Kontrovers und emotional

Misstrauensbekundungen: Kölner Diözesanpastoralrat in Distanz zu Kardinal Woelki

Die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln verschärft sich nach einem Treffen von Kardinal Woelki mit dem Diözesanpastoralrat weiter. Nach der Abreise der Visitatoren warten alle Beteiligten gespannt auf die Entscheidung von Papst Franziskus.
Die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln verschärft sich nach einem Treffen von Kardinal Woelki mit dem Diözesanpastoralrat weiter. Nach der Abreise der Visitatoren warten alle Beteiligten gespannt auf die Entscheidung von Papst Franziskus.
veröffentlicht am 23.06.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Köln (KNA). Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki steht weiterhin unter massivem Druck: Bei der Sitzung seines höchsten Beratungsgremiums am vergangenen Wochenende äußerte ein Großteil der Delegierten, dass ihr Vertrauen in den Erzbischof erschüttert und man an einem toten Punkt sei, wie es aus Teilnehmerkreisen hieß. Woelki habe vor dem Diözesanpastoralrat darauf hingewiesen, dass er sich das Amt nicht selbst ausgesucht und der Papst ihn beauftragt habe. Nur dieser könne ihn auch abberufen. 

von Andreas Otto 

Vereinbart wurde den Angaben zufolge, für die nächste Sitzung im September einen externen Moderator hinzuzuziehen. Zu den 75 Mitgliedern des Diözesanpastoralrates gehören neben den Führungskräften der Erzdiözese Vertreter der Priester, Diakone, Orden und pastoralen Mitarbeiter sowie zehn Laien aus dem Diözesanrat.

Laut einer Mitteilung des Erzbistums über die Sitzung am Freitag und Samstag vergangener Woche in Bergisch Gladbach gab es „eine offene, kontroverse und faire Aussprache“ über „die aktuelle Krise im Erzbistum Köln“. Dort wird seit mehr als einem Jahr um die öffentliche Aufarbeitung früherer Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche gerungen. Nach einer Beratung in Kleingruppen habe es eine „emotionale Darstellung der Gruppenergebnisse“ gegeben. Die Themen reichten „bis hin zur Vertrauensfrage in Richtung der Bistumsleitung“. Eine Abstimmung darüber habe es aber nicht gegeben. Das Gremium sei sich einig gewesen, dass eine Moderation die Möglichkeit eröffnen könne, wieder zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zu finden. 

Die Delegierten eine der große Wunsch, dass sich im Erzbistum etwas Grundlegendes verändern müsse, hieß es weiter aus Teilnehmerkreisen. Dabei sei das Bemühen offenbar geworden, Brücken aufzubauen. So seien frühere Sitzungen „top down“ verlaufen, diesmal die Planung der Tagesordnung aber für alle Teilnehmer offen gewesen. Auch die offizielle Pressemitteilung sei mit den Gremienmitgliedern abgestimmt worden. 

Zum Auftakt der Sitzung hatte Woelki dazu aufgerufen, angesichts der konträren Positionen und Spannungen „aufeinander zuzugehen“. Dies müsse „in kleinen Schritten“ erfolgen. 

Unterdessen verteidigte der Kardinal am vergangenen Sonntag auf dem Kölner Online-Portal „domradio.de“ seinen Umgang mit der Missbrauchsaufarbeitung. In den vergangenen Wochen habe er oft gehört, er solle moralische Verantwortung übernehmen. „Und die übernehme ich, indem ich versuche, vergangenes Unrecht wiedergutzumachen“, so der Kardinal. 

Als „großen Fehler“ bezeichnete der Kardinal vor dem Diözesanrat indes die Beförderung des Düsseldorfer PfarrersD. 2017 zum stellvertretenden Stadtdechanten. Dieser hatte vor 20 Jahren sexuellen Kontakt zu einem 17-jährigen Prostituierten. Bislang hatten Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann die Personalentscheidung mit der Begründung verteidigt, es habe sich um einen einmaligen und bereuten Vorfall gehandelt, der überdies wegen des damaligen Schutzalters nicht strafbar gewesen sei. Diese Argumentation sorgte unter katholischen Laien und in der Priesterschaft für große Empörung. 

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