensemble gibt es in dieser Zusammensetzung nur zu diesem Ereignis, die Idee hat uns zusammengeführt und seitdem spielen wir gemeinsam. Der Termin hat einen festen Platz in unseren Kalendern und wird auf keinen Fall verpasst!

Blechbläser sind puristisch unterwegs

Ein Vorteil ist sicherlich, dass man als Blechbläser sehr puristisch unterwegs ist und keine Technik wie etwa Verstärker braucht: Wir teilen uns einfach jeweils zu zweit ein Fenster und blasen die Stücke hinaus in die Nachtluft. Schon lange spielen wir in dieser Besetzung und jeder Einzelne hat entsprechende musikalische Routine. Denn wir müssen diesen Auftritt „freihändig“ hinbekommen: Da wir uns alle gegenseitig den Rücken zukehren, kann niemand dirigieren bzw. die Einsätze geben. Aber die Lieder, die wir spielen, hat eigentlich jeder Musiker in seinem Repertoire, ein Großteil stammt aus dem „Gotteslob“. Und nicht zuletzt können wir uns auf unser „Taktgefühl“ verlassen! Zwei Herausforderungen gibt es allerdings: Zum einen hören wir nicht, was unten gesungen wird, zum anderen ist es die Kälte, die die Finger strapaziert.

Die Aktion braucht keine große Organisation, das finde ich so schön daran. Auch wenn wir von oben spielen, geschieht eigentlich alles „von unten“: Menschen kommen einfach zusammen und singen. Die Musik lässt diese Gemeinschaft über Sprach- und manchmal auch Glaubensgrenzen hinweg entstehen. In den ersten beiden Jahren wurde noch nicht mitgesungen, dann verteilte der „Marktplatz Ehrenamt“ Liederzettel und es wuchs „Paderborns größter Weihnachtschor“ heran, wie es im WDR einmal hieß.  All das zeigt, wie gut sich Menschen verstehen, wenn sie von der gemeinsamen Sache begeistert sind.

Singen macht glücklich – gerade zu Weihnachten! Und dazu so direkt beitragen zu können, ist für uns Turmbläser in luftiger Höhe ein Geschenk schon vor dem eigentlichen Fest!

Zur Person

Hubert Hinrichs wurde 1971 in Sögel im Emsland geboren, kam 1991 nach Paderborn und lebt seit 1999 in Neuenbeken. Hinrichs ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist Lehrer an den katholischen Schulen der Brede in Brakel. Seit 39 Jahren spielt er Trompete.

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