Für eine Kultur der Sorge

Die Kritik am assistierten Suizid ist das bestimmende Thema der „Woche für das Leben“

Eröffnung der „Woche für das Leben“ in Augsburg (v.l.): Heinrich Bedford-Strohm und Bischof Dr.Georg Bätzing.
veröffentlicht am 21.04.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Augsburg/Erzbistum Paderborn. Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland haben am vergangenen Samstag die diesjährige „Woche für das Leben“ eröffnet. Unter dem Motto „Leben im Sterben“ widmen sich die Veranstaltungen der Woche der Frage nach einer menschenwürdigen Sterbebegleitung und den Möglichkeiten, die die Hospiz- und Palliativversorgung dabei bieten kann.

von Karl-Martin Flüter

Bundesweit wurde die „Woche für das Leben“ im Augsburger Dom von dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, eröffnet. Georg Bätzing griff in seiner Predigt die Themen auf, die die diesjährige „Woche für das Leben“ bestimmen: die Corona-Pandemie und die Einschränkungen der Palliativ- und Hospizarbeit sowie das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum assistierten Suizid.

Er beobachte das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes mit großer Sorge und befürchte die Gefahr eines „Dammbruchs“, wenn eine Legalisierung der Beihilfe zur Selbsttötung möglich wird, sagte Bätzing. Er befürchtet, der Druck auf alte und kranke Menschen werde infolge des Urteils mit der Zeit wachsen.

Die Gefahr eines „Dammbruchs“

„Seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, entspricht nicht dem christlichen Menschenbild“, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Jeder Mensch behalte in jeder Phase des Lebens seine Würde, unabhängig von seiner Verfassung, seiner Schaffenskraft oder seiner Gesundheit.

Teilnehmer und Referenten der „Woche für das Leben“ im Erzbistum Paderborn forderten bei der Auftaktveranstaltung, Leid und Not am Lebensende nicht zu verdrängen, sondern Sterbenden die bestmögliche Fürsorge zukommen zu lassen. „Wir alle wissen, dass der Ruf nach dem erlösenden Tod nicht selten ein Schrei nach Nähe und Begleitung ist“, sagte Dr. Werner Sosna. Die „Woche für das Leben“ solle eine Haltung bestärken, die der frühere Bundespräsident Horst Köhler in einer griffigen Formel zusammengefasst hat: „Nicht durch die Hand eines anderen sollen die Menschen sterben, sondern an der Hand eines anderen.“

Dem Lebensschmerz am Ende begegnen

Werner Sosna, Mitarbeiter des Liborianums in Paderborn und Mitglied des Diözesanen Ethikrates, hatte zusammen mit Christopher Durst vom Diözesan-Caritasverband die beiden Online-Tagungen der „Woche für das Leben“ vorbereitet. Sie finden an zwei aufeinanderfolgenden Samstagen am 17. und 24. April statt. Jeweils unterschiedliche Referenten widmen sich an den beiden Tagen der „Kultur der Sorge in der hospizlichen Begleitung“ sowie der Frage, wie dem „Lebensschmerz“ am Ende zu begegnen ist.

Der Soziologe Professor Reimer Gronemeyer setzte sich am vergangenen Samstag mit der Verdichtung menschlicher Solidarität in einer „Kultur der Sorge“ auseinander. Zweite Referentin der ersten Tagung war die Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes e.V., Gerda Graf. Am Samstag, 24. April, werden Meike Schwermann (AG Hospizkultur und Palliativversorgung in stationären Einrichtungen) und der Mediziner Professor Andreas Lübbe (Universität Marburg und Chefarzt der Palliativstation in Bad Lippspringe) während der zweiten Online-Tagung zu denselben Themen referieren.

Info

Die ökumenische Woche für das Leben ist eine Aktionswoche, die immer am zweiten Samstag nach Ostersonntag beginnt. Sie findet seit 1991 statt und geht auf eine Initiative des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sowie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zurück. Seit 1994 nimmt auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an dieser Initiative teil.

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