Was der Papst und das Wetter mit dem Jahreswechsel zu tun haben

Erderwärmung, Energiekrise, Böller-Blues: Dieses Jahr ist Silvester blöd … Hier ist nun zu erfahren, was der Jahreswechsel mit dem römischen Klima zu tun hat – und warum es beim Knallern besser windstill sein sollte.

Glück zum Jahreswechsel
veröffentlicht am 31.12.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Erderwärmung, Energiekrise, Böller-Blues: Dieses Jahr ist Silvester blöd … Hier ist nun zu erfahren, was der Jahreswechsel mit dem römischen Klima zu tun hat – und warum es beim Knallern besser windstill sein sollte.

Bonn (KNA). Silvester geht nicht ohne Papst – zumindest nicht in weltgeschichtlichen Kategorien. Silvester war der erste römische Bischof dieses Namens – und der erste als heilig verehrte Papst, der nicht als Märtyrer starb. Seine Lebensdarstellung ist stark von Legenden überformt. Wirklich historisch gesichert ist fast nichts über sein mehr als 20 Jahre dauerndes Pontifikat. Und dennoch feiern wir seinen Gedenktag so laut und intensiv wie bei keinem anderen Heiligen. Silvester I. starb am 31. Dezember 335, natürlich in Rom.

Sein Todestag ist dann wohl auch der wichtigste Grund für seine Popularität – fällt er doch seit Jahrhunderten auf den Jahreswechsel. Seit der ausgehenden Römischen Republik traten die Beamten zu den Kalenden des Januar ihre Ämter an – ein Termin, der sich als Jahresbeginn und Festzeit erst spät durchsetzte. Die frühen Christen dagegen feierten zunächst entweder den Dreikönigstag (6. Januar) oder das Fest der Geburt Christi (25. Dezember) als Jahresbeginn. Erst 1691 setzte Papst Innozenz XII. den Jahreswechsel endgültig auf den 1. Januar fest.

Grundlage des späteren Kirchenstaates

Die Tatsache, dass nur wenig über Papst Silvester (314-335) bekannt ist, bedeutet freilich keineswegs, dass er nicht die römische Kirche in historisch sehr bewegten Zeiten geleitet hätte. Die letzte große Christenverfolgung der Antike unter Kaiser Diokletian (284-305) erlebte und überlebte er, offenbar als „Bekenner“. Unmittelbar vor Beginn von Silvesters Amtszeit als Bischof von Rom erkannte Kaiser Konstantin 313 das Christentum im „Mailänder Toleranzedikt“ an. Und 325 stimmte das Konzil von Nicäa – dem heutigen Iznik nahe Istanbul – das bis heute epochale erste christliche Glaubensbekenntnis ab.

An keiner dieser wegweisenden Ereignisse und Entscheidungen freilich hat Papst Silvester I. (lateinisch „der Waldmann“) selbst mitgewirkt. Dafür dichtete ihm die mittelalterliche Geschichtsschreibung allerlei Legenden an: Der Kaiser habe ihm in der „Konstantinischen Schenkung“ die Stadt Rom sowie das sogenannte Patrimonium Petri überantwortet: die Grundlage des späteren Kirchenstaates.

Auch habe er, um die Kaisermutter Helena von der Überlegenheit des Christentums zu überzeugen, in Gegenwart konkurrierender jüdischer Rabbiner einen Drachen besiegt – respektive einen getöteten Stier wieder zum Leben erweckt – und so das Rennen gemacht. Tatsächlich belegt ist, dass unter seiner Ägide die Grundsteine für die erste Peterskirche, für die Lateranbasilika, für Sankt Paul vor den Mauern und mindestens ein halbes Dutzend anderer bis heute zentraler Kirchen Roms gelegt wurden.

Bunte Silvester- und Neujahrsbräuche

Drei Dutzend Spalten gleich füllen die bunten Silvester- und Neujahrsbräuche im volkskundlichen „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“. Breiten Raum nehmen dort die sogenannten Übergangs- und Trennungsbräuche sowie die Glückszauber und Orakelbräuche ein – denn der Jahreswechsel wird zumeist zu einer Beschwörung eines „guten Neuen“ verwandt. Überhaupt ist die Silvesternacht eine Zeit, in der man schon seit vorchristlicher Zeit Geister und Dämonen besonders aktiv wähnte. Daher rührt auch das bis heute so verbreitete Lärmbrauchtum, um deren Zauberkraft zu brechen und das Böse fernzuhalten.

Auch das gesellige Beisammensein mit Familie und Freunden zum Silvesteressen bildet im tiefsten Grund einen geschlossenen Kreis, in den kein Dämon eindringen können sollte. Erbsensuppe war ein gängiges Silvestergericht – stand doch die Vielzahl der Hülsenfrüchte für die Menge an Gutem, das vom neuen Jahr zu erhoffen war.

Im Emmental in der Schweiz ließ man nach dem Silvesterschmaus Brotstücke und Messer auf dem Tisch liegen, um die Hausgeister günstig zu stimmen. In Ostpreußen wurde der Ofen stark angeheizt und eine Bank daran geschoben, damit sich die Toten wärmen konnten. In Mecklenburg hieß es gar: Wer Silvester nachts dreimal nackt beiert (Glocken läutet), der kriegt den besten Flachs. Und wenn es dann noch windstill ist, hat man gleich doppelt Glück. Denn: „Wind in Sankt Silvesters Nacht hat nie Wein und Korn gebracht.“

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