25.11.2022

Kauf-nix-­Tag – Einfach mal NICHTS kaufen

Am Kauf-nix-­Tag haben die Einkaufswagen Pause. (Foto: Gabrielle Ribero on unsplash)

Satte Rabatte, Wahnsinns­schnäppchen, Hot Deals. Jahr für Jahr Ende November verwandeln sich Fußgängerzonen und Onlineshops zu Konsum-­Schlachtfeldern. Doch es gibt einen Gegenentwurf zu Black Friday, Cyber Monday und Co.: den Kauf-nix-­Tag am letzten Samstag im November.

Dass der hemmungslose Konsumrausch seinen Preis hat, ist zumindest theoretisch bekannt. Mehr Wirtschaftsleistung bedeutet eben auch mehr Materialverbrauch, mehr Klima­emissionen, mehr gerodete Regenwälder und immer weniger Rohstoffe und Ressourcen. Leben wir weiter wie bisher, ist bald Schluss mit lustig.

Kauf-nix-­Tag – Ein Gegenentwurf zum Black Friday

Genau das hat der kanadische Künstler und Aktivist Ted ­Dave bereits 1992 erkannt und rief am letzten Freitag im November in Vancouver einen „Buy Nothing Day“ ins Leben. Ort und Termin des Kauf-nix-­Tages sind kein Zufall: In der Stadt an der Westküste Kanadas hat die internationale Umweltbewegung ihren Ursprung, sie ist unter anderem Gründungsort der Umweltorganisation Greenpeace. Der letzte Freitag im November ist in den USA der Tag nach dem Erntedank-­Fest ­Thanksgiving; und weil viele Amerikaner an diesem Brückentag frei haben, hat der Handel kurzerhand den Black Friday erfunden.

Ted Daves Gegenentwurf zum Kaufrausch zog Kreise. Heute gibt es den Kauf-nix-­Tag in über 60 Ländern weltweit. Seit 1997 ist der Tag auch in Deutschland bekannt und wird vor allem von konsum- und globalisierungskritischen Organisationen propagiert. In Deutschland fällt der Tag alljährlich auf den letzten Samstag im November, in diesem Jahr ist das also der 26. November. Prominenter Unterstützer ist der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Niko Paech von der Uni Siegen. Für ihn ist der Kauf-nix-­Tag ein Anlass, „unseren konsum­orientierten Lebensstil zu überdenken“. Der Wachstumskritiker plädiert seit Jahren für ein drastisch verkleinertes Industriesystem und persönliche Suffizienz, also konkret: Sesshaftigkeit statt Flugreisen, Wiederverwerten statt Neukaufen. In einem Interview mit der Deutschen Umweltstiftung hat der Experte 2019 dargelegt, dass dauerndes Wirtschaftswachstum ohne ökologische Schäden einfach nicht geht. Zudem mache Konsum ab einem gewissen Punkt krank: „Aus Selbstverwirklichung wird Reizüberflutung und schließlich Stress“, so Paech.

Das Verhalten nachhaltig verändern

Ziel des bewussten Konsumverzichts ist es nicht, alle Einkäufe am Tag davor oder am Tag danach zu erledigen. Vielmehr geht es darum, den eigenen Lebensstil zu überdenken und Kaufgewohnheiten zu hinterfragen, um dann das eigene Verhalten nachhaltig zu verändern und den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Die Frage „Was brauche ich wirklich?“ ist gerade in Zeiten der Krise aktueller denn je. Und diese Frage kann man auch Kindern zumuten. Probieren Sie doch einfach mal aus, 24 Stunden lang keinen Cent auszugeben. Sie werden überrascht sein, was da zusammenkommt. Nutzen Sie den Tag, um gemeinsam über Ihr Einkaufsverhalten nachzudenken: Muss es der Coffee-to-­go auf dem Weg ins Büro sein? Brauche ich das zehnte Fast-Fashion-­Shirt, das nach der ersten Wäsche verzogen im Müll landet? Sprechen Sie mit dem Ehepartner, Kindern und Jugendlichen über die Konsequenzen unbedachten Konsums, denn: Am nachhaltigsten ist immer noch das Produkt, das gar nicht erst hergestellt wird.

„Länger nutzen, statt neu kaufen“ lautet auch die Devise für Smart­phones und defekte Gebrauchsgegenstände. Machen Sie Ihren Kindern klar, welche Mengen an Metallen und seltenen Erden jedes Gerät enthält, welche Folgen das für Menschen in den Abbauländern und die Umwelt hat. Kaputte Haushaltsgeräte können häufig repariert werden, Hilfe gibt es bei Repair-­Cafés oder dem befreundeten Elektriker. „Selber machen“ gilt auch bei einer ruckelnden Schublade, abgeblätterter Farbe an der Garderobe oder löchrigen Socken. Dunkle Winterabende bieten sich geradezu an zum gemeinsamen Stopfen, Kleben, Schrauben und Streichen – und Spaß macht das den Kids mit Sicherheit auch! Dinge, die wirklich nicht mehr gebraucht werden, kann man bei Tauschbörsen oder Secondhand­läden abgeben. Und was spricht gegen einen gemeinsamen Sonntag auf dem Flohmarkt?

Das Problem der Retouren

Wenn neu gekauft werden muss, sollte man dem Einkauf vor Ort klar den Vorzug vor dem Onlinehandel geben. Denn: Ein Produkt, das man selbst in der Hand hatte, wird in den seltensten Fällen zurückgebracht. Im Online­handel ist das anders: Laut einer Schätzung der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg wurden im Jahr 2020 rund 315 Millionen Pakete in Deutschland retourniert. Ein großer Teil davon wird vom Händler einfach entsorgt, hinzu kommen Verpackungsmüll und die Kosten für Transport und Energie.

Info

Infos zur Aktion gibt es auf der Kampagnen-­Website der Deutschen Umweltstiftung

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