Ökumenisches Friedens­gebet 2022 kommt aus Kenia

Geschrieben hat das Gebet die 47 Jahre alte Ordensschwester Mary Grace Sawe. Sie ist Ordensfrau der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken.

veröffentlicht am 26.01.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

„Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen“: Das ökumenische Friedens­gebet 2022 kommt aus Kenia. Geschrieben hat das Gebet die 47 Jahre alte Ordensschwester Mary Grace Sawe. Sie ist Ordensfrau der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken.

Im Zentrum des ökumenischen Friedensgebetes steht in diesem Jahr Kenia. Das ostafrikanische Land ist mit seinen rund 50 Millionen Einwohnern das siebt bevölkerungsreichste Land des Kontinents. Die anstehenden Präsidentschaftswahlen, der Klimawandel, die Corona-­Pandemie, große soziale Ungleichheiten und Terrorismus bedrohen derzeit das friedliche Zusammenleben.

Kenia sehnt sich nach Frieden

„Die Menschen in Kenia sehnen sich nach Frieden. Mit Blick auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen wünschen sie sich eine neu ausgerichtete Politik, die nicht nur vereinzelte Menschen, sondern das gesamte Land mit allen seinen unterschiedlichen Stämmen und Bevölkerungsschichten in den Blick nimmt“, sagt die aus Kenia stammende 47-­jährige Mary Grace Sawe. Sie ist Ordensfrau der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken, lebt seit dem Jahr 2010 in Deutschland und hat das diesjährige Friedensgebet für das Hilfswerk missio geschrieben. Ein besonderes Anliegen ist ihr ein friedlicher Ablauf der Präsidentschaftswahlen in Kenia in diesem Sommer. Die Wahlen seien im Land regelmäßig umstritten und häufig mit Gewalt verbunden. Bei den vergangenen Wahlen sei es auch zu blutigen Ausschreitungen gekommen.

Um Frieden herzustellen und um bestehende Ungleichheiten im Land zu bekämpfen, müsse sich die Mentalität der Menschen grundlegend verändern, ist sich die Ordensschwester sicher: „Bisher ist die Politik geprägt vom Egoismus einzelner Personen. Diese werden protegiert von einzelnen Stämmen im Land, die wiederum nur ihre eigenen Interessen im Blick haben. Dadurch wird die bestehende Ungleichheit weiter verstärkt. Kenia braucht einen Präsidentschaftskandidaten, der nicht nur einzelne Stämme in den Blick nimmt, sondern dem es gelingt, eine Per­spektive für alle Stämme aufzuzeigen“, sagt Schwester Mary Grace.

Doch gerade das scheint auch in diesem Jahr schwierig zu werden, denn in Kenia leben 42 verschiedene Stämme mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen. Und sie alle sprechen ihre eigene Sprache. Eine gemeinsame und alle Stämme verbindende Sprache gibt es nicht. „Schwierigkeiten in der Verständigung führen dann dazu, dass der Großteil der Menschen der unterschiedlichen Stämme niemals einen Kandidaten wählen würden, der eine andere Sprache spricht als sie selbst. Das ist sehr schade, denn dadurch wird zusätzlich die Korruption im Land gefördert“, schildert Schwester Mary Grace die Mentalität der Menschen.

Ökumenisches Friedensgebet nimmt die Korruption in den Blick

An einer Stelle im Friedens­gebet heißt es daher: „Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen und der Korruption zu widerstehen. Lass uns die richtigen Worte, Gesten und Mittel finden, um den Frieden zu fördern.“ Auch wenn es sehr schwierig sein wird, Einheit in Kenia herzustellen, so ist Schwester Mary Grace immer noch davon überzeugt, das Frieden möglich ist. „Frieden in Kenia ist keine Illusion. Er ist möglich, da bin ich mir sehr sicher und dafür möchte ich beten.“

Positiv stimmt sie die Tatsache, dass sich der Großteil der Menschen noch an ein friedliches Zusammenleben ohne Krieg erinnern kann. Denn bis Anfang der 1990er-­Jahre herrschte Frieden in Kenia. „Die Menschen haben diese glückliche Zeit nicht vergessen. Sie glauben noch immer daran und beten dafür. Und dafür bete auch ich“, sagt Schwester Mary Grace. Weiter heißt es daher im Friedens­gebet: „In welcher Sprache wir dich auch als ‚Fürst des Friedens‘ bekennen, lass unsere Stimmen laut vernehmbar sein gegen Gewalt und gegen Unrecht.“

„Die Menschen müssen auch wieder lernen, einfach mal zuzuhören. Das gilt natürlich nicht nur für Kenia“, sagt Schwester Mary Grace. Anderen zuhören ist etwas, dass ihr außerordentlich wichtig ist. Lange Zeit hat sie in Kenia als Krankenschwester gearbeitet und kümmerte sich als Krankenhausseelsorgerin auch um das Seelenheil der Menschen. Dieser Aspekt komme in der Krankenpflege in Deutschland oftmals zu kurz, weshalb es ihr Wunsch sei, eine Ausbildung zur Krankenhausseelsorgerin zu machen. „Jeder Mensch wünscht sich, dass man ihm zuhört und Zeit schenkt. Das möchte ich gerne tun“, sagt Schwester Mary Grace. Wie treffend klingt da die folgende Zeile aus dem Friedens­gebet: „Schenke uns mutige Frauen und Männer, die die Wunden heilen, die Hass und Gewalt an Leib und Seele hinterlassen.“

Text: Patrick Kleibold

Das gesamte Friedens­gebet zum Nachlesen

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