Christbäume als Hoffnungszeichen – Hilfe für Flutopfer

Christian Pohlmeyer aus Herzebrock-Clarholz hat mit weiteren Ehrenamtlichen aus seiner Gemeinde bei Aufräumarbeiten geholfen und etwa 200 000 Euro an Geld- und Sachspenden für die Flutopfer im Ahrtal gesammelt. Jetzt möchten sie diesen ein schönes Weihnachten bescheren.

Verteilaktion der Weihnachtsbäume im Ahrtal. Von links: Daniel Uphus, Tobias Ortkras, Dirk Deitert, Uwe Bröskamp, Rene Rabsch, Richard Tarner, Emily Tarner, Vivian Tarner und Daniel Schwarzenberg. Es fehlen auf dem Foto Frank Markmann, Markus Gertheinrich und Christian Pohlmeyer. (Foto: privat)
Verteilaktion der Weihnachtsbäume im Ahrtal. Von links: Daniel Uphus, Tobias Ortkras, Dirk Deitert, Uwe Bröskamp, Rene Rabsch, Richard Tarner, Emily Tarner, Vivian Tarner und Daniel Schwarzenberg. Es fehlen auf dem Foto Frank Markmann, Markus Gertheinrich und Christian Pohlmeyer. (Foto: privat)
veröffentlicht am 24.12.2021
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Christian Pohlmeyer aus Herzebrock-Clarholz hat mit vielen weiteren Ehrenamtlichen aus seiner Gemeinde bei Aufräumarbeiten geholfen und etwa 200 000 Euro an Geld- und Sachspenden für die Flutopfer im Ahrtal gesammelt. Jetzt möchten sie diesen ein schönes Weihnachten bescheren.

“Es war furchtbar. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich das verheerende Ausmaß der Flut­katastrophe gesehen habe”, schildert Christian Pohlmeyer aus Herzebrock-­Clarholz seine Gefühle, als er das erste Mal im Ahrtal angekommen war. Ähnlich sei es auch anderen ehrenamtlichen Helfern aus seiner Gemeinde ergangen, die mit ihm vor Ort waren und dort Schlamm schippten, Estrich aus Häusern stemmten, eine Kapelle renovierten, Sachspenden sammelten und den Menschen in einer extremen Notsituation als Ansprechpartner und zugleich Seelsorger zur Seite standen.

Von Verlusten und Trauer

Alles war ganz plötzlich gekommen: Ein paar Tage zuvor noch saßen die späteren Helfer in ihren Wohnzimmern und Büros oder waren wie Pohlmeyer im Urlaub, nicht ahnend, dass sich andernorts in Deutschland eine Tragödie abspielte, die 184 Menschen das Leben kosten und auch ihr eigenes Leben für längere Zeit verändern sollte. Zehn Tage nachdem sie von der Flut erfahren hatten, machten sie sich auf den Weg. Sie lernten Menschen kennen, denen die Flut ihr Zuhause genommen hatte, und hörten ihre Geschichten aus der schicksalhaften Nacht – von Verlusten und Trauer.

Jetzt, einige Monate später und nach unzähligen ehrenamtlich geleisteten Stunden, endet die Zeit der Hilfsteams aus Herzebrock-­Clarholz mit einer besonderen Aktion. Zum Weihnachtsfest möchten sie den vom Hochwasser betroffenen Menschen eine kleine Freude machen. Besonders für die Kinder wird es in diesem Jahr schwer. Und daher versuchen die Helfer, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Mit gesammelten Spendengeldern sorgen sie dafür, dass jeder Haushalt in Walporzheim einen Christbaum bekommt. Insgesamt 520 Bäume wurden am zweiten Adventswochenende an die Menschen im Ort und im benachbarten Ahrweiler verteilt.

Familien in Dernau, Rech und Mayschoß sowie Kitas aus der Flutregion haben ebenfalls Bäume erhalten. Auch wenn die Menschen dort ein gänzlich anderes Weihnachtsfest erleben werden als sonst, so sollen die Bäume ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung erzeugen. Doch der Weg bis zu dieser Aktion, mit der die Helfer den Flut­opfern ein Abschiedsgeschenk machen wollen, war lang. Er war lang für die Betroffenen, aber auch für die ehrenamtlichen Kräfte.

