Wozu sind Sie da, Frau Stieneke?

Karin Stieneke (57) lebt in Nieheim-­Entrup, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit dem 1. Februar ist sie Verwaltungsleiterin im Pastoralen Raum Brakeler Land.

Karin Stieneke
Karin Stieneke
veröffentlicht am 27.05.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke und mir die Frage stelle, was meinen Werdegang, meine spätere berufliche Zukunft und mein ehrenamtliches Engagement geprägt haben, dann sind das ein Leitwort, ein Bild und ein Lied der Landjugendbewegung. Das Leitwort ist: „Unser Grund zu leben ist die gute Erde, unser Lebensgrund ist Jesus Christus, deshalb wollen wir gründlich leben.“ Dieses gründliche Leben ist etwas, das mich in meiner Arbeit stark geprägt hat. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ich die beruflichen wie auch ehrenamtlichen Aufgaben immer für eine lange Zeit ausgeübt habe.

Noch wichtiger ist für mich das Bild der Kundschafter. Trotz ihrer Angst vor den Riesen machen sie sich mutig auf den Weg in ein unbekanntes Land. Am Ende kehren sie mit reichen Früchten – mit menschengroßen Trauben – zurück. Die bi­blische Geschichte dahinter war für mich immer Antrieb, die eigene Komfortzone zu verlassen und immer wieder erneut aufzubrechen, um neues Land, neue Menschen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Wenn es gelingt, diesen Weg und die Erfahrungen als große Früchte zu empfinden, dann ist das ein großer Schatz. Daher stelle ich mir die Frage, wie wir heute Kundschafterinnen und Kundschafter sein, uns mit anderen auf den Weg machen und Kirche sein können.

Ein Lied, dessen Geist mich stets begleitet, ist das Botschafterlied. Darin heißt es: „Lasst uns Spinner, Träumer, Botschafter sein für dieses Land, für diese Welt, und glauben und hoffen, dass diese Vision uns in die Zukunft trägt.“ Auch ich versuche, Botschafterin zu sein, um Ideen für die Zukunft zu entwickeln und diese weiterzutragen. Vielleicht ist das meine Aufgabe, vielleicht ist es das, wozu ich da bin: Botschafterin zu sein für die hoffnungsvolle Botschaft, dass nämlich mit dem Tod nicht alles zu Ende ist und dass wir an den auferstandenen Christus glauben.

„Wir Laien sind in der heutigen Zeit besonders gefragt“

Wir Laien sind in der heutigen Zeit besonders gefragt: Sollte es uns in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht gelingen, selbst das kirchliche Leben besonders hier im ländlichen Raum in die Hand zu nehmen, dann ist meine Sorge, dass es keines mehr geben wird. Noch haben wir Gestaltungsmöglichkeiten, doch schon bald werden die finanziellen und personellen Ressourcen weniger werden. Gemeinsam mit den Kirchenvorständen und dem Pfarrer zu überlegen, welche Weichen wir für die Zukunft stellen müssen, sehe ich als meine Aufgabe als Verwaltungsleiterin. Ich wünsche mir, dass ich unseren pastoralen Raum durch meine unterschiedlichen Erfahrungen fruchtbringend mitgestalten kann. Hier im ländlichen Raum liegen meine Wurzeln und zu diesen Wurzeln wollte ich auch beruflich gerne zurück. Daher freue ich mich sehr auf meine neue Aufgabe.

Wir sind in einer besonderen Zeit. Die Pandemie, ein Krieg mitten in Europa, die Klimakrise und notwendige, tiefgreifende Veränderungen in der Kirche fordern uns heraus. Daher ist es für uns jetzt besonders wichtig, Haltung zu zeigen, als Christinnen und Christen in die Gesellschaft hineinzuwirken und neue Wege für die Zukunft zu finden. 

Zur Person 

Karin Stieneke (57) lebt in Nieheim-­Entrup, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit dem 1. Februar ist sie Verwaltungsleiterin im Pastoralen Raum Brakeler Land. Vor ihrer jetzigen Tätigkeit hat sie sechs Jahre lang den Bereich Kommunikation und Fundraising im Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken geleitet. Davor war sie 16 Jahre Geschäftsführerin des Diözesankomitees, der Laienvertretung im Erzbistum.

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

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Unsere Reihe Menschen im Erzbistum

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten. Wir fragen nach, heute bei: Karin Stieneke

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