Gehen und stehen

Claudia Auffenberg äußert sich in ihrem aktuellen Editorial über die zweite Synodalversammlung.

Gehen und stehen. (Foto: pixabay)
Gehen und stehen. (Foto: pixabay)
veröffentlicht am 07.10.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Es gibt diese Art von Versprechern, die genauso Richtiges sagen wie das, was man eigentlich zu Gehör bringen wollte. “Der Weg entsteht beim Gehen”, wollte die Synodale Dr.Julia Eckstein, Theologin der Hochschule St.Georg, am vergangenen Wochenende sagen. Gesagt hat sie: “Der Weg entgeht beim Stehen.”

Am Wochenende fand in Frankfurt die zweite Synodalversammlung statt und es war, wie das so ist, ein mühsames Unterfangen. Viele Texte, eine überladene Tagesordnung, Änderungsanträge, Abstimmungsreihen, Anträge zur Geschäftsordnung, Unterbrechungen, Verfahrensklärungen, verkürzte Redezeiten und und und. Wer seine Abneigung gegen den deutschen Sitzungskatholizismus pflegen wollte, fand reichlich Material. Und in der Tat: Wer wollte, konnte zwischen den vielen Papieren und Redebeiträgen übersehen, worum es bei diesem Unterfangen geht. Im Kern nämlich um die Frage: Ist die katholische Kirche willens und in der Lage, die Aufgabe, die ihr der Herr einst aufgetragen hat, auch in einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft zu leisten?

Diese Kirche sieht sich im Besitz einer wichtigen Information für die Menschen: nämlich, dass es in dieser Welt eine Kraft zum Guten gibt, die wir Gott nennen, dass jeder und jede allen Grund hat, sich, dem anderen und dem Leben zu vertrauen, dass Liebe und Frieden lohnen. Diese Information darf die Kirche nicht für sich behalten, sonst hätte sie sich selbst überflüssig gemacht bzw. sonst gäbe es die Kirche längst nicht mehr. “Geht in alle Welt und verkündet das Evangelium”, hat der auferstandene Jesus gesagt und nicht: “Sagt es bloß keinem weiter!”

Was ist Segen, was ist Last?

Die Frage, ob und wie Kirche in einer freien Gesellschaft Kirche sein kann, ist nicht so neu und betrifft auch nicht nur Deutschland. Auch in anderen Teilen der Welt gibt es Unruhe. Im Grunde steht diese Frage seit der Aufklärung auf der Tagesordnung. Und je freier eine Gesellschaft wird, desto dringender stellt sie sich. Und desto mühsamer wird eine Antwort, denn man hat eine lange Tradition im Gepäck. Schon P. Alfred Delp, der nun wirklich nicht das Problem “Kirche in einer freien Gesellschaft” hatte, schrieb wenige Wochen vor seiner Hinrichtung 1945: “2.000 Jahre Geschichte sind nicht nur Segen und Empfehlung, sondern auch Last und schwere Hemmung.” Was nun ist Segen, was Last? Das gilt es zu sortieren und dann das eine zu bewahren und das andere zu ändern, vielleicht sogar abzuwerfen. 

Der Synodale Weg wird das allein nicht leisten können, das wäre die endgültige Überforderung, aber er kann und soll und, ja, muss im Grunde, eine Art geistige Anschubfinanzierung sein. Deswegen ist es wichtig, diesen Weg zu gehen, unabhängig davon, wie er endet. Denn beim Stehen entgeht der Weg und das möge Gott verhüten.

Ihre
Claudia Auffenberg

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