Die Flutopfer waren umgeben von Chaos, Zerstörung, Leid und Trauer

„Als wir durch die Medien von der Hochwasserkatastrophe erfuhren, haben wir kurz entschlossen ein Helferteam zusammengestellt und uns auf den Weg gemacht“, sagt Pohlmeyer. Auch wenn sie durch die Berichterstattung einiges über die Auswirkungen der Flut wussten und sie sich – so gut es in dieser kurzen Zeit eben möglich war – auf den Einsatz vorbereitet hatten, waren sie auf einmal umgeben von Chaos, Zerstörung, Leid und Trauer. Das ganze Ausmaß der Verwüstung hatten die Helfer aus Ostwestfalen auf ihrem Weg ins Ahrtal nicht erahnt.

Während einer dreitägigen Rund-um-die-Uhr-­Aktion konnten sie vier Familien helfen. „All diese Familien hatten Angehörige, Verwandte oder Freunde unter den Schwerverletzten oder Todesopfern. Das sind Schicksale, die einen hart treffen und unter die Haut gehen“, schildert Pohlmeyer seine damalige Gefühlslage. Die Rückfahrt nach dem ersten Hilfseinsatz sei sehr ruhig gewesen. „Im Auto wurde nicht viel gesprochen“, beschreibt er eine Situation, die er in den kommenden Wochen noch häufiger erleben sollte, nämlich immer dann, wenn neue Helfer dazukamen und ihre Eindrücke auf ihrer ersten Rückreise verarbeiten mussten.

Über 350 Stunden ehrenamtlich im Einsatz für die Flutopfer

Der 42-jährige Christian Pohlmeyer hat über 350 Stunden ehrenamtlich in der Flutregion geholfen.(Foto: Patrick Kleibold)

Wie viele Stunden die Helfer im Einsatz waren, kann Pohlmeyer nicht genau sagen. Er selber habe in etwa 350 Stunden an über 30 Tagen geleistet. Ohne die Unterstützung der Firmen und Arbeitgeber aus der Region um Herzebrock-­Clarholz wäre dieses Engagement nicht möglich gewesen. „Die Firmen haben uns großartig unterstützt, indem sie uns Fahrzeuge, Werkzeuge und auch Geld- und Sachspenden für die Menschen zur Verfügung gestellt haben“, sagt Pohlmeyer, der seit 13 Jahren den Bauhof der Gemeinde leitet.

Mindestens einmal wöchentlich fuhr der 42-Jährige mit weiteren Freiwilligen zum Helfen ins Ahrtal, 230 Kilometer. Als Projekt richteten sie u. a. die Josefskapelle in Walporzheim wieder her, die noch kurz vor der Flutkatastrophe von Menschen aus der Region saniert worden war. „Die Kapelle hatte bereits vor der Katastrophe einen hohen Stellenwert, durch die Flut hat sie eine noch größere Bedeutung bekommen. Sie ist der zen­trale Ort, an dem die Menschen zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam trauern können“, erzählt Pohlmeyer. Als er von dem Kirchenprojekt erfuhr, war ihm sofort klar, dass er an der Sanierung mitarbeiten wollte. Bis Heiligabend soll die Kapelle wieder so hergerichtet sein, dass Weihnachten darin gefeiert werden könne.

Zum Abschied: Christbäume als Hoffnungszeichen

Auch wenn bereits viel erreicht wurde, so erwartet die Flutopfer eine he­rausfordernde Jahreszeit. Der Winter bringt eine Vielzahl an Problemen mit sich. Die Wände der Häuser sind immer noch feucht, und es fehlt an Geldern und Fachkräften. „Auch wenn es immer noch viel zu erledigen gibt, muss es auch für die Helfer ein Leben nach der Flut geben. Im Team haben wir uns daher besprochen und uns einen Zeitplan gesetzt. Mit der Weihnachtsbaumaktion möchten wir uns nun verabschieden“, sagt Pohlmeyer stellvertretend für seine Mitstreiter.

Mit Spendengeldern haben die Helfer dafür gesorgt, dass jeder Haushalt in Walporzheim einen Christbaum bekommt. „Die Spendenbereitschaft für die Flutopfer und auch die Nachfrage nach Bäumen war riesig. Bei allen Aktionen, die wir durchgeführt haben, war die Dankbarkeit der Menschen überwältigend. Natürlich können die Weihnachtsbäume die existenzbedrohenden Probleme nicht lösen, vielleicht können sie aber ein kleines Hoffnungszeichen für die Menschen sein“, sagt Pohlmeyer.

(Patrick Kleibold)

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