„Glaubwürdige Aufarbeitung“ ist das Ziel

Neuer Interventionsbeauftragter informiert Priesterrat über Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs

veröffentlicht am 28.04.2021
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Paderborn (pdp). Um den aktuellen Stand der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn ging es jetzt in einer Online-Konferenz: Thomas Wendland (Foto) informierte den Priesterrat. Wendland ist seit Anfang des Jahres neuer Interventionsbeauftragter des Erzbistums. Er stellte dem Priesterrat das aktuelle Verfahren in Anerkennung des erfahrenen Leides Betroffener vor. Zudem informierte er das Gremium über das unabhängige Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn sowie über die geplante Einrichtung einer Aufarbeitungskommission und eines Betroffenenbeirates.

„Wenn der Priesterrat über den aktuellen Stand der Aufarbeitung informiert sein will und die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle rückhaltlos unterstützt, dann ist das für mich ein Signal, dass wir auf einem guten Weg sind“, erklärte Thomas Wendland. Erzbischof Hans-Josef Becker unterstrich erneut die Bedeutung der Aufarbeitung und ist entschlossen, die nächsten Schritte zu gehen: „Wir stellen uns der Vergangenheit und werden das im Sinne der Betroffenen auch weiterhin konsequent tun. Nur so kann Zukunft verantwortungsvoll gestaltet werden. Es geht um Menschen, die in der Kirche zu Opfern wurden, und damit um die Glaubwürdigkeit der Kirche.“

Becker hatte die neue Ordnung für das Verfahren zur Anerkennung des Leides zum 1.Januar in Kraft gesetzt. Damit entscheidet die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) mit Sitz in Bonn über die zu leistenden Beträge in Anerkennung des erfahrenen Leides. Die Anerkennungsbeträge orientieren sich in der Höhe an gerichtlichen Schmerzensgeldzahlungen und werden im Erzbistum Paderborn vom Erzbischöflichen Stuhl getragen.

Zusätzlich zur Bearbeitung der Anträge auf Zahlungen in Anerkennung des Leides Betroffener zählt auch der regelmäßige Austausch mit den unabhängigen Wissenschaftlerinnen über den Fortschritt der Aufarbeitungsstudie zu den Aufgabengebieten des Interventionsbeauftragten. Mit dem Forschungsprojekt, das seit August 2019 läuft und auf vier Jahre angelegt ist, hat das Erzbistum die Universität Paderborn beauftragt. Die Kosten für das Projekt trägt das Erzbistum Paderborn. Die Studie nimmt die Amtszeiten der beiden Paderborner Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt in den Blick, also die Jahre von 1941 bis 2002.

Durchgeführt wird das Projekt von Professorin Dr.Nicole Priesching und Dr.Christine Hartig vom Lehrstuhl für Religions- und Kirchengeschichte der Uni Paderborn. „Die Forscherinnen haben uneingeschränkten Aktenzugang, sie führen Gespräche mit Betroffenen, das Erzbistum hat keine Weisungsbefugnis und über die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse entscheiden die Wissenschaftlerinnen selbst“, betonte der Interventionsbeauftragte. „Damit ist eine Unabhängigkeit gewährleistet.“ Ziel des Forschungsprojektes ist, die Personenkreise im Erzbistum zu ermitteln, die von Missbrauchsfällen wussten, und sich Klarheit darüber zu verschaffen, wer bei Fällen von Missbrauch wann welche Maßnahmen ergriffen oder unterlassen hat. Thomas Wendland: „Es geht also um die Ermittlung der strukturellen Bedingungen.“

Während das Forschungsprojekt den Zeitraum zwischen 1941 und 2002 untersucht, wird eine diözesane Aufarbeitungskommission die jüngere Vergangenheit in den Blick nehmen. Aktuell ist ein Statut zur grundlegenden Aufgabe und Zusammensetzung der Kommission in Arbeit. Dazu steht der Interventionsbeauftragte bereits im Kontakt zu möglichen Mitgliedern. Festgelegt ist zudem, dass die NRW-Landesregierung Personen als Mitglieder benennt. Im Hinblick auf den noch zu errichtenden Betroffenenbeirat ist Wendland derzeit damit befasst, Kontakte zu möglichen Mitgliedern aufzunehmen und das Besetzungsverfahren zu planen.

Durch den Betroffenenbeirat soll die Betroffenenexpertise in die Aufarbeitung eingebracht werden. Zudem delegiert der Beirat Mitglieder in die diözesane Aufarbeitungskommission. Dieses Gremium soll eine umfassende Aufarbeitung gewährleisten, indem Tatsachen, Ursachen und Folgen von sexuellem Missbrauch erfasst sowie Strukturen im Umgang mit Vorwürfen von sexuellem Missbrauch identifiziert werden. 

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