Adveniat fordert Schuldenerlass

Hilfswerk sieht die Länder Lateinamerikas in einer tiefen Krise: „Die Armutsrate explodiert“

Die Corona-­Pandemie trifft Kinder wie die Geschwister Ana Beatriz und Gabriel aus dem Quilombo Caraíbas in Brasilien besonders hart. Satt werden sie zurzeit nur durch die Lebensmittelnothilfen von Adveniat.  Foto: Kopp/Adveniat
veröffentlicht am 21.04.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Essen. „Die Armutsrate in Lateinamerika explodiert und die Volkswirtschaften stecken in einer schweren Krise. Deshalb müssen die Auslandsschulden der Länder neu verhandelt werden“, fordert Thomas Wieland vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat in Essen: „In der Corona-Pandemie dürfen die Banken keine Gewinne auf dem Rücken der von der Wirtschaftskrise besonders betroffenen Staaten in Lateinamerika machen. Notwendig sind deshalb ein Teilerlass und Neuverhandlungen über Auslandsschulden.“

In Brasilien ist laut einer aktuellen Studie in sechs von zehn Haushalten nicht sicher, ob die Familien ihre Ernährung bis zum Monatsende sicherstellen können. In Argentinien leben inzwischen mehr als die Hälfte der Menschen unter der Armutsgrenze. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. In Mittelamerika steigt die Zahl der Migranten in Richtung USA wieder stark an, weil die Corona-Krise und zwei verheerende Wirbelstürme im Herbst die Wirtschaft zerstört haben. „Die Corona-Pandemie hat Lateinamerika in die schwerste Wirtschafts- und Armutskrise seit Jahren gestürzt“, sagt der Leiter der Projektabteilung von Adveniat.

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat schließt sich einem Appell von Papst Franziskus an, der bei einem Frühjahrstreffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder gefordert hat. Dies sei ein Gebot globaler Solidarität, sagte Papst Franziskus. Weiter schlug das Kirchenoberhaupt eine Erhebung der „ökologischen Schulden“ der Industriestaaten vor. Diese seien durch die Kostenübernahme für nachhaltige Entwicklung im globalen Süden zu begleichen.

Ähnlich äußerte sich die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) und forderte in der vergangenen Woche ein Umdenken im Umgang mit den Auslandsschulden der Staaten. „Wir sind mitten in einer Pandemie“, kritisierte CEPAL-Generalsekretärin Alicia Barcena. Die Kreditwürdigkeit eines Landes entscheidet auch darüber, wie hoch die Zinsen sind, die ein Staatshaushalt künftig zu leisten habe. Je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto höher die Zinsen und größer die Ausgaben der Staatshaushalte, die dann für gesellschaftliche Aufgaben wie die Armutsbekämpfung an anderer Seite fehlten. „Die Restrukturierung, Neuverhandlung und Teilerlass von Schulden ist in der aktuellen Zeit der Pandemie im Interesse des privaten wie auch des öffentlichen Sektors“, ergänzt Adveniat-Experte Wieland.

In Ländern wie Argentinien, Ecuador oder Costa Rica stehen Verhandlungen über aktuelle oder künftige Kredite mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) an. Argentinien droht einmal mehr die Zahlungsunfähigkeit. In Zeiten der Pandemie müssten die Gläubiger aber flexibler reagieren, fordert Adveniat und schließt sich den Forderungen der katholischen Bischofskonferenz in Costa Rica an, die für alle diese Verhandlungen gelten müssten. „Das Volk hat das Recht, darüber informiert zu sein, welche Verpflichtungen die Regierung gegenüber dem IWF eingeht“, mahnte San Josés Erzbischof José Rafael Quirós jüngst Transparenz an. Das Volk müsse wissen, dass es für jeden Kredit in irgendeiner Form zu bezahlen habe, deswegen müssten die Regeln sehr klar definiert sein. Die Arbeitslosigkeit ist auch in Costa Rica durch die Corona-Pandemie von 12 auf 24 Prozent gestiegen.

Die Neuverhandlung und der Teilerlass von Schulden können aber nur ein erster Schritt sein. „Die Verpflichtung zu ökonomischer, finanzieller und sozialer Solidarität verlangt weit mehr als gelegentliche Akte von Großzügigkeit“, schrieb der Papst. Pläne für eine globale Erholung nach der Pandemie müssten „neue, inklusivere und nachhaltigere Lösungen“ zur Unterstützung der Realwirtschaft und der Hilfe für Benachteiligte enthalten, verlangte Franziskus. Wenn die Welt besser, menschlicher und solidarischer aus der Krise herauskommen wolle, gelte es, „neue und kreative Formen der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Teilhabe“ zu entwerfen. Dabei müssten auch die Armen eine Stimme haben.

